Catweazle der große Zauberer (Autor: Richard Carpenter)
 
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Catweazle der große Zauberer von Richard Carpenter

Rezension von Christian Endres

 

Dank der DVD-Politik der letzten Jahre in Bezug auf betagtere Serienklassiker muss man nicht zwingend ein Kind der frühen 70er sein, um mit dem Namen Catweazle etwas anfangen zu können. Seinen Ursprung hat der Zauberer außerdem ja nicht im Fernsehen (und natürlich erst recht nicht auf DVD, auch wenn Zeitreisen in der Geschichte eine Rolle spielen …), sondern im Geist von Richard Carpenter, der den Magier 1970 und 1971 als Figur zweier Romane ersann. Vorliegender Band des Ravensburger Verlages nun versammelt erstmals diese beiden Abenteuer des Zauberers, der 900 Jahre in der Zeit voraus versetzt wird und sich mit den Tücken der Neuzeit herumschlagen muss ...

 

Als Zauberer hat man’s nicht leicht: Da verfolgen einen schon ein paar nichtsnutzige Normannen, und als man sich mit Hilfe eines komplexen Flugzaubers von ihnen absetzen will, da geht irgend etwas schief, ja und ehe man sich versieht, packt einen der Strom der Zeit und schleudert einen 900 Jahre in der Zeit voraus – ins Jahr 1970, um genau zu sein …

 

Catweazles Zauberkunst ist mit gutem Willen als eher rustikal zu bezeichnen, seine magischen Ambitionen dafür entsprechend groß. Doch was nutzt einem der Drang, unbedingt fliegen zu wollen, wenn die Zeit, in die man unversehens geworfen worden ist, bereits Traktoren, Autors, Elektrizität (»Elek-Trick«) und Flugzeuge kennt? Zu allem Überfluss hat man dann auch noch ein Gewand an, das einen wie einen Landstreicher aussehen lässt, und schon ist die harmlose Landbevölkerung Englands gegen einen. Da kann – in beiden Geschichten – eigentlich nur eines helfen: Die Hilfsbereitschaft eines jungen Burschens mit dem Herzen am rechten Fleck und dem nötigen Glauben an Magie.

 

Und vielleicht Kröte Kühlwalda …

 

Die Abenteuer, die Catweazle zu bestehen hat, bestechen vor allem durch den zappeligen, oftmals verwirrten und stets sehr emotionalen Titelhelden, der zum einen verzweifelt versucht, wieder nach Hause zu kommen, zum anderen aber auch den Traum vom Fliegen noch nicht aufgegeben hat und sich obendrein auch sehr für allen »Zauber« der Neuzeit interessiert. Interessant an Carpenters in diesem Band zusammengefassten Romanen ist, dass Catweazle der Anachronismus der Geschichte ist – und nicht, wie sonst in vielen Fantasygeschichten, die Dinge, denen der Hauptprotagonist aus unserer Zeit begegnet. Diese Begegnungen – mit Traktoren, Flugzeugen, Uhren, Wassertürmen, Glühbirnen, Bananen, Telefonen und so weiter, und so fort – sind neben dem hinreißenden Verwechslungsepisoden, wenn Catweazle in allem und jedem – beispielsweise in einem arglosen Dorfpfarrer – einen Bruder, also einen anderen Vertreter seiner magischen Zunft sieht, definitiv die Highlights des Bandes.

 

Das knapp 400 Seiten starke A5-Paperback macht ob seiner Klappenbroschur einen stabilen Eindruck, und auch wenn das Covermotiv sich ebenso wie die Vignetten von Karsten Teich im Innenteil doch eher an ein jüngeres Publikum richten, macht die Aufmachung alles in allem auch »großen« Lesern Spaß. Letztere werden zudem vor allem die gekonnte Übersetzung von Sybil Gräfin Schönfeldt zu schätzen wissen, die nur bei einem einzigen, jedoch unübersetzbaren Wortspiel aus dem Englischen leicht ins Straucheln kommt, wohingegen alle jüngeren Leser wieder ein sehr persönliches, individuelles Gefühl durch ihr den beiden Geschichten vorangestelltes Vorwort vermittelt bekommen.

 

Fazit: Wenn ein Buch (oder, da ja ein Sammelband, zwei Bücher, die hier zusammengefasst worden sind) über dreißig Jahre seinen liebenswerten Charme erhalten hat, dann spricht das zweifellos für die Qualität dieses Buches – erst recht, wenn es bereits erfolgreich adaptiert worden ist und im literarischen Original dennoch nach wie vor vollauf überzeugen kann. Und auch wenn der zweite Teil, »Catweazle sucht die magischen Zeichen«, ein wenig hinter dem ersten zurück bleibt, bieten die Abenteuer des zeitreisenden, ebenso enervierenden wie liebenswerten Chaoten-Zauberer Catweazle nach wie vor prächtige Unterhaltung für jung und alt.

 

Gut, dass dieser Klassiker wieder erhältlich ist!

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Catweazle der große Zauberer

Original: Catweazle, 1971 und Catweazle and the Magic Zodiac, 1971

Autor: Richard Carpenter

Übersetzerin: Sybil Gräfin Schönfeldt

Taschenbuch, 382 Seiten

Ravensburger, Feburar 2006

Illustrationen: Carsten Teich

 

ISBN-10: 347352302X

ISBN-13: 978-3473523023

 

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 13.06.2006, zuletzt aktualisiert: 01.05.2024 15:58, 2388