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Die Sandkorntheorie von Benoit Peeters und Francois Schuiten

Reihe: Die geheimnisvollen Städte

Rezension von Bine Endruteit

 

 

In Brüssel passieren seltsame Dinge. In einem Zimmer taucht plötzlich ein Stein auf. Wie aus dem Nichts ist er erschienen, obwohl keine Türe und kein Fenster geöffnet wurden. In einer anderen Wohnung, die von einer jungen Frau und ihren beiden Kinder bewohnt wird, ist es ähnlich, nur dass hier Sand in allen Ecken zu finden ist. Zuerst glaubt die Mutter noch daran, dass ihr ihre Kinder einen Streich spielen wollen, doch als der Sand täglich mehr wird, muss sie einsehen, dass sie es mit einem seltsamen Phänomen zu tun hat, dass sie sich nicht erklären kann. Auch die Steine werden immer mehr, ohne dass man herausfinden könnte, woher sie kommen. Ganz anders geht es da dem Gourmetkoch Maurice, er verliert an Gewicht. Eigentlich sollte es ihn nicht stören, ein paar Kilo zu verlieren, aber nach einigen Tagen ist es so weit, dass er vom Boden abhebt und sich immer weiter in Richtung des Himmels bewegt. Nur Gewichte an den Füßen oder Seile halten ihn noch am Boden. All diese Ereignisse scheinen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Tod eines fremdartig aussehenden Mannes zusammenzuhängen. Er wurde von einer Tram angefahren und war sofort tot. Der Hüne mit dem Turban war in Brüssel, um Schmuckstücke seines Stammes zu verkaufen, da in seiner Heimat dringend Geld benötigt wird. Dabei hat er einen wunderschönen Kettenanhänger an die Händlerin abgegeben, damit sie davon Kopien anfertigen lassen kann. Nachdem sie von seinem Tod erfahren hat, war ihr das seltsame Ding jedoch unheimlich und sie wollte es einfach nur loswerden. Einen Zusammenhang zwischen all den Vorfällen kann nur Mary von Rathen erkennen, die eine Spezialistin für unerklärliche Phänomene ist. Sie erwähnt die Sandkorntheorie...

 

Rezension:

In der Stadt Brüssel, wie sie in dieser Geschichte vorkommt, schreibt man das Jahr 784. Rein optisch hat man den Eindruck an das Ende des 19ten Jahrhunderts katapultiert worden zu sein, allerdings wurde die Stadt in einer außerordentlich auffallenden akurat errichten und Luftschiffe zählen zu den beliebtesten Fortbewegungsmitteln, so gibt es an allen Hochhäusern Anlegestege. Der Comic von Francois Schuiten und Benoit Peeters spielt deutlich in einer Parallelwelt, die der unseren zwar ähnelt, aber im Detail doch ganz anders aufgebaut ist.

 

"Die Sandkorntheorie" gehört zu einer ganzen Reihe von Bänden, die zwar jeder für sich eine eigene Geschichte erzählen, aber alle "Die geheimnisvollen Städte" als zentrales Thema haben, die sie verbindet. Auch am Ende dieser Erzählung steht eine Stadt, in der der Schlüssel zur Lösung des Rätsels, das die ungewöhnlichen Vorkommnisse umgibt, verborgen liegt.

 

Wenn man nur die Bezeichnung "Comic" hört, läuft man schnell Gefahr, dieses kleine Kunstwerk zu unterschätzen. Die Zeichnungen sind ausgesprochen hochwertig, sie wurden mit feinen, genauen Linien in Schwarz angefertigt. Normalerweise lässt eine solche Technik lediglich zwei Farben zu: Schwarz und Weiß. Der Zeichenkünstler hat sich hier jedoch eines beeindruckenden Tricks bedient: Die vorherrschende Hintergrundfarbe ist ein gedecktes Grau. Kommen nun die sonderbaren Steine, Sand oder andere Seltsamkeiten ins Spiel, bleiben sie weiß und haben deswegen eine enorme Intensität und Leuchtkraft. Sie scheinen geradezu zu strahlen. Der Effekt ist nicht nur optisch, sondern hat auch in der Geschichte eine Relevanz. Nur Mary von Rathen und die Fremdländer können das weiße Strahlen wahrnehmen und so den Ursprung des Geschehens ergründen. Mit der speziellen Technik erschließt sich dieses Geheimnis auch dem Leser und macht ihn so zu einem Mitwisser.

 

Die Geschichte wird nicht komplett aufgelöst. Es gibt zahlreiche Rätsel, die zwar eine Weiterentwicklung erfahren, bis zuletzt aber nicht für den Leser ersichtlich entwirrt werden. Als Beispiel sei hier genannt, dass die auftauchenden Steine alle das gleiche Gewicht haben und es sich dabei um eine Primzahl handelt. Doch gerade das macht "Die Sandkorntheorie" so spannend und verleiht ihr einen durchaus philosophischen Hintergrund.

 

Fazit:

Wer gerne Comics liest, die eine tiefgreifende Handlung haben, zeichnerisch von hoher Qualität sind, dabei aber trotzdem ein fantastisches Thema behandeln, muss hier einfach zugreifen. Eine absolute Leseempfehlung!

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Die Sandkorntheorie

Reihe: Die geheimnisvollen Städte

Autor: Benoit Peeters

Zeichner: Francois Schuiten

Schreiber & Leser (Februar 2010)

Broschiert: 112 Seiten

ISBN-10: 3937102965

ISBN-13: 978-3937102962

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 05.10.2010, zuletzt aktualisiert: 16.10.2017 21:18