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Kolumne: Schaumvirus ...

Autor: Holger M. Pohl

 

… oder Wenn zwei am selben leiden, ist es noch lange nicht die gleiche Krankheit!

 

Ich liebe Forenthreads, in denen es so richtig zur Sache geht; in denen man kein (oder nur ein kleines) Blatt vor den Mund nimmt; in denen man den anderen zeigt, wo Thors Hammer hängt oder der Bertel den Most holt; wo der Hinz den Kunz niedermacht oder der David dem Goliath einen vor den Latz donnert. Ich liebe solche Threads! Sie bieten wenig an Information, doch ungeheuer viel an amüsanter Unterhaltung, frei nach dem Pro7-Motto: We love to entertain you!

 

Natürlich lässt sich dazu nicht jeder Thread nutzen, doch ein Hackerangriffswerbethread für ein Buch ist dazu allemal gut. Hacker zum einen, weil man ja so gerne hackt (meist gerne auf anderen herum), zum anderen deswegen, weil – wie in der Internet-Welt so üblich – einer dahergeweht (oder hereingeschneit oder hereingehackt) kommt, um einen wahnsinnig tollen Virus … ich meine, ein wahnsinnig tolles Buch zu empfehlen (das hatten wir doch schon mal, oder?), und diese Empfehlung auf eine Art und Weise verbreitet, die zweifelsfrei erkennen lässt, woher der Hacker kommt: aus dem Umfeld des Autors.

 

So weit, so gut. Das ist Usus in der schönen weiten Welt des Internets. Doch manchmal geschieht eigenartiges (und man erkennt wieder, dass die schönsten phantastischen Geschichten nicht ein Autor, sondern das Leben schreibt!):

 

Handelt es sich dem von dem Hacker eingebrachten Virus (Virustyp A) um einen völlig unbekannten Typus von Autor, dann ist sich die Forengemeinschaft einig und der Virus wird mit jedweder Hammermedizin viraler Art bekämpft! Die geballte antibiotische Forenpower schlägt zu! Behandlung gelungen – Virus ausgemerzt! (Therapie 1)

 

Bei nicht ganz so unbekannten oder bekannten Autorenviren (Virustyp B) hingegen kann es aber geschehen, dass sich eine Zweifrontentherapie entwickelt. Während die eine Seite der Medizin versucht dem Virus (oder seinem vorgeschickten Herold) klar zu machen, dass die Art und Weise, wie er sich verbreitet (nämlich auf die Art und Weise, die man ansonsten mit jedweder Hammermedizin bekämpft) ein ganz klein wenig suboptimal ist, versucht die andere Seite der Medizin die Sache doch ein wenig anders und positiver zu sehen: dieselbe Krankheit ist noch lange nicht das gleiche Leiden! Behandlung misslungen – Virus breitet sich aus! (Therapie 2)

 

Das Amüsante an diesen Threads ist dann, dass es all zu schnell gar nicht mehr um das Virus (sprich das beworbene Buch) geht, sondern einfach nur drauf los gehackt wird. Alle gegen einen und jeder gegen jeden. Die Ärzte streiten sich und das Virus frohlockt. Es schäumt ungehemmt weiter auf.

Irgendwann kommt dann der Zeitpunkt, wo die einen starrsinnig auf ihrer Therapie beharren (egal wie die aussehen mag), andere die Therapieversuche aufgeben (meist, weil sie keine Erfolgschancen sehen oder sich persönlich betroffen fühlen) oder manche versuchen, die Therapie erfolgreich abzuschließen (weil sie an und für sich etwas positives wollen, auch wenn der Virenbefall negativ zu bewerten ist).

 

Am Ende läuft es auf dasselbe hinaus: der Unbedarfte interessiert sich weder für Virustyp A noch für Virustyp B. Er interessiert sich einzig und alleine für den Medizinerstreit (denn der ist letztlich nichts anderes als eine ganz besondere Art von viralem Marketing - es fragt sich nur wofür?), weil der ist über alle Maßen unterhaltsam. Informationen – so denn welche kommen – sind zweitrangig geworden. Insofern ist also, wenn man an Unterhaltung interessiert ist (und schließlich ist Lachen angeblich die beste Medizin!), die Therapie 1 nichts, was einen länger fesselt. Therapie 2 hingegen bietet einem wirklich etwas. Daher sollten bekannte Autoren generell auf den Virustyp B übergehen. Sie erreichen damit auf alle Fälle eines: auch wenn bis dahin kaum einer das Buch gelesen hat und noch niemand so genau weiß, wie es einen unterhält, das virale Marketing unterhält garantiert!

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Erstellt: 30.05.2010, zuletzt aktualisiert: 23.02.2019 11:05