Kolumne: Proll vs. Niemand

Autor: Holger M. Pohl

 

Neulich in einem nicht ganz unbekannten Forum der schönen weiten Welt des Internet. Da trat ein gewisser Herr Proll (Name dem Kolumnisten bekannt) an, um einem gewissen (von ihm so titulierten) Herrn Niemand (Name dem Kolumnisten bekannt) einmal die Meinung zu geigen; ihm zu zeigen, wo der galaktische Bertel den interstellaren Most holt. Anders gesagt: Herr Proll wollte in seiner typischen Art Herrn Niemand sagen, was Sache ist und wie unbegabt er doch ist.

 

Beim ersten Lesen der wunderbaren Proll-Ergüsse war schon klar, dass eine Überzeugung, die ich schon lange habe, nun weiter gefestigt wurde: Herr Proll war proll, ist proll und wird auch nie etwas anderes sein als proll. Im ersten Augenblick lag mir auf der Tastatur, ihm in einer Abwandlung jenes bekannten Ausspruches eines nicht ganz unbekannten italienischen Startrainers zu antworten: „Was erlaube Proll?“

Aber ich ließ es. Weil Herr Proll sich dann möglicherweise als von mir ernst genommen sehen könnte. Aber ich versichere hier an Eides Statt: Nichts liegt mir ferner als Herrn Proll ernst zu nehmen!

 

Es setzte sich aber noch eine weitere Erkenntnis durch: Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen und ablehnender Statements spricht aus dem Erguss eindeutig der Neid! (Was andere durchaus ebenso sehen.)

Herr Proll schreibt selbst Geschichten, die liest aber nur Herr Keiner manchmal. Herr Niemand wiederum schreibt Geschichten, die Frau Sehrviele und Herr Fastjeder liest. Mag sein – und darüber will ich an dieser Stelle nicht spekulieren –, dass diese Geschichten trivial sind und den literarischen Ansprüchen irgendwelcher Eliten nicht genügen (für die sie ja auch nicht geschrieben sind, was diese Eliten gerne übersehen.)

Was gelesen wird, bewirkt etwas. Manchmal auch nur, dass sich Menschen – junge Menschen! – doch einmal damit beschäftigen, was man gemeinhin SF nennt. Wobei Herr Proll, ganz elitärer Denker, der er zu sein glaubt, weit von sich weist, dass Herr Niemand überhaupt SF schreibt. Ja, er wirft ihm sogar vor, den Untergang der SF mit zu verschulden. Nun, wenn die SF untergeht, dann hat das ganz andere Gründe.

 

Jedenfalls erreicht Herr Niemand mehr als Herr Proll jemals erreicht hat, erreicht oder erreichen wird: nämlich dass man einmal über den Tellerrand schaut; dass Frau Sehrviele und Herr Fastjeder feststellen, dass die Phantastik mehr zu bieten hat als nur Fantasy.

Wenn 13-, 14-, 15-jährige Leser, die bislang nur Fantasy gelesen haben (weil es da einfach ein Übermaß an Neuerscheinungen für die jungen Leser gibt), plötzlich, nach dem Lesen eines Buches von Herrn Niemand, jemanden in meinem Alter fragen, was es denn noch so an SF gibt, dann hat Herr Niemand einfach etwas erreicht, wovon Herr Proll nur träumen kann. Denn elitär erzwingen kann man das Interesse an SF nicht. Und kein junger Leser steigt mit literarischen Schwergewichten in die SF ein. Man möchte eben anfangs etwas einfach gestricktes, vielleicht auch Triviales haben. Ob und wie Frau Sehrviele oder Herr Fastjeder dann weitermachen … das weiß keiner. Möglicherweise lesen sie dann eines Tages sogar das, was selbst Herr Proll als „gut“ und „literarisch wertvoll“ durchgehen lässt. Nur wenn sie nie anfangen, werden sie garantiert nie weitermachen.

 

Die Welt der Literatur (jedes Genres) ist vielfältig und das ist gut so. Und wenn man sich in der SF darüber beklagt, dass die Fans langsam überaltern (oder das so genannte Fandom langsam aber sicher zu einer Art Graue-Panther-Subkultur wird), dann sollte man nicht elitär und prollhaft auf jene einprügeln, die es schaffen, die Jugend zu erreichen. Statt einen Herrn Niemand zu verteufeln, sollte man sich in den Eliteetagen überlegen, wie man diese Chance nutzen kann. Denn dank Menschen wie Herrn Proll hat man schon viele Chancen ungenutzt verstreichen lassen.

 

Daher, alle Niemands dieser Welt, macht weiter so! Schenkt den elitären Prolls dieser Welt die Aufmerksamkeit und Bedeutung, die sie verdienen: nämlich keine!

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Eure Meinung:

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Kaffee-Charly
Sonntag, 17. Oktober 2010 01:18 Uhr
Bravo! Ganz meine Meinung.
Die Ergüsse des besagten "Herrn Proll" waren für mich nichts anderes als der Ausdruck puren Neides!
Und es war in meinen Augen auch tiefer Frustes darüber, dass keiner seine eigenen Schriftstücke lesen will.
Für mich kein Wunder, denn die so genannte "gute" und "literarisch wertvolle" SF ist in der Regel auch ziemlich langweilig.

Kaffee-Charly
[..]

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zuletzt aktualisiert: 30.05.2019 17:22 | Users Online
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