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Newtons Kanone von Greg Keyes

Reihe: Der Bund der Alchemisten, Bd. 1

Rezension von Christel Scheja

 

Erzählte Greg Keyes in seinem Zyklus um „Die verlorene Reiche“ eher eine epische High Fantasy-Geschichte, so wendet er sich jetzt anderen Themen zu. Schon dem ersten bei Blanvalet erschienenen Zyklus merkte man an, dass er sehr gerne geschichtliche Entwicklungen mit einbezog, nun vertieft er diesen Eindruck durch seine neue Saga.

Sein neuer Zyklus „Der Bund der Alchemisten“ ist im frühen 17. Jahrhundert angesiedelt. Nur einige kleine Ereignisse bewirken, dass die Geschichte einen gänzlich anderen Verlauf nimmt als bekannt.

 

Im Jahre 1681 entdeckt Sir Isaac Newton bei einem alchemstischen Experiment das Quecksilber der Weisen, eine Substanz, die vielseitig verwendbar ist und den Menschen das Leben erleichtern könnte, wenn man sie richtig anwendet. So werden die Ätherschreiber entwickelt - Vorrichtungen, mit denen man über weite Entfernungen miteinander kommunizieren kann, wenn das Herzstück des Geräts aus ein und dem selben Kristall geschnitten wurden. Nachrichten können ohne Zeitverlust übermittelt werden und informieren so die Kundigen auch auf der anderen Seite des Atlantiks, was in Europa vor sich geht.

Von nun an nutzen viele Gelehrte dieses Gerät, um sich auszutauschen, aber auch Zeitungsherausgeber und Spione ziehen ihren Nutzen daraus, denn wieder einmal belauern sich England und Frankreich und warten nur auf eine Schwäche, die sie gnadenlos ausnutzen können. Sehr hilfreich dabei ist der geheime Datenaustausch.

Im Jahre 1715 hält Frankreich den Atem an. Denn ihr Souverän Louis XIV. kehrt gesund und gestärkt von seinem Sterbebett zurück und hält die Fäden des Landes weiter in der Hand. In seinem Schatten blüht aber der Verrat, denn die Kundigen wissen, dass er sein Leben nicht mit natürlichen Mitteln verlängert hat.

So bleibt der Status Quo in Europa erhalten und bietet neuen Entwicklungen Raum. Inzwischen ist eine neue Generation von Gelehrten heran gewachsen, die die Schöpfung noch weiter heraus fordern.

Dazu gehört der junge Benjamin Franklin, der mit seinem Bruder nicht nur eine Zeitung betreibt, sondern auch daran arbeitet, den Ätherschreiber zu verbessern. Es gelingt ihm, diesen so zu verändern, dass er nun auch andere erreichen kann, nicht nur sein Gegenstück. Er beginnt einen regen Austausch mit anderen Wissenschaftlern und Alchemisten, nicht wissend, mit wem er da kommuniziert und wem er Wissen in die Hände spielt, das eine Katastrophe in die Wege leiten könnte.

Derweil wird die junge Adlige Adrienne in den Stab von Louis XIV. berufen. Sie diente der verstorbenen Königin bis zu ihrem Tod als Schreiberin und nutzte die gewonnenen Freiheiten, um ihr Wissen zu vertiefen. Das ist trotz aller Vorsicht aufgefallen, aber es hat keine negativen Folgen. Statt dessen bitten sie die Verschwörer, dem König immer näher zu kommen um Informationen zu sammeln. Denn durch sein Handeln hat er Kräfte auf die Welt beschworen, die offensichtlich nichts Gutes im Sinn haben. Nur durch das, was sie heraus findet, könnte es einen Weg geben, Schlimmeres zu verhindern. So wie mit den Informationen aus den Kolonien eine Waffe geschaffen werden könnte, die das Verhältnis zu London schlagartig ändern könnte. Denn wenn „Newtons Kanone“ zum Einsatz kommt, wird sie mehr Vernichtung anrichten als jede andere Waffe, die die Menschen bisher kennen.

 

Man könnte „Der Bund der Alchemisten“ zunächst für einen Parallelwelt-Roman halten, aber das ist er nicht. Neben den rein wissenschaftlichen Spekulationen spielen auch starke phantastische Elemente eine Rolle. Der französische König überantwortet sich durch die Einnahme eines persischen Elixiers einer Macht, die sich als dunkler Engel manifestiert und ihn nahezu unsterblich und unverwundbar macht. Und am Ende ist sie nicht vernichtet, sondern sucht sich weit östlich von Frankreich ein neues fürstliches Opfer, das ihren Einflüsterungen erliegt.

Ebenso glauben die Gelehrten glauben an Wahrsagerei und Magie - sie versuchen diese nur immer mit wissenschaftlichen Methoden zu beherrschen und nach ihrem Willen zu lenken, was mehrfach grausam fehl schlägt. Statt dessen führen ihre Eingriffe am Ende zu erschütternden Katastrophen, auch wenn sie rechtzeitig ihre Fehler erkennen und einzulenken versuchen.

Etwas verwirrend sind hingegen die einzelnen Handlungsstränge. Erst zum Ende hin werden sie zusammen geführt, vorher agiert jede Figur für sich in ihrem eigenen Umfeld. Dabei steht eher die Handlung im Vordergrund, weniger der Charakter selbst. So bleibt man den Figuren auch bis zum Ende eher fern, vor allem wenn man sie als historische Persönlichkeiten kennt.

Interessanter sind die skurrilen Ideen und Verbindungen, die der Autor nach und nach schlägt, und mit einer spannenden Geschichte verbindet, die hin und wieder durch ein wenig Action aufgelockert wird, damit auch der Abenteuer liebende Fantasy-Fan zufrieden gestellt wird.

 

„Newtons Kanone“ ist der vielversprechende Auftakt eines spannenden Zyklus, der zwar nicht unbedingt in eine fremde Welt entführt, aber durch sein ungewohntes Thema und Setting neugierig auf mehr macht, vor allem wenn man selbst ein wenig an Geschichte interessiert ist.

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Buch:

Newtons Kanone

Reihe: Der Bund der Alchemisten Band 1

Autor: Greg Keyes

ÜbersetzerInnen: Carmen Jacobs und Thomas Müller-Jacobs

Taschenbuch, 540 Seiten

Blanvalet, Dezember 2007

 

Titelfoto: Martin Lisec

 

ISBN: 978-3-442-24355-6

 

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 11.01.2008, zuletzt aktualisiert: 19.02.2018 18:45