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Interview mit dem Autoren Thomas Finn

(das Interview wurde im Dezember 08 per eMail geführt)

Redakteur: Linda Danneberg

 

Thomas Finn wurde 1967 in Chicago geboren, heute lebt er in Hamburg. Er schrieb bereits an den Publikationen des bekannten Fantasy-Rollenspiels "Das schwarze Auge" mit, war und ist aber ebenso als Roman-, Theater-, Drehbuchautor sowie als Lektor und Dramaturg tätig. Den jüngeren Lesern ist Finn vor allem durch seine fantasievollen Jugendromane, beispielsweise "Die Chroniken der Nebelkriege", bekannt.

 

Anlässlich seiner neuen Fantasy-Reihe, "Die Wächter von Astaria", sprach der Fantasyguide mit dem Autor.

 

 

Fantasyguide: Zunächst würde ich Sie bitten, sich den Lesern, die Sie bisher noch nicht kennen, vorzustellen.

 

Thomas Finn: Nun, ich bin 41 Jahre alt, wohne in Hamburg und bin begeisterter Fantast. Wer mehr über mich wissen will, klickt am besten die Rubrik „Über mich“ auf meiner Webseite www.thomas-finn.de an. Da gebe ich erschöpfend über meine Person Auskunft.

 

Fantasyguide: Ihr neuer Roman, "Der letzte Paladin", ist eine recht klassische Fantasygeschichte, die geschickt neue Ideen mit bekannten Mythen verquickt. Sowohl Bezüge aus der christlichen Überlieferung wie auch der Astronomie lassen sich erkennen. Woher nahmen Sie die Inspiration für diesen Roman?

 

Thomas Finn: Nun, ich hatte schon immer mal den Wunsch, Engelsmotive mit den klassischen Elementen der Fantasy zu verknüpfen. Engel entstammt ja mitnichten allein dem Christentum oder dem Islam, ihre Wurzeln lassen sich vielmehr bis ins alte Babylon zurückverfolgen. Irgendwie fand ich Engel schon immer recht cool. Man denke nur an die Erzengel und ihre Konflikte. Recherchiert man dann ein wenig weiter, landet man spätestens über die sogenannten Schutzengel auch in der esoterischen Ecke. Von dort ist es dann auch zur Astrologie nicht mehr weit, die ja für einige auch weniger seriöse Wissenschaft, denn fantastisch anmutende Sinnbeschäftigung ist. Für einen Fantastik-Autor sind solche Lesarten natürlich sehr inspirierend. Letztlich war es aber wohl dieses Bild, das den Ausschlag gab, beide Elemente in den sternengleichen Stellaren zu verknüpfen und auf Astaria eine Sternenschöpfung nach ptolemäischem Vorbild einzurichten.

 

Fantasyguide: In einigen Ihrer früheren Fantasy-Bücher haben Sie ein Setting gewählt, das Ihrer Heimat Hamburg stark ähnelt. "Der letzte Paladin" entfernt sich nun davon, hier wird eher ein verfremdetes Bild von Italien gemalt. Hat auch der Schauplatz eine besondere Bedeutung für Sie?

 

Thomas Finn: Richtig. Hamburg spielte in meinem Zeitreise-Thriller „Der Funke des Chronos“ und dann auch bei den „Chroniken der Nebelkriege“ eine wichtige Rolle, wenngleich bei letzterer auch mit „Hammaburg“ in einer sehr fantastischen Form. Die Kollegen aus Übersee oder jenseits des Kanals haben ja auch keine Scheu davor, ihre eigene Heimat als Blaupausen für fantastische Geschichten zu verwenden. Bei meiner neuen Astaria-Trilogie ist es ganz einfach so, dass man Italien am ehesten mit Engelsdarstellungen verbindet. Einen weiteren Anstoß gaben meine Himmelsmechaniker, also jene menschlichen und gnomischen Erfinder, die aus Meteoreisen Zauberartefakte bauen können. Ihnen standen natürlich Geistesgrößen wie Leonardo da Vinci oder Galileo Galilei Pate, die ebenfalls Italiener sind. Das alles fügte sich somit Stück für Stück zu dem jetzigen Bild Astarias zusammen.

 

Fantasyguide: Wie lange haben Sie an "Der letzte Paladin" gearbeitet und wie weit fortgeschritten ist die Arbeit an der gesamten Reihe "Die Wächter von Astaria"?

 

Thomas Finn: Am Paladin habe ich inklusive Ideenfindung etwa sechs Monate gearbeitet. Der zweite Teil der Trilogie ist natürlich längst fertig und trägt den Titel „Die flüsternde Stadt“. Er erscheint im März 2009. Der dritte Teil wird aller Voraussicht nach den Titel „Der brennende Berg“ tragen und im Herbst 2009 in den Läden liegen. An diesem Roman schreibe ich derzeit.

 

Fantasyguide: Was dürfen sich die Leser vom Folgeband Ihrer Reihe erwarten?

 

Thomas Finn: Es wird zunehmend epischer, ganz so, wie sich das gehört. Leser und Helden werden eine Reihe neuer Geheimnisse aufdecken, neue und alte Figuren tauchen (wieder) auf, die zaubermächtigen Sternenmystikerinnen treten in den Mittelpunkt der Handlung, während die Goblins aus dem Osten unaufhaltsam heranrücken. Und weil ich immer wieder danach gefragt werde, gebe ich hiermit preis, dass auch Celestes arroganter Cousin Raimondo erneut auftreten wird. Das war etwas, das sich wirklich viele Leser gewünscht haben. Da ich erstmals eine Rittergeschichte schreibe, habe ich mir im zweiten Band einen persönlichen Wunsch erfüllt und unter anderem ein Turnier in den Fokus der Handlung gerückt. Ich muss schon sagen, das hat auch im Nachhinein betrachtet sehr viel Spaß gemacht.

 

Fantasyguide: Warum schreiben Sie Fantasy-Romane? Was fasziniert Sie an diesem Genre?

 

Thomas Finn: Es ist gar nicht leicht, eine Antwort auf diese Frage zu finden. Ich denke, es sind die vielfältigen und faszinierenden Möglichkeiten, die mich bei der Fantastik so faszinieren. Das Überschreiten von Grenzen. Hinzu kommen die Farbigkeit und das Epische, die man so in anderen Genres nur schwer zu Papier bringen kann. Menschen hat es schon immer fasziniert, neue Welten zu entdecken und zu erforschen. Insofern bietet die Fantasy das, was früher die klassischen Abenteuer- und Entdeckerromane geboten haben.

 

Fantasyguide: Was sind Ihrer Meinung nach Ihre Stärken als Autor und was fällt Ihnen schwer?

 

Thomas Finn: Oje. Ich finde es schwierig, mich über meine Stärken zu äußern und überlasse das lieber dem Leser. Vielleicht soviel: Mein Ziel ist es stets, auf möglichst aufregende und spannende Weise zu unterhalten. Und ich glaube, ich bin darin gar nicht so schlecht. Schwer fallen mir in aller Regelmäßigkeit die ersten 50 Seiten eines neuen Romans. Aber das geht vielen Autoren so. Die Welt muss eingeführt und die Charaktere in Stellung gebracht werden. Und das alles möglichst fluffig und ohne, dass der Leser an aufgesetzten Erklärungen erstickt. Das zu schaffen, bis die Story „läuft“, erfordert meist ein Dutzend Überarbeitungsgänge.

 

Fantasyguide: Ihre Karriere begann unter anderem als Autor von Rollenspiel-Romanen. Inwieweit unterscheidet sich die Arbeit an DSA-Romanen von der Arbeit an völlig eigenständigen Büchern?

 

Thomas Finn: Aventurien, die Welt des Schwarzen Auges, in dem mein Debutroman „Das Greifenopfer“ und zwei Kurzgeschichten spielen, ist recht detailliert ausgearbeitet. Man sollte eine solche Welt kennen und ein Gefühl dafür entwickeln, bevor man sich an einem Roman versucht, der in einer derart ausgearbeiteten Welt spielt. Dasselbe gilt natürlich auch für andere Rollenspielwelten, etwa die von Shadowrun oder jene der Forgotten Realms. Eigene Welten liegen in der Regel skizzenhafter vor. Sie entwickeln ihr Leben während des Schreibens. Wenn man sich in einer Rollenspielwelt auskennt, hat beides seinen Reiz. Denn während du dich von einer Rollenspielwelt und ihren bereits publizierten Schauplätzen inspirieren lassen kannst, musst du die Bühnen deiner eigenen Welt erst einmal erfinden.

 

Fantasyguide: Fantasy ist immer wieder beliebte Zielscheibe für Angriffe von Vertretern der sogenannten "Hochliteratur". Eskapismus wirft man ihren Lesern vor, Kinder und Jugendliche sollten mittels Fantasy keine Realitätsflucht begehen, so sagt man. Wie stehen Sie zu der Bedeutung und dem Wert von Fantasyliteratur?

 

Thomas Finn: Diese Vorwürfe kommen in der Tat immer wieder mal auf. Und am lautesten brüllen jene, die unwissend oder neidisch sind. Darunter leider auch eine Reihe von Kollegen, die ich eher der Sparte Betroffenheitsliteratur zuordne. Auch die klassischen Krimiautoren waren vor einigen Jahrzehnten großen Vorurteilen ausgesetzt, heute ist das Genre nicht mehr aus der Literatur wegzudenken. Am meisten erschüttert es mich, dass diese Kritiker dem fantastischen Lesepublikum vorhalten, dass es nicht zu Transferleistungen fähig sei. Dabei ist die Fantastik nur ein Gewand, in dem sich hochbrisante politische Themen ebenfalls adäquat aufbereiten lassen. Ich selbst bin überhaupt nur deswegen zum Schreiben gekommen, weil ich stets gern gelesen habe. Gern gelesen aber habe ich, weil mir die entsprechenden Bücher Spaß gemacht haben. Und es ist ja nicht so, dass man nur eine Art von Büchern liest, ebenso wie man nicht nur eine Art von Speisen kennt. Nur muss man überhaupt erst einmal zum Lesen gebracht werden. Ich könnte mich über diesen Unsinn noch stundenlang auslassen, möchte hier aber gern Cornelia Funke zitieren, die es neulich in einem Spiegel-Interview auf den Punkt gebracht hat: »(...) Das Problem vieler Kinder- und Jugendbücher ist, dass sie eine Botschaft verkünden wollen. Ein Kind wird ein lustfeindliches Buch aber freiwillig nicht in die Hand nehmen und folglich auch nichts über Sprache lernen. Und es hat recht. Wir gehen ja auch nicht in die Buchhandlung und sagen: Geben Sie mir mal ein besonders anstrengendes, belehrendes Buch.«

Dem gibt es nichts hinzuzufügen.

 

Fantasyguide: Welche Autoren zählen Sie zu Ihren Vorbildern?

 

Thomas Finn: In der Vergangenheit haben mich sicher Barbara Hambly und Tim Powers inspiriert.

 

Fantasyguide: Gibt es ein literarisches Genre, das Sie gern noch erkunden würden oder ein bestimmtes Projekt, das Sie irgendwann verwirklichen möchten?

 

Thomas Finn: Projekte habe ich zahllose in meinem Kopf. Derzeit fühle ich mich in dem weiten Feld der Fantastik sehr wohl und möchte mich da nur wenig einschränken lassen. Sympathien genießen bei mir aber auch die SF, Krimis und Wissenschafts-Thriller. Unvorstellbar wäre eine Betätigung in diesen Genres nicht, wie man an meinem „Der Funke des Chronos“ erkennen kann.

 

Fantasyguide: Werden Sie demnächst auf Lesungen oder anderen Veranstaltungen auftreten?

 

Thomas Finn: Ich bin das ganze Jahr über auf Lesungen unterwegs. Manchmal mit mehreren Kollegen gleichzeitig. Dazu zählen Schullesungen ebenso wie öffentliche Veranstaltungen in Buchgeschäften und Bibliotheken. Allein im Jahr 2008 müssen es so um die 30 Veranstaltungen gewesen sein. Wer mich mal auf einer Lesung erleben möchte, sollte einfach regelmäßig die Rubrik „Aktuelles“ auf meiner Webseite im Auge behalten. Dort sind die öffentlichen Lesungen alle gelistet.

 

Fantasyguide: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg im beruflichen und privaten Leben.

 

 

Eure Meinung:


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Thomas Finn

Der letzte Paladin

Reihe: Die Wächter von Astaria, Band 1

Autor: Thomas Finn

Ravensburger Buchverlag, September 2008

Hardcover, 478 Seiten

ISBN-10: 347335287X

ISBN-13: 978-3473352876

Erhältlich bei: Amazon

 

Unsere Rezension zu dem Buch: Der letzte Paladin

Weitere Infos:


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Erstellt: 17.12.2008, zuletzt aktualisiert: 17.11.2017 09:23