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Das Serum des Doktor Nikola von Petra Hartmann

Rezension von Christel Scheja

 

Mit „Doktor Nikola“ schuf der in Australien geborene und in England verstorbene Autor Guy Boothy (1867 - 1905) einen der schillerndsten Verbrecher seiner Epoche. Auf der einen Seite ist er skrupellos und kalt, auf der anderen Seite aber auch ein wohlhabender Gentleman, der sich leichtfüßig in der besseren Gesellschaft bewegt.

Erst 2010 wurden diese fast vergessenen Geschichten auch ins Deutsche übersetzt und um einen weiteren Roman aus der Feder des Übersetzers ergänzt.

Petra Hartmann fügt mit „Das Serum des Doktor Nikola“ nun eine weiteres Abenteuer hinzu und nutzt genau den Trick, den auch der Erfinder seines schurkischen Protagonisten nutzte, um ihn weiterhin geheimnisvoll und gefährlich erscheinen zu lassen.

 

Der „Schwarze Freitag“ hat im Berlin des Jahres 1927 seine Spuren hinterlassen. Viele Banken und Unternehmen sind zusammengebrochen, wer von den Firmenchefs nicht aus lauter Verzweiflung Selbstmord begangen hat, kämpft genau wie der Rest der Belegschaft gegen Arbeitslosigkeit, Hunger und Armut.

So auch Felix Pechstein, Sohn eines Bankiers, der mehr oder weniger dahinvegetiert, inzwischen nicht mehr weiß, wie er seine nächste Miete bezahlen soll oder gar sein Essen. Eine Arbeit zu finden gestaltet sich als schwierig, denn wer braucht im Moment jemanden, der gut mit Zahlen umgehen kann?

So ist er nahe daran, alle Hoffnung zu verlieren, als er ein überraschendes Angebot erhält. Der mysteriöse Doktor Nikola sucht jemanden, der sich bestens mit der Börse auskennt und sein Aktienpaket wieder in Schwung bringt. Felix scheint der richtige Mann dafür zu sein. Doch er zögert noch, auch wenn ihn Apollyon, die Katze des Doktors regelrecht ins Herz geschlossen zu haben scheint.

Doch dann bringen ihn die Begegnung mit einer wunderschönen jungen Dame und die Angehörigen einer Sekte, die sich „Die Kinder des Lichts“ nennen, doch noch dazu, sich auf das gefährliche Spiel einzulassen.

 

Auch wenn die Geschichte in einer etwas anderen Ära spielt als die Originalromane, so schadet das der Atmosphäre der Geschichte nicht, eher im Gegenteil. Man erfährt mehr über den dunklen Teil der zwanziger Jahre, atmet die Verzweiflung, die den Boden für ein neues Regime ebneten und darf gleichzeitig magische Momente genießen, wenn sich die „Kinder des Lichts“ altägyptischen Riten und geheimnisvoller Magie zuwenden.

Mysteriös bleibt freilich auch Doktor Nikola, der eine Menge kann und viel zu wissen scheint, aber lieber im Verborgenen agiert als selbst an die Öffentlichkeit zu treten, wenn es nicht notwendig ist. Felix Pechstein ist die Verbindung zum Leser, der junge, etwas naive Held, der aus Liebe alles zu tun versucht und sich für das Mädchen seiner Träume in höchste Gefahr begibt.

Wie in klassischen Abenteuerromanen hält sich Petra Hartmann nicht lange mit charakterlichen Einblicken und ausführlichen Beschreibungen auf. Man erhält genau das, was man braucht, um sich ein Bild zu machen. Die Spannung ist hoch, immer wieder bringen neue absurde Situationen den Helden ins Schwitzen, der zwischen der Sekte und dem geheimnisvollen Doktor gefangen st. Am Ende wird jedoch alles so, wie man es erwartet. Der Roman kann vor allem durch die intensive Atmosphäre punkten, die das Kopfkino ordentlich ankurbelt. Die Geschichte lebt und atmet die Ausstrahlung der Originale, so dass selbst Fans mit dieser Adaption zufrieden sein dürften.

Aber auch wer die Originale nicht kennt, wird seinen Spaß haben, Zwar entgeht ihm dann zwar die diabolische Natur des Doktor Nikola ein wenig, er kann aber einen flott geschriebenen und unterhaltsamen Abenteuerroman mit dem richtigen Flair der Zeit und des Sujets genießen.

 

Alles in allem ist „Das Serum des Doktor Nikola“ eine stimmungsvoller Mystery-Roman, der die Atmosphäre der leicht phantastisch angehauchten Geschichten aus der großen Zeit der Schauerromane und Pulp-Abenteuer atmet – mit allem was dazu gehört! Dazu kommen ein selten genutztes Szenario und liebenswert gestaltete Figuren, die die Geschichte erst richtig rund machen.

 

 

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Eure Meinung:

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MEDIUM:

Das Serum des Doktor Nikola

Autorin: Petra Hartmann

broschiert, 190 Seiten

Wurdack, erschienen Februar 2013

Titelbild von Ernst Wurdack

ISBN-10: 3938065923

ISBN-13: 978-3938065921

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 02.08.2013, zuletzt aktualisiert: 22.10.2019 14:35