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Interview mit Bernd Rümmelein

Redakteur: Diane Hegmann

 

Bernd Rümmelein wurde 1966 in Stuttgart geboren. Bereits während seiner Schulzeit schrieb er Kurzgeschichten, Gedichte und zahlreiche Filmkritiken. Nach dem Abitur absolvierte er eine Offiziersausbildung, arbeitete nebenbei als Redakteur und Radiomoderator und schloss danach das Studium der Rechtswissenschaften und der Betriebswirtschaft ab. Er arbeitet heute als Geschäftsführer und Senior Consultant in einer der weltweit größten Unternehmensberatungen und lebt mit seiner Familie in der Nähe von Tübingen. Seine Begeisterung für Filme sowie anspruchsvolle Fantasyliteratur ist unverändert geblieben. Seit über zwanzig Jahren verfasst er Kurzgeschichten. Mit Des Kriegers Herz landete er auf Platz 3 des Deutschen Phantastik-Preises 2008 in der Kategorie »Beste deutschsprachige Kurzgeschichte«. Für Band 1 seines Fantasy-Epos Kryson wird ihm der Wolfgang-Hohlbein-Preis 2009 verliehen.

 

Fantasyguide: In Anbetracht dessen, was bisher mit den Bänden 1 bis 4 schon entstanden ist und dem, was noch kommen wird – darf man fragen, wie umfangreich die Notizen für den Plot, Gedankenstützen, Skizzen, etc. sind, die neben dem PC liegen, wenn Sie schreiben? (Immerhin darf man ja selbst nicht den Überblick verlieren …) Oder haben sie alles im Kopf?

 

Bernd Rümmelein: Die Skizzen sind tatsächlich sehr übersichtlich. Ich plotte selten und schreibe überwiegend intuitiv. D. h. die Handlung entsteht im Kopf während des Schreibens und entwickelt sich. Für »Kryson« sind nur die jeweiligen Kapitel pro Band vorgeplant und mit einer kurzen Handlungsbeschreibung versehen. Darüber hinaus gibt es eine Ablaufskizze für die einzelnen Protagonisten mit einem individuellen Entwicklungspfad und eine Beschreibung der Welt, ähnlich einem kleinen Lexikon. Das sind nicht mehr als zwanzig Seiten. Historisches Material gibt es hingegen viel. Das ist aber schon sehr alt. Ich kann es nicht mehr vernünftig verwerten.

 

Fantasyguide: Woher stammen die Namen der Figuren und der Orte (ich denke da z. B. an Begriffe wie »Tareinakorach«, »Tsairu«, »Lesvaraq« …)? Diente irgendeine Sprache als Vorlage?

 

Bernd Rümmelein: Die Namen entstammen aus einem Brainstorming, in dem ich so lange mit Sprache und Worten in Gedanken spiele, sie zusammensetze, verwerfe und wieder neu zusammensetze, bis ich einen für die Geschichte und den Charakter – nach meinem subjektiven Empfinden – passenden Namen habe. Dann stelle ich für Regionen und / oder Gruppen Sprachregeln auf. Für bestimmte Völker klingen die Namen daher - insbesondere bei den Endungen – immer ähnlich. Teilweise fließen lateinische, französische, englische, griechische und arabische Versatzstücke oder Brocken mit ein, die ich irgendwann oder irgendwo mal aufgeschnappt habe. Wie gesagt, es muss gut klingen und die Charaktere möglichst treffen. Eiskrieger sind harte, sperrige Typen. Ihre Namen hören sich hart an.

An anderen Stellen sind es Wortspiele wie z.B. bei Thezael (der oberste Praister und Schattenbeschwörer). Sein Name entstand aus dem Wortspiel »The Angel of Death Azrael«. Wichtig ist der Rhythmus und die richtige Aussprache der Namen. Johannes Steck hat das gleich erfasst und im Hörbuch perfekt umgesetzt.

 

Fantasyguide: Gab es während des Schreibens Momente, in denen sich Ihre Figuren »selbstständig« gemacht haben? Sich also so entwickelten, wie Sie es zu Anfang vielleicht gar nicht geplant hatten?

 

Bernd Rümmelein: Nein. Sie verhalten sich meist brav und machen das, was ich will. Tun sie es nicht, werden sie bestraft und vielleicht sogar rausgeworfen. Da kenne ich bekanntlich keine Gnade. Das wissen die Figuren wohl inzwischen und spielen daher mit. Der einzige Charakter, der sich in dieser Hinsicht etwas überraschender verhält und immer wieder Allüren zeigt, ist Jafdabh der Todeshändler, mit dessen Berufung zum Regenten ich am Anfang der Geschichte niemals gerechnet hätte. Aber als Autor habe ich zum Glück die Chance, hin und wieder korrigierend einzugreifen ;-)

 

Fantasyguide: Bei so vielen Parallelhandlungen an verschiedenen Orten – wie organisieren Sie das? Verfolgen sie kontinuierlich das Schicksal einer Figur / Handlung, oder brechen Sie ab, um zu einem anderen Geschehen zu wechseln und dort weiterzuschreiben (quasi das, was der Leser gezwungen ist zu tun, wenn das Geschehen zu einem anderen Ort wechselt)?

 

Bernd Rümmelein: Ich versuche kapitelweise nacheinander zu schreiben, so wie es am Ende im Buch ist und wie es der Leser auch vorfindet. Das bedeutet, ich springe tatsächlich und schreibe normalerweise nicht einen Handlungsstrang zu Ende, um ihn dann umzusortieren. Es kann Ausnahmen geben, wenn die Ideen sprudeln und sich gerade gut entwickeln oder ein Kapitel einfach zu lang würde. Dann trenne ich ab, schreibe es aber meist zu Ende und schiebe ein anderes Kapitel dazwischen

 

Fantasyguide: Wann hat sich Ihre Idee zu »Kryson« verfestigt und wann begannen Sie zu schreiben? Oder war die Idee einfach da und entwickelte sich nach und nach auf dem Papier (Monitor)?

 

Bernd Rümmelein: Die Idee ist schon mehr als fünfundzwanzig Jahre alt. Klassisch, handgeschrieben auf dem Papier. Sie begann mit einem wesentlich späteren Kapitel »Krysons«, das in einer anderen Epoche und auf dem anderen Kontinent spielt. Das war in meinen Augen nicht fundiert genug. Mir fehlte an der ersten Idee die Basis, die Substanz und eine packende Historie. Dennoch hat sich die Welt kontinuierlich entwickelt. Mit dem Schreiben und der Ausarbeitung der Geschichte habe ich dann erst im Jahr 2005 begonnen. 2006 war dann der erste Band fertig.

 

Fantasyguide: Haben Sie die Karte, die zu Anfang jeden Buches ist, von Anfang an als visuelle Stütze gehabt oder wurde sie erst nachträglich hinzugefügt?

 

Bernd Rümmelein: Die Karte gibt es schon lange. Sie sieht aber anders aus als im Buch und ich gucke gelegentlich drauf, obwohl ich mich auf Ell inzwischen ganz gut auskenne und weiß, wo sich die jeweiligen Orte der Handlung befinden, wie es dort aussieht und welches Klima vorherrscht.

 

Fantasyguide: Aus dem Stehgreif: Wer ist ihre Lieblingsfigur in Ihrer Geschichte?

 

Bernd Rümmelein: Nalkaar, der Todsänger und … Tarratar, der erste Wächter des Buches. Nalkaar ist zwar nur ein Nebencharakter, in meinen Augen aber die facettenreichste Figur des Buches. Ich finde, er hat enormes Potential. Ist er wirklich böse? Er ist hintertrieben, ja. Andererseits verabscheut er rohe Gewalt. Als Seelenfresser ist er gewiss ein Monster. Dennoch ist er eine tragische Figur, die durch einen Unfall so geworden ist und in Abhängigkeit zu einer rachsüchtigen und machthungrigen Hexe steht.

Er ist ein Fremdkörper auf Kryson, der zwischen Leben und Tod wandelt. Seine Musik ist seine einzige, große Leidenschaft und die Liebe, die ihm geblieben ist. Ich stelle mir Nalkaar als großen Künstler vor. Er ist kreativ und besessen. Die Musik ist seine Magie, mit der er alles erreichen kann. Schwere, zugleich wunderschöne und melancholische Musik.

 

Fantasyguide: Im neusten Band Das verlorene Volk bringen Sie eine neue Komponente mit ein, nämlich die der technischen Entwicklung. Wie ergab sich das?

 

Bernd Rümmelein: Das ist die logische Fortentwicklung aus dem ersten Band, in dem zum ersten Mal ein Prototyp einer modernen Schusswaffe von Nalkaar eingesetzt wird und den Bewahrer Madhrab beinahe zu Fall bringt. Ich könnte jetzt sagen, wurden die Teufel erst einmal gerufen, werden sie keine Ruhe mehr geben. Tatsächlich finde ich das Aufeinanderprallen von Magie und Technik sehr interessant. Es gibt dem Buch eine neue Richtung, wobei wir auch hier wieder ein ähnliches Motiv der Gegensätze haben, die sich abstoßen und doch nicht ohneeinander existieren können. Das Gleichgewicht. Es zieht sich wie ein roter Faden durch »Kryson«. Alt gegen Neu, wer wird siegen? Ist die Magie stärker als der Fortschritt? Wie beeinflusst die Technik das Gleichgewicht der Mächte? Die Technik kommt in der Form von Waffen natürlich nicht positiv weg, aber wahrscheinlich lässt sie sich nicht ohne weiteres aufhalten.

 

Fantasyguide: Was tun Sie bei der befürchteten Schreibblockade?

 

Bernd Rümmelein: Nichts. Oder eben warten, bis sie wieder vorbei ist.

Das stimmt natürlich nicht ganz. Aber ich unternehme nichts Spezielles gegen eine mögliche Schreibblockade. Familienzeit einlegen, Zeit mit meiner Frau verbringen, mit den Kindern spielen, arbeiten, lesen, Filme gucken oder zwischendurch Urlaub machen. Eigentlich ist immer was los oder was zu erledigen. Und irgendwann sprudeln die Ideen und Worte wieder wie von selbst. Sollte es dann immer noch nicht zügig voran gehen, wird so lange der Zustand andauert an anderen Geschichten gearbeitet.

 

Fantasyguide: Und zuallerletzt: Wie weit sind Sie gerade?

 

Bernd Rümmelein: Oh je, bestimmt noch nicht so weit, wie ich heute gerne wäre. Ich habe gerade mit dem fünften Band von »Kryson« angefangen. Der Prolog ist fast fertig. Und der Rest? Genau … ein großes Fragezeichen. Aber ich denke, dass ich den nächsten Band pünktlich zum Abgabetermin fertig haben werde. Das hat bislang noch immer geklappt.

 

Fantasyguide: Vielen Dank für die Antworten!

 

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Eure Meinung:

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Bernd Rümmelein

Buch:

Das verlorene Volk

Reihe: Kryson 4

Taschenbuch, 605 Seiten

Otherworld Verlag, September 2010

 

ISBN-10: 3800095262

ISBN-13: 978-3800095261

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 30.11.2010, zuletzt aktualisiert: 15.09.2019 17:26