Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Interview mit Andrea Tillmanns

Redakteur: Christian Handel

Das Interview wurde am 11.06.08 geführt.

 

Andrea Tillmanns, geb. 1972 in Grevenbroich. Die promovierte Physikerin lebt in Würselen (bei Aachen) und arbeitet als wissenschaftliche Angestellte an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach. In ihrer Freizeit widmet sie sich neben der Literatur auch der Fotografie.

Neuste Veröffentlichung von Andrea Tillmanns ist das Jugendbuch "Erik im Land der Drachen", Grund genug, der Autorin zu ihrem neuen Jugendbuch ein paar Fragen zu stellen.

 

 

Fantasyguide: Kannst du uns erzählen, wie du zum Schreiben gekommen bist? Wann hast du bemerkt, Talent dafür zu haben? Und weißt du noch, worum es in deiner ersten Geschichte ging?

 

Andrea Tillmanns: Abgesehen von den obligatorischen melodramatischen Gedichten in meiner Jugend habe ich erst spät zu schreiben begonnen – und eigentlich eher zufällig: 1995 war ich gemeinsam mit einer Freundin bei einer Lesung aus einem heiteren Frauenroman. Anschließend überlegte ich laut, dass es bestimmt interessant sei, auf Lesereise zu gehen, viele Städte und Menschen kennenzulernen … Meine Freundin meinte daraufhin trocken: „Schreib du erstmal ein Buch, dann sehen wir weiter.“ Also habe ich erstmal ein Buch geschrieben … und eigentlich erst beim Schreiben festgestellt, wie befriedigend es war, eine eigene Geschichte oder auch eine eigene Welt zu erschaffen.

Das erste Buch war aufgrund der Vorgeschichte ein heiterer Frauenroman, die darauffolgenden Kurzgeschichten waren aber schon in der Phantastik angesiedelt; dem Bereich, in dem ich mich auch heute noch am stärksten heimisch fühle.

 

Fantasyguide:Wenn du “Erik im Land der Drachen” mit einem Satz beschreiben müsstest, wie würde der lauten?

 

Andrea Tillmanns: Die Erfüllung von Eriks größtem Wunsch erweist sich als der Beginn einer abenteuerlichen Reise durch eine phantastische Welt.

 

Fantasyguide: Wie lange hast du gebraucht, um das Buch zu schreiben?

 

Andrea Tillmanns: Etwa ein halbes Jahr. Einige Ideen gab es schon lange vorher, aber die eigentliche Geschichte entstand relativ schnell – so schnell es neben dem normalen Brotberuf möglich war.

 

Fantasyguide: Was hat dich zu “Erik im Land der Drachen” inspiriert?

 

Andrea Tillmanns: Erik gelangt aufgrund des Wunsches, von seiner Hautkrankheit befreit zu werden, in die phantastische Welt, in der der Großteil des Romans spielt. Diese Idee kam mir beim Blättern in uralten Fotoalben: Eine frühere Klassenkameradin litt an starker Neurodermitis und wurde, ebenso wie Erik, von vielen Mitschülern gemieden – in erster Linie aus der Unsicherheit heraus, was das für eine Krankheit war, und ob sie ansteckend war … Mit mehr als zwanzig Jahren Abstand habe ich mich gefragt, wie sie diese Zeit als Kind wohl erlebt hat – und schon stand die Ausgangssituation fest.

 

Fantasyguide: Lebst du vom Schreiben oder gehst du noch einem anderen Broterwerb nach?

 

Andrea Tillmanns: Ich arbeite als wissenschaftliche Angestellte an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach. Als Physikerin bin ich im Forschungsinstitut für Textil und Bekleidung für alles zuständig, was nach Mathematik, Physik oder Elektronik aussieht.

Vom Schreiben leben zu können, ist natürlich ein Traum – andererseits würde mir auch etwas fehlen, wenn ich nicht mehr in der Forschung arbeiten würde.

 

Fantasyguide: Erzählst du uns ein bisschen darüber, wie einer deiner Romane entsteht? Wie sieht ein gewöhnlicher Arbeitstag für dich aus? Hast du irgendwelche seltsamen Angewohnheiten?

 

Andrea Tillmanns: Meine bisherigen Romane sind auf ganz unterschiedliche Weise entstanden – manchmal setze ich mich vor den PC und fange einfach an, bei anderen habe ich wochen- oder monatelang den Anfang oder das Ende im Kopf und warte, bis mir der Rest einfällt.

Da ich nebenbei noch einen Vollzeit-Job habe, kann ich nur abends oder am Wochenende schreiben. Wenn ich mit einem Roman beginne, mache ich mir einen Plan, bis wann ich wie viele Seiten schreiben will – und an diesen halte ich mich auch, sonst würde ich wahrscheinlich nie fertig. Freunde und Bekannte merken immer recht früh, wenn ich einen neuen Roman begonnen habe, da ich in diesen Phasen kaum noch dazu komme, Mails zu beantworten …

Ich brauche während meiner Schreibphasen prinzipiell größere Chips- und Tee-Vorräte, ansonsten gönne ich mir nach jeder beendeten Seite ein Sudoku-Spiel zur Entspannung. Mit noch seltsameren Ritualen kann ich nicht dienen ;-)

 

Fantasyguide: Was macht dir am meisten Spaß, wenn du an einem neuen Roman arbeitest – und was kannst du nicht ausstehen?

 

Andrea Tillmanns: Am meisten Spaß macht es, die Geschichte entstehen zu lassen, den Figuren „zuzusehen“, wie sie agieren und mich dabei manchmal auch überraschen. Ich könnte einen Roman nie so vollständig planen, dass ich genau wüsste, was wann geschieht – dann wäre mir das Schreiben zu langweilig.

 

Fantasyguide: Woran erkennst du, dass sich eine Idee dazu eignet, zu einem Romanplot ausgearbeitet zu werden?

 

Andrea Tillmanns: Manche Ideen fühlen sich von Anfang an anders an als die üblichen Kurzgeschichten-Ideen. Für einen Roman braucht man ja mehr als eine Pointe – man braucht eine Welt, Figuren, die in dieser Welt leben, eine tragfähige Handlung … Bei mir ist es oft so, dass ich einen dieser Punkte nicht mehr aus dem Kopf bekomme, und mit der Zeit fallen mir immer mehr passende Szenen ein. Wenn ich das Gefühl habe, dass daraus eine runde Sache werden kann, beginne ich mir Stichworte zu machen, die bisherigen Ideen zu sortieren und zu schauen, welche Punkte noch offen sind bzw. ob ich einen roten Faden finde, der sich wirklich von Anfang bis Ende durchzieht – oder ob ich noch logische Stolpersteine aus dem Weg räumen muss. Wenn das alles funktioniert hat, beginne ich zu schreiben.

 

Fantasyguide: Gibt es eine Stelle in deinem Roman, auf die du besonders stolz bist?

 

Andrea Tillmanns: Bei den letzten Lesungen habe ich festgestellt, dass der sprechende Ameisenbär gut ankommt … ansonsten mag ich die Details, die anders sind als in anderen Phantastik-Romanen für Kinder, wie beispielsweise die Kunstwerke der Luftgeister, die Zauberkräfte der Baumelfen, die erste Begegnung mit dem bösen Herrscher …

 

Fantasyguide: Was ist für dich persönlich wichtiger: Worldbuilding oder Charakter-Entwicklung?

 

Andrea Tillmanns: Mich interessieren beide Aspekte. Einerseits ist es mir in einem Roman wichtig, dreidimensionale Charaktere zu beschreiben, die sich im Laufe der Handlung weiterentwickeln. Andererseits liebe ich es, mir die gerade erwähnten kleinen Details zu überlegen, mir eine besondere Landschaft oder ungewöhnliche Lebewesen auszudenken, über deren Lebensweise nachzudenken … und schließlich die Protagonisten in eine solche märchenhafte, magische Welt zu setzen und mitzuerleben, wie sie in dieser Welt agieren.

 

Fantasyguide: Deutsche Fantasy ist vor allem im Bereich der Jugendliteratur erfolgreich. Woran, glaubst du, könnte das liegen?

 

Andrea Tillmanns: Wenn ich von meinen eigenen Erfahrungen ausgehe, vermute ich, dass Kinder einfach noch aufgeschlossener dem Genre Fantasy bzw. Phantastik gegenüberstehen. Ich habe früher auch viel Fantasy gelesen, inzwischen habe ich mich eher auf Phantastik und SF verlegt, die näher an der Realität liegen und mir daher auch nach acht Stunden Arbeit einen leichteren Zugang bieten. Je älter ich werde, desto schwerer fällt es mir, mich von einem Buch in eine völlig fremde Welt entführen zu lassen.

 

Fantasyguide: Glaubst du, dass ein Autor Verantwortung trägt für seine Werke? Und kann ein Buch einen Menschen verändern?

 

Andrea Tillmanns: Ich denke, dass ein Buch einen Menschen zumindest für eine kleine Weile froher, glücklicher, vielleicht ein wenig hoffnungsvoller machen kann. Die Bücher, die ich schreibe, sind nicht dazu gedacht, das Leben ihrer Leser umzukrempeln – ich wünsche mir, dass die Leser für ein paar Stunden die alltäglichen Sorgen vergessen können und sich später ab und an mit einem Lächeln erinnern.

 

Fantasyguide: Was macht deiner Meinung nach das Fantasy-Genre so attraktiv?

 

Andrea Tillmanns: Dass es in Fantasy-Welten andere, einfachere Regeln gibt als im normalen Leben – man kämpft, gewinnt oder verliert, muss vielleicht fliehen, und am Ende gibt es eine Lösung, die nur in einer magischen Welt möglich ist.

 

Fantasyguide: Hand auf’s Herz: Hast du jemals Fanfiction geschrieben?

 

Andrea Tillmanns: Nein, geschrieben nicht. Aber als Kind, nachdem ich „Die Chroniken von Narnia“ zum x-ten Mal gelesen hatte, habe ich mir kleine Geschichten ausgedacht, die in dieser Welt spielten.

 

Fantasyguide: Hast du bereits Pläne für einen weiteren Roman? Worum wird es darum gehen?

 

Andrea Tillmanns: Nachdem ich nun zwei Kinderbücher geschrieben habe, erscheint dieses Jahr noch ein Gruselroman für Erwachsene. Die nächsten beiden Romane – Phantastik für jüngere Kinder bzw. für Jugendliche – sind bereits fertig und werden demnächst auf den üblichen Verlags-Marathon geschickt.

 

Fantasyguide: Hast du literarische Vorbilder? Und welche Autoren liest du gern, einfach zum Spaß?

 

Andrea Tillmanns: Ich lese in den letzten Jahren vor allem die Anthologien, in denen ich selbst vertreten bin und in denen ich immer wieder neue, junge Autoren entdecke. Romane lese ich aus Zeitmangel eher selten; in letzter Zeit hat mir besonders „Simon Goldsteins Geburtstagsparty“ von Heidrun Jänchen sehr gefallen.

 

Fantasyguide: Gibt es eine Frage, die du schon immer gern in einem Interview gestellt bekommen hättest, die bisher aber nie aufgetaucht ist? Wenn ja, wie lautet diese Frage und bitte verrate uns auch die Antwort darauf?

 

Andrea Tillmanns: Ich würde mir wünschen, irgendwann mal gefragt zu werden, wie ich mir den riesigen Erfolg meines neuen Buches erkläre ;-)

 

Fantasyguide: Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, die Fragen zu beantworten.

Für heute wünschen wir dir jedenfalls alles Gute sowohl für deinen Roman als auch für dein berufliches und privates Leben.

Herzlichen Dank!

 

Zum Seitenanfang

Eure Meinung:

Keine Kommentare
Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
*
*
Platzhalter
Andrea Tillmanns

Weitere Infos:


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 12.06.2008, zuletzt aktualisiert: 17.11.2017 09:23