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Das verborgene Reich von Greg Keyes

Reihe: Der Bund der Alchemisten, Bd. 3

Rezension von Christian Endres

 

Die Fantasy ist trotz allem ein eher statisches Genre. Das heißt nicht, dass man mit bewährten Mitteln schlechte Geschichten erzählen muss oder in einem klassischen, bewährten Rahmen nicht trotzdem gute Bücher mit starken Charakteren schreiben kann – richtig innovative Szenarios und Weltenschöpfungen sind allerdings selten geworden. Selbst in puncto alternative Vergangenheit hat das fantastische Genre einfach schon zu viel gesehen.

 

Auch Greg Keyes und seine Der Bund der Alchemisten-Reihe bei Blanvalet bietet zunächst eher etwas Bewährtes: eine stimmige Steampunk-Alternativ-Welten-Historien-Famtasy-Verquickung. Die Art und Weise, wie Keyes seine alternative Vergangenheit unserer Welt aufgebaut hat und in seiner Story reale Persönlichkeiten des Fortschritts (wie den kauzigen Isaac Newton oder den jungen Benjamin Franklin) verwendet, bietet dann aber doch einige interessante Ansätze und erfrischende Ideen. Und dann hat Keyes ja schon im ersten Band London den Erdboden gleich gemacht und die britische Weltmetropole in einen Haufen Asche verwandelt – radikal geht’s also auch noch zur Sache.

 

Noch immer folgen wir vornehmlich dem Leben des jungen Ben Franklin, dem Lehrling des abgehobenen Isaac Newton, dessen alchemistische Meisterleistung – die Entdeckung des s. g. Quecksilber der Weisen – nicht nur die Sicht auf die Welt, sondern auch den industriellen Fortschritt und natürlich das Kriegswesen revolutioniert hat, während Bens Leben zwischen höfischen Intrigen und weltpolitischer Krise samt diversen Kriegen um Prag und Paris gehörig durchgeschüttelt wurde, seit er als Buchdrucker bei seinem älteren Bruder in den Kolonien in die Lehre ging, ehe sein Bruder in Boston von Bens Feinden ermordet wurde und Ben fluchtartig das Land hatte verlassen müssen.

 

Keyes’ Roman-Serie hat sich ebenfalls gewandelt: Standen am Anfang noch höfische Intrigen und mit Siebenmeilenstiefeln voran springende wissenschaftliche Revolutionen im Fokus seiner üppigen Geschichte, war schon im zweiten Band eine Verschiebung zum Konflikt von Wissenschaft und Glaube zu erkennen, während auch das weltliche Konfliktpotential zwischen den Nationen der historischen Alternativwelt größer wurde.

 

Im dritten Band nun laufen nicht nur wieder einige Handlungsstränge zusammen und diverse Entwicklungen weiter aus dem Ruder, sondern verschiebt sich die Gewichtung der Handlung weiter in Richtung Mystik und Religion – ohne dass es dadurch weniger actionreich zur Sache ginge. Mit dem ersten Band und den Abenteuern eines jungen, talentierten Erfinders hat das aber nicht mehr viel gemein: Ben ist nun ein Spielball der Mächte und ist – wie das Schicksal der Welt – mehr denn je vom entrückten Denker Newton abhängig ...

 

Auch wenn manche Szenen nach wie vor etwas zu lang wirken und Keyes sich hier und da gern etwas kürzer fassen dürfte, ist seine Weltenschöpfung immer noch eine gelungene Kulisse mit guten Wendungen und Entwicklungen, in der Keyes dem 18. Jahrhundert eine interessante, durchdachte Historie andichtet.

 

Auf geht’s zum Finale in der Welt, in der das Quecksilber der Weisen Dämonen und Engeln Tür und Hof geöffnet hat, sich hinter den Thronen der Menschen aufzustellen und mit falschen Engelszungen zu wispern ...

 

 

 

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Das verborgene Reich

Der Bund der Alchemisten Bd. 3

Autor: Greg Keyes

Taschenbuch, 540 Seiten

Blanvalet, Februar 2009

ISBN: 3442243572

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 28.01.2009, zuletzt aktualisiert: 11.12.2018 19:46