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Die Konstitution des Wunderbaren: Zu einer Poetik des Science-Fiction-Films von Simon Spiegel

Sekundärliteratur

Rezension von Achim Hiltrop

 

Das Angebot an Sekundärliteratur zu Filmen ist groß. Viele dieser Bücher aber, die im Kielwasser großer Hollywood-Produktionen erscheinen, sind nicht viel mehr als Merchandising-Artikel für Fans. Andere wiederum verstehen sich als Filmlexikon im Sinne eines Nachschlagewerks mit einer Sammlung von Filmkritiken. Nur selten aber wird untersucht, wie eigentlich ein Science-Fiction-Film funktioniert und wirkt.

 

Simon Spiegel, Filmjournalist und Filmwissenschaftler an der Universität Zürich, hat sich genau dieser Frage angenommen. Eines vorweg: wer seine Kenntnisse über Film und Filmgeschichte nur aus den bunten Hochglanzheftchen hat, die in Fast-Food-Restaurants ausliegen und mit denen die aktuellen Kinohighlights angepriesen werden, der ist mit diesem Buch mit großer Wahrscheinlichkeit hoffnungslos überfordert. "Die Konstitution des Wunderbaren" ist eine wissenschaftliche Dissertation, dessen sollte man sich bewusst sein, wenn man das Buch in die Hand nimmt. Hat man aber keine Berührungsängste vor Texten mit vielen Fußnoten und Fachvokabular wie Realitätsinkompatibilitäts-Klassifikatoren und Ostranenie, dann wird man an diesem Werk seine Freude haben.

 

Das erste Drittel des Buches ist der grundlegenden Problematik gewidmet, wie man sich dem Genre eigentlich auf sinnvolle Weise nähert. Im Gegensatz zum Western, der sich in erster Linie über örtliche und zeitliche Koordinaten als solcher definiert, sind die Konturen des Science-Fiction-Genres ja auf den ersten Blick relativ unscharf. Wie aber bringt man so grundverschiedene Filme wie "Plan 9 from Outer Space", "2001", "Star Wars", "E.T.", "Close Encounters", "Matrix" und "Blade Runner" auf einen Nenner? Simon Spiegel zeigt verschiedene Lösungsansätze auf, darunter eine historische Betrachtungsweise, die sehr eindrucksvoll den Bogen von der Gothic Novel über George Méliès bis hin zu Hugo Gernsback schlägt.

 

Besonders gelungen sind die Ausführungen über die Naturalisierung und die Verfremdung im Science-Fiction-Kino. Die Bestrebungen, einerseits die bizarrsten Phantasien realistisch und "natürlich" darzustellen, andererseits aber auch ganz alltägliche Dinge in einem völlig neuen Licht erscheinen zu lassen, sind gewiss Kernelemente der Science Fiction. Als kleines Gimmick liegt dem Buch eine DVD mit Filmausschnitten bei, welche die beschriebenen Effekte – beispielsweise extreme Kamerafahrten oder die berühmten Bullet-Time-Sequenzen aus "Matrix" – viel besser illustrieren, als es ein Standfoto könnte. Gerade in diesen Kapiteln gelingt nach meinem Dafürhalten dem Autoren der Spagat zwischen Theorie und Praxis am besten – hier verlässt er immer wieder die akademisch-theoretische Ebene und führt einleuchtende Beispiele aus diversen Filmen an, die das Gemeinte auch dem Laien verdeutlichen.

 

Fazit: Simon Spiegel serviert stellenweise schwere Kost, die man als Laie nicht "mal eben so" konsumiert. Er bietet aber auch aufmerksame Beobachtungen und interessante Analysen, so dass man gewisse Filme beim nächsten Angucken gewiss mit anderen Augen sieht.

 

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Die Konstitution des Wunderbaren: Zu einer Poetik des Science-Fiction-Films

Autor: Simon Spiegel

Broschiert 385 Seiten

Verlag: Schüren Verlag; Auflage: 1 (Juni 2007)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3894725168

ISBN-13: 978-3894725167

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 31.08.2007, zuletzt aktualisiert: 01.05.2018 17:51