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Interview mit Ernst Wurdack und Armin Rössler

Redakteure: Michael Schmidt u. Ralf Steinberg

 

Die Story-Olympiade ist ein Kurzgeschichtenwettbewerb für Hobbyautoren, der seit 1999 einmal jährlich stattfindet. Jeder der nicht von seinen Büchern lebt, kann an diesem Wettbewerb teilnehmen. Wesentlich ist nur, dass es sich bei den Wettbewerbsbeiträgen um Erzählungen aus dem Bereich Phantastik, also Horror, SF oder Fantasy handelt.

Das Verlags-Programm wird beständig ausgebaut. 2004 wurden Romane von Einzelautoren oder Autorenteams verlegt, die entweder Gewinner einer Story-Olympiade ) waren oder als unermüdliche Aktivisten die Projekte seit langem unterstützen.

 

Wir sprachen mit Verleger Ernst Wurdack und Armin Rösler, der neben der Herausgabe der SF Anthologiereihe auch seinen ersten Roman "Das vergessene Portal" im Rahmen der Storyolympiade veröffentlichte.

 

FantasyGuide: Hallo Ernst Wurdack. Stell dich doch mal unseren Lesern vor. Wer ist Ernst Wurdack?

 

Ernst Wurdack: Nun, dieser Ernst Wurdack ist ein 45-jähriger Mensch, der schon immer gerne gelesen hat. Die Vorlieben für bestimmte Genres haben sich verändert und werden es auch weiterhin tun. Von SF über Fantasy zur Phantastik. Im Moment rückt SF auf der Hitliste wieder ein paar Plätze vor, was vor allem den Aktivitäten von Dieter Schmitt und Armin Rößler zuzuschreiben ist.

Beruflich ist dieser Ernst Wurdack einer, der nach dem BWL-Studium sein ganzes Leben lang mit Bildern zu tun hatte. Viele Jahre im Dienste der Kodak-Fotoservices im Labor, als Berater und Trainer für Fotografen und Verkäufer und zuletzt als Vertriebsleiter, hat er sich vor einigen Jahren selbständig gemacht und ist es bis heute.

 

 

FantasyGuide: Mit dem Namen Ernst Wurdack verbindet man in der Regel die Storyolympiade. Was ist die Storyolympiade?

 

Ernst Wurdack: Die Story-Olympiade ist ein Kurzgeschichtenwettbewerb für Hobbyautoren, der seit 1999 einmal jährlich stattfindet. Jeder, der nicht von seinen Büchern lebt, kann an diesem Wettbewerb teilnehmen. Wesentlich ist nur, dass es sich bei den Wettbewerbsbeiträgen um Erzählungen aus dem Bereich Phantastik, also Horror, SF oder Fantasy handelt.

 

 

FantasyGuide: Die Storyolympiade ist ja mittlerweile recht umfangreich geworden. Wie siehst du die Entwicklung von den ersten Anfängen bis zum heutigen Tag?

 

Ernst Wurdack: Niemand von den 4 Gründungsmitgliedern hätte am Anfang auch nur im Traum gedacht, dass aus einem kleinen Schreibwettbewerb im Internet eine Förderinitiative für deutschsprachige Autoren entsteht, mit mittlerweile 10 Buchtiteln im Jahr.

Es war und ist nicht immer leicht, die Story-Olympiade am Laufen zu halten, und einige Leute haben die aktive Mitarbeit einstellen müssen, weil sie neben ihrem Beruf nicht die Zeit aufbringen konnten, die nötig ist, um ein so schnell wachsendes Projekt zu betreuen.

Inzwischen sind wir an einem Punkt angelangt, an dem wir uns fragen müssen, wie es weitergehen kann. Wir hatten über 330 Wettbewerbsbeiträge zur diesjährigen Story-Olympiade und die 8 Mitglieder der Vorjury, die sich durch alle Geschichten lesen mussten, sind wirklich an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gestoßen. Man darf dabei nicht vergessen, dass jeder ja auch noch einen Brotberuf neben seiner Tätigkeit für die SO hat, und meistens auch noch eine Familie.

 

 

FantasyGuide: Das Cover von Deus Ex Machina, eurer ersten SF-Anthologie ist von dir. Erzähle uns vom Zeichner Ernst Wurdack? Sind alle Bilder der Storyolympiade von dir?

 

Ernst Wurdack: Natürlich sind nicht alle Bilder von mir. Wenn ich gelegentlich durch das Netz surfe und ein passendes Coverbild entdecke, dann schreibe ich den Künstler an. Und manchmal klappt es und wir bekommen das Bild.

Wie ich vorher schon erwähnte, gibt es eher den Fotografen Ernst Wurdack als den Zeichner. Bei meinen Bildern findet man häufig fotografische Elemente, eine Menge mit dem Grafiktablett gezeichnete und gelegentlich 3D. Dies alles wird durch den Mixer gedreht, zurechtgebogen, retuschiert und in den meisten Fällen landet es im Papierkorb, weil es mir nicht 100% gefällt.

Wesentlich für mich ist dabei nicht, wie und mit welchen Mitteln ein Bild gemacht wurde, sondern immer nur das Ergebnis.

 

 

FantasyGuide: Das bisherige Hauptprogramm sind Kurzgeschichtenanthologien. Generell gelten Anthologien als „unverkaufbar“. Produziert ihr nur für euch oder ist das Wort generell für euch nicht zutreffend?

 

Ernst Wurdack: Anthologien zu verkaufen ist hierzulande nur in einem bestimmten Rahmen möglich. Je nach Genre drucken wir 300-700 Exemplare, wobei erfreulicherweise der Band mit 700 Exemplaren nach nicht einmal 3 Monaten vergriffen war.

Man erkennt sehr schnell, dass es sich für Verlage nicht lohnt, Anthologien herauszugeben. Zu klein ist die verkaufbare Auflage, zu groß der personelle Aufwand, wenn man es pro Buch anstatt mit einem mit gleich 50 Autoren zu tun hat.

Aber die Story-Olympiade ist eine Förderinitiative und somit anders ausgerichtet als "normale" Verlage. Deshalb werden wir auch weiterhin Anthologien herausgeben.

 

 

FantasyGuide: Im Rahmen der Storyolympiade erscheinen überwiegend Nachwuchsautoren. Wird dieses Bestreben, den Nachwuchs zu fördern, von der Szene anerkannt? Und wird das so bleiben oder werden auch bekannte Autoren dazu stoßen? Bzw. bleiben euch die „bekannter“ gewordenen Autoren treu?

 

Ernst Wurdack: Unser Versuch, den Nachwuchs zu fördern, lässt zumindest aufhorchen. Da gibt es ein paar Verrückte, die das Unmögliche versuchen ... und es funktioniert jetzt schon 6 Jahre lang.

Allerdings muss ich feststellen, dass immer noch 80% unserer Autoren und Leser nicht aus der "Szene" kommen. Ich glaube aber, dass sich das mit der Zeit ändern wird.

In erster Linie werden wir weiterhin den Nachwuchs fördern, deshalb wurde die Storyolympiade ja ins Leben gerufen. Wenn Autoren bekannter werden, und einige sind auf dem besten Weg, bekannter zu werden, dann hoffe ich natürlich sehr, dass sie uns treu bleiben. Aber wenn jemand einen Roman bei einem der großen Verlage unterbringen kann, dann freue ich mich riesig für sie oder ihn, denn dann haben wir eines unserer Ziele erreicht.

Bekanntere Autoren werden vielleicht in den nächsten SF-Bänden zu finden sein, aber dazu kann Armin sicherlich mehr sagen, da er ja Mitherausgeber der SF-Reihe ist.

 

 

FantasyGuide: Ihr habt auch eine Reihe für Märchen. Sind das die klassischen Märchen oder eher phantastische Abenteuer für jüngere Leser?

 

Ernst Wurdack: Eher klassische Märchen und die Tendenz geht absolut in Richtung Märchen und märchenhafte Geschichten für das Vorlese- und Erstlesealter. Das liegt aber weniger an den Autorinnen und Autoren, sondern an meinen eigenen Interessen. Ich habe 2 Enkeltöchter, die zwar noch nicht lesen können, aber furchtbar gerne Geschichten vorgelesen bekommen.

Aber ich möchte nicht ausschließen, dass auch noch phantastische Geschichten für jüngere Leser dazukommen. Ein Manuskript, das in diese Richtung geht, wurde mir erst vor kurzem angeboten.

 

 

FantasyGuide: Viele Kleinverlage drucken bei „Book on Demand“. Die Storyolympiade nicht. Ist das ein Vor- oder Nachteil?

 

Ernst Wurdack: Kommt drauf an, von welcher Seite man das betrachtet. Normaler Auflagendruck im Offsetverfahren hat den Vorteil, dass er ab einer gewissen Auflage günstiger ist als BoD und wir die Paperbacks um einige Euro günstiger anbieten können als vergleichbare BoD-Produkte. Die Qualität beim Offsetdruck ist zudem höher als die Qualität beim Digitaldruck/BoD, gar keine Frage.

Ein Nachteil ist, dass man bei 10 Titeln im Jahr – so viele werden es 2004 – eine Menge Bücher vorfinanzieren und lagern muss. Und man muss sich um ISBN, VLB, Satz, den kompletten Druckablauf und Versand kümmern.

 

 

FantasyGuide: Neben den Anthologien erscheinen auch die ersten Romane. Als Hintergrund dient das Rollenspiel Demonwright. Werden in Zukunft vermehrt Romane erscheinen?

 

Ernst Wurdack: Die Romane, die als Hintergrund das Rollenspiel Demonwright haben, waren nur der Einstieg. Ich prüfe gerade, was machbar und vor allem finanzierbar ist. So wie es derzeit aussieht, werden im nächsten Jahr 4-5 Romane herauskommen:

Bereits Anfang 2005 wird ein Thriller von Birgit Erwin erscheinen, in dem es um einen Pater geht, der gegen seinen Willen in finstere Machenschaften und verbotene Experimente des Vatikans verwickelt wird. Sex, Crime, Drugs ... was halt einen guten Thriller so ausmacht. Und natürlich die phantastischen Elemente ...

Ende 2005 folgt ein weiterer Thriller aus der Feder von Thomas Kohlschmidt, einem Autor und unermüdlichen Aktivisten, den beinahe jeder in der Szene kennt, und nur so viel sei verraten: Es wird der erste Roman, der in Richtung SF geht.

Nachdem wir Ende Juli grünes Licht von Andre Schönherr, dem Schöpfer von Demonwright erhalten haben, wird auch diese Reihe 2005 mit 2 Romanen fortgesetzt. Im ersten wird sich alles um Frett, den Geistbeuger, drehen, eine Figur, die den Demonwright-Fans aus dem 1.Band "Der eiserne Thron" bekannt ist. Autorin wird Heidrun Jänchen sein, Gewinnerin der Storyolympiade 2002, die für den Deutschen Phantastikpreis 2004 und darüber hinaus für den Deutschen Science Fiction Preis 2004 nominiert wurde.

Einen weiteren Demonwright-Roman wird Armin Rößler schreiben, und ich glaube fast, er hat das Konzept für seinen zweiten Demonwright-Roman schon in der Schublade liegen.

 

 

FantasyGuide: Zum Thema Romane fragen wir mal direkt Armin Rößler. Armin, könntest du dich unseren Lesern einfach mal vorstellen?

 

Armin Rössler: Ich bin 32 Jahre alt, verheiratet und seit wenigen Tagen Vater einer entzückenden Tochter. Ich arbeite als Redakteur bei einer Tageszeitung, der in und um Heidelberg erscheinenden Rhein-Neckar-Zeitung, und schreibe, seit ich lesen kann. Journalistisch bin ich schon seit mehr als zehn Jahren tätig, an Kurzgeschichten versuche ich mich dagegen erst so richtig ernsthaft, seit ich irgendwann im Sommer 2000 im Internet über den Wettbewerb „Traumpfade“ der Story-Olympiade gestolpert bin. Dieser Wettbewerb und die anschließende Veröffentlichung meiner Story „Fließende Übergänge“ in der allerersten Anthologie der Story-Olympiade hat für mich den Stein ins Rollen gebracht. Ich hatte sozusagen Blut geleckt, war fleißig und habe weitere Kurzgeschichten in den verschiedensten Verlagen unterbringen können: beim Go Verlag, bei BeJot, Aarachne, Betzel oder Schreib-Lust, auch in Fanzines wie Solar Tales oder Fantasia. Und natürlich bei der Story-Olympiade, wo ich in den Pandaimonion-Bänden Stammgast bin und es hoffentlich auch bleibe, in drei Wettbewerbs-Anthologien vertreten war, für die bisher einzige Demonwrighttt-Kurzgeschichtensammlung mit „Griff nach der Macht“ die Titelstory beisteuern durfte und nun die Chance bekommen habe, mit „Das vergessene Portal“ meinen ersten Roman schreiben zu können.

 

 

FantasyGuide: Hast Du Demonwright eigentlich schon gespielt oder anderweitig Erfahrungen mit Rollenspielen gesammelt?

 

Armin Rössler: Ich bin kein Rollenspieler. Es ist bestimmt fast zwanzig Jahre her, dass ich das erste und bis heute einzige Mal in einer Rollenspiel-Runde gesessen habe. Aber das war leider nichts für mich, warum, kann ich beim besten Willen nicht mehr sagen. Heute würde mir auch ganz ehrlich die Zeit dafür fehlen. In der Folgezeit hat sich mein Kontakt zu Rollenspielen auf das Lesen von Romanen verschiedener Reihen beschränkt – weil ich in Sachen Science Fiction und Fantasy so ziemlich alles lese, was ich in die Finger kriegen kann.

 

 

FantasyGuide: Der Hintergrund, der auf der Demonwright-Homepage veröffentlicht ist, hat Dir sicherlich geholfen, Deine Story zu entwickeln, aber mit den Aronnd hast Du etwas Neues im Demonwright Universum geschaffen. Darf man das so einfach?

 

Armin Rössler: Da ich, wie gesagt, kein Rollenspieler bin, wäre ich ohne den detaillierten Hintergrund, den Demonwright-Schöpfer Andre Schönherr ausgearbeitet hat, sicher ziemlich verloren gewesen. Respekt vor dem, was Andre sich da ausgedacht hat – das ist eine komplexe Welt, wie geschaffen dafür, Geschichten daraus zu erzählen. Aber gleichzeitig – das ist dann wiederum wichtig für die Kreativität des Autors – ist in dieser Welt immer auch noch Raum für Neues, da war Andre sehr offen für meine Ideen. Natürlich hätte ich es mir einfach machen können und auf ein – zumindest für die Rollenspieler – bekanntes Volk zurückgreifen können. Aber das wäre, für mich als Autor und bestimmt auch für die Leser, ganz sicher weit weniger spannend gewesen. Die Aronnd als das Volk, aus dem die Mehrzahl meiner Protagonisten stammt, sind deshalb auch eine der Komponenten, die – für mich sowieso, vielleicht auch für einige Leser – den Roman ein bisschen von der Masse abheben und ihn zu etwas Besonderem machen.

 

 

FantasyGuide: Deine Figuren besitzen eine erstaunliche Lebendigkeit und Tiefe. Finden sich da Bekannte von Dir wieder?

 

Armin Rössler: Ich hoffe nicht ... Aber ernsthaft: Sicher spielt beim Erschaffen von Charakteren vieles eine Rolle, auch unterschwellig, da fließen eigene Erfahrungen, Erlebnisse, Vorstellungen, Wünsche mit ein, ebenso das, was man beobachtet, wenn man die Augen offen hält. Aber ich glaube nicht, dass ich schon einmal einen real existierenden Menschen eins zu eins als Protagonisten einer meiner Geschichten abgebildet habe. Richtig ist: Ich lege sehr viel Wert auf meine Charaktere. Die beste Idee nützt mir nichts, wenn ich zu den handelnden Personen keinen Bezug bekommen kann. Deshalb versuche ich, mir da sehr viel Mühe zu geben und keine eindimensionalen Typen zu erschaffen, sondern Menschen mit Stärken und Schwächen, die ein bisschen mehr sind als nur eine simple Figur auf dem Papier.

 

 

FantasyGuide: Während es viele Kurzgeschichten-Anthologien im SF-Bereich gibt, sind Fantasy-Geschichten eher lang. Hast Du auch schon den Reiz des Mehrbänders verspürt?

 

Armin Rössler: Ernst hat ja schon halb verraten, dass ich diesem Reiz längst erlegen bin. Es wird – ohne meinem Verleger vorgreifen zu wollen, muss ich hier noch schnell ein „zumindest“ einfügen – einen weiteren Demonwright-Roman aus meiner Feder geben. Keine klassische Fortsetzung, aber der Leser wird einigen alten Bekannten erneut begegnen. Dazu muss ich sagen, dass „Das vergessene Portal“ als Einzelroman angelegt ist, geschrieben wurde und auch als solcher problemlos gelesen werden kann. Kaum hatte ich den Roman beendet, habe ich allerdings gemerkt, dass mir „meine“ Aronnd zu fehlen beginnen. Möglicherweise ist dieses Gefühl normal, wenn man sich nur lange und intensiv genug mit einer Handvoll fiktiver Personen beschäftigt. Vielleicht – und das hoffe ich – ist es aber auch ein Fingerzeig, dass hier noch Potenzial brachliegt, dass diese Figuren unbedingt mindestens ein weiteres Abenteuer erleben sollten.

 

 

FantasyGuide: Mit Die Tränen des blauen Gottes zeigst Du eine humorvolle Seite, während Du mit Am Ufer des Sees oder Menschenjäger hoffnungslose Szenarien schilderst. Was reizt Dich daran?

 

Armin Rössler: Es ist tatsächlich sehr selten, dass ich eine humorvolle Story schreibe, obwohl ich dabei eigentlich immer sehr viel Spaß habe – wie bei „Die Tränen des Blauen Gottes“ (erschienen in der Anthologie „Wellensang“ im Schreib-Lust Verlag), einer heiteren Fantasy-Story, die einfach nur unterhaltsam sein will.

Ernstere, vielleicht auch tiefgründigere Themen liegen mir beim Schreiben scheinbar aber deutlich besser, zumindest scheinen sich mir diese Themen eher aufzudrängen. Es ist ja nicht so, zumindest bei mir nicht, dass du da sitzt und darüber sinnierst, was du heute schreiben willst und wer das eventuell auch noch lesen möchte. Sondern du hast eine Idee, die dich im besten Fall richtiggehend anspringt, die dich überfällt, von der du überzeugt bist, dass du sie niederschreiben musst, auch wenn das von der Idee bis zur Verwirklichung manchmal lange dauern kann. „Am Ufer des Sees“ (in „Jenseits des Happy-Ends“, Go/BeJot Verlag) ist da ein gutes Beispiel, weil die Geschichte in ihrem Kern von einem Film über Straßenkinder in Marokko inspiriert wurde, der mich tief beeindruckt und lange beschäftigt hat. Das Ergebnis hatte dann mit dem Film zwar nicht mehr viel zu tun, war aber eine Story, die ich einfach schreiben musste. „Menschenjäger“ (in „Future World“, Go Verlag) ist dagegen aus einer Idee entstanden, die in der fertigen Story gar keine Rolle mehr spielt. Seltsam, auf welche Wege einen manche Charaktere und Geschichten führen ...

 

 

FantasyGuide: Hast Du ein Lieblingsgenre? Wird es thematisch andere Geschichten von Dir geben?

 

Armin Rössler: Ich schreibe Science Fiction, Fantasy und Horror und fühle mich eigentlich allen drei Genres – auch als Leser – verbunden. Die ganze Bandbreite der phantastischen Literatur eben, wobei da für mich als Autor genügend Abwechslung bleibt, damit es nicht langweilig wird und ich mich nicht wiederholen muss. Ob ich mich künftig auch in anderen Genres versuchen werde, kann ich momentan wirklich nicht sagen.

 

 

FantasyGuide: Neben „Das vergessene Portal“ bist du Herausgeber der SF-Reihe. Wie packst du das alles? Und wie sieht die Arbeitsteilung mit deinem Co-Herausgeber Dieter Schmitt aus?

 

Armin Rössler: Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich mir dank der Story-Olympiade einige Träume erfüllen konnte. Eine Kurzgeschichte veröffentlichen, einen Roman schreiben und gedruckt in Händen halten, eine Anthologie herausgeben – hättet ihr mich vor fünf Jahren gefragt, ob ich das alles eines Tages machen möchte, wäre die Antwort in allen drei Fällen ein hundertprozentiges „Ja“ gewesen. Dass sich das alles aber so relativ schnell verwirklichen lässt, hätte ich beim besten Willen nicht gedacht.

Aller Begeisterung zum Trotz: Die zeitliche Belastung ist bei der ganzen Geschichte natürlich nicht zu unterschätzen, schließlich laufen diese ganzen Sachen „nebenbei“ in der Freizeit – abends, morgens, am Wochenende, wann immer es sich halt einrichten lässt. Schließlich gibt es ja auch noch den Brotberuf, der nur höchst selten einen entspannten Achtstunden-Tag mit sich bringt, und die Familie. Anderes bleibt dann leider liegen: Seit wir die SF-Reihe gestartet haben, habe ich beispielsweise kaum mehr eigene Geschichten geschrieben. Aber auch da werden sich sicher mal wieder ein paar freie Minuten finden ...

Die Zusammenarbeit mit Dieter Schmitt bei unserer SF-Reihe ist eine großartige Sache, da sie sehr harmonisch funktioniert und wir uns aus meiner Sicht ideal ergänzen. Eine richtige Arbeitsteilung gibt es nur beim Kontakt mit unseren Autoren – da übernimmt jeder von uns beiden jeweils die Hälfte der Autoren, um mit ihnen zu kommunizieren, unsere Vorschläge beim Lektorat und alle anderen Kleinigkeiten zu übermitteln. Alles andere – das Lesen aller eingereichten Geschichten, das Lektorat, das Korrekturlesen – wird doppelt erledigt. Das hat nichts damit zu tun, dass wir uns gern unnötige Arbeit machen, sondern gibt uns einfach die größtmögliche Gewissheit, so wenige Fehler und Ungereimtheiten wie möglich zu übersehen.

 

 

FantasyGuide: In dem zweiten Band „Walfred Goreng“ sind auch bekannte Namen wie Ernst Vlcek, Uschi Zietsch und Helmuth W. Mommers zu bewundern. Was darf man von der SF-Reihe in Zukunft noch erwarten? Habt ihr ein spezielles Konzept, was ihr wollt und wohin?

 

Armin Rössler: Wir wollen einerseits gute Bücher machen – das ist uns, wenn ich mir die Leserreaktionen und die zahlreichen Rezensionen zu „Deus Ex Machina“ anschaue, mit unserem Debüt gelungen – und wir wollen deutschsprachigen Science Fiction-Autoren im Rahmen einer regelmäßig erscheinenden Reihe ein Podium bieten, ihre Geschichten zu veröffentlichen. Die Suche nach neuen Talenten, was die Story-Olympiade ja schon immer gemacht hat, spielt dabei natürlich eine Rolle. Ebenso werden wir aber auch weiterhin gezielt Autoren ansprechen, die uns durch ihre bisherigen Veröffentlichungen – sei es innerhalb der Story-Olympiade-Anthologien, sei es woanders – von ihrem Können überzeugt haben. Und hin und wieder werden ganz sicher auch in den künftigen Bänden, so wie jetzt beispielsweise mit Uschi Zietsch, Helmuth W. Mommers und Ernst Vlcek, auch einige bekanntere Namen auftauchen.

 

 

FantasyGuide: Zur Storyolympiade selbst. Was dürfen wir in näherer Zukunft erwarten?

 

Ernst Wurdack: Es wird ab Oktober wieder einige Ausschreibungen und Wettbewerbe geben.

Nachdem im Juni/Juli 3 Fantasybände herausgekommen sind, erscheinen 2004 noch 2 Märchenbände, der bereits erwähnte SF-Band "Walfred Goreng", und "Es lebt!", die Anthologie mit den besten Wettbewerbsbeiträgen 2004. Anfang 2005 geht es dann gleich mit Volldampf weiter, mit dem oben angesprochenen Thriller von Birgit Erwin und mit "Enge", dem 5. Band der Pandaimonion-Reihe.

 

 

FantasyGuide: Und wie sieht das längerfristige Konzept aus? Wie sieht die Storyolympiade 2010 aus?

 

Ernst Wurdack: Wir wollen mehr Leser erreichen und für die Phantastik begeistern, auch wenn das Knochenarbeit bedeutet. Die Infostände auf verschiedenen Cons und die regelmäßigen Lesungen unserer Autoren sind ein guter Anfang. Zusätzlich nehmen wir ab Ende diesen Jahres an 2 großen Büchertagen in Deutschland teil. Die Planungen dazu sind schon abgeschlossen. Da 60% unserer Autoren aus Österreich kommen, werden wir in nicht allzu ferner Zukunft auch bei Veranstaltungen in Österreich vertreten sein.

Und vielleicht können wir 2010 dann eine Teilnahme an der Buchmesse in Leipzig ins Auge fassen.

 

 

FantasyGuide: Wir bedanken uns für den netten und informativen Kontakt. Und wünschen euch alles Gute für die Zukunft.

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Erstellt: 17.05.2005, zuletzt aktualisiert: 17.11.2018 10:28