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Der Bund der Raben von Mirko Thiessen

Rezension von Ralf Steinberg

 

Norlan ist ein Kontinent, dessen Menschen zwischen Eisenzeit und frühem Mittelalter leben. Ein Königreich bindet verschiedene Länder, aber es gibt auch freie Städte und Landschaften mit nomadisierenden Amazonen. Selbst ein zwergenhaftes Sumpfvolk, fremde Wesen, ist Teil des bunten Gemischs an Kulturen und Lebensarten.

Ein blühender Baum bestimmt seit alters her, welches Reich den Hochkönig stellt. Diesmal blühte er für die Haronen, brutale Krieger und unerschrockene Eroberer. Zwar konnte der scheidende Hochkönig Basilio erreichen, dass eine Frau, Havira, zur Hochkönigin wurde, jedoch begannen die Haronen, ein Fürstentum nach dem anderen zu übernehmen und ihre Macht auszubauen.

Die Geschichte beginnt, als die Haronen das Land Dhor überfallen, in das sich die Familie des alten Hochkönigs zurückgezogen hat. Der haronische Kriegsherr Vohyr hält dort ein grausames Strafgericht, es kommt zu einem fürchterlichen Blutbad unter dem wehrlosen Volk.

Doch einigen gelingt die Flucht, so etwa auch Laurin, dem Enkel Basilios, der als Knappe des Grafen von Farnese Zuflucht vor der haronischen Verfolgung findet.

Doch die Haronen geben sich nicht mit dem halben Reich zufrieden...

 

Es ist müßig, mehr von der komplexen Handlung zu verraten. Mirko Thiessen hat Jahre in seine Geschichte um den Bund der Raben gesteckt und der Autor hat diese Zeit genutzt, um ein dichtes und engmaschiges Netz aus Figuren und Handlungsfäden zu weben.

Wir lernen zwar bereits in den ersten Seiten alle wichtigen Figuren kennen, etwa den dunklen Bumar, der knapp dem Tod durch übelste Folter entkam, oder Bard, jener durch eine Narbe gezeichnete Knappe, Susanna, die Tochter des farnesischen Grafen Leonardo, Alberto, der Gelehrte oder Baldhur, dem pickligen Flüchtling aus Dhor.

Und natürlich die Schwestern Dharana und Cardhen, ebenfalls Enkel des gestürzten Hochkönigs Basilio, die als einfache Mägde verkleidet zwar dem Tod, aber nicht ihrer Schändung beim Untergang Dhors entkommen.

Dabei ist Dharanas Schänder der Oberste Kriegsherr der Haronen selbst, Havar, und diese Tat bleibt nicht folgenlos. Wenn Dharana zu den Amazonen stößt und das ungeborene Kind von deren Schamanen zum Messias ernennt wird, schleichen sich Vergleiche mit Frank Herberts Wüstenplanet auf.

Jedoch schafft Thiessen den Spagat und erzählt eine andere Geschichte. Seine Figuren erleben eine Odyssee durch das aufgerührte Land, bis der Bund der Raben auftaucht und ihrem Treiben eine Richtung gibt. Dieser Bund ist eine Geheimgesellschaft, deren Konzept der gesamten Handlung immer wieder inspirierende Momente verschafft.

Thiessen erzählt in hohem Tempo, es gibt keine langatmigen Ausschweifungen, was zwar dazu führt, dass einige Orte schemenhaft bleiben, aber die Handlung konsequent vorantreibt und das Lesen zu keiner Zeit langweilig wird. Cliffhanger sind wohl platziert und nicht übermäßig ausgereizt. Auch in den Dialogen beweist der Autor sein Gespür für Umfeld und Sprachgebrauch der agierenden Figuren, lediglich in der Häufung südländischer Namen ist ein Manko zu sehen, all zu schnell verliert man bei den ganzen Lucios, Alessandros, Robertos den Überblick.

Insgesamt ist „Der Bund der Raben“ eher Heroic-Fantasy, Magie gibt es nicht, dafür etwas Schamanismus und mystische Legenden, vor allem aber ist das Buch keine Kinderlektüre. Gewalt wird nicht übertrieben bei Thiessen und dient auch nie dem Selbstzweck, ist aber stets da anzutreffen, wo die Handlung es erwarten lässt.

 

Keinerlei Abstriche gibt es in der Edition. Findet man oft bei BODs Preisdumping unter Weglassung von Lektorat und Korrektorat, ist dies hier nicht der Fall.

Das Titelbild von Vivien Thiessen zeigt einen Raben vor Ruinen und ist somit mehr als passend, lediglich die Gestaltung des Einbandes wirkt etwas zu sachlich und erinnert eher an eine wissenschaftliche Abhandlung, als an ein Fantasybuch, aber auch hier muss gesagt werden, dass sie wesentlich besser ist, als die typischen Computerpixelcover oder die Designruinen der Majorverlage.

 

Fazit

Die hohen Erwartungen, die Mirko Thiessen mit seinem Debüt Die Rückkehr des Wolfes setzte, kann er mit dem Bund der Raben voll und ganz erfüllen. Mit viel Gespür für spannende Verstrickungen und Handlungsbögen erzählt Thiessen eine zum großen Teil erfrischend neue Geschichte die sich deutlich aus der Masse billiger Fantasy heraushebt.

Wer genug hat von den ganzen Elfen, Orks und Zwergen, der könnte mit Thiessen die Fantasy neu entdecken.

Eure Meinung:


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Buch:

Der Bund der Raben

Autor: Mirko Thiessen

Books on Demand, 2007

Paperback, 267 Seiten

Titelbild: Vivien Thiessen

ISBN-10: 3833494107

ISBN-13: 978-3833494109

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 03.07.2007, zuletzt aktualisiert: 19.04.2017 13:19