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Wolfsgier von Brigitte Melzer

Rezension von Christel Scheja

 

Brigitte Melzer ist eine der Autorinnen, die zwar nicht den Wolfgang Hohlbein Preis gewann, deren Debütroman „Whisper - Königin der Diebe“ dem Verlag aber so gut gefiel, dass er ebenfalls veröffentlicht wurde und der Autorin damit ermöglichte auch noch weitere Romane unterzubringen.

Während sie bisher nur abenteuerliche High Fantasy verfasst hat, wendet sie sich nun wie viele andere Autoren auch der Dark Fantasy zu „Wolfsgier“ ist ihr erster Roman in diesem Genre.

 

Unheimliches geschieht in der Grafschaft Dartmoor in der Nähe des Dorfes Cranmoor. Ein junges Mädchen flieht gehetzt durch den Wald und stürzt sich schließlich eine Klamm hinab. Sie will lieber direkt sterben, als sich ihrem Schicksal zu stellen – das nächste Opfer einer Bestie zu werden, die schon seit vielen Jahren die Gegend heimsucht.

Zur gleichen Zeit hat Emma Gordon, eine junge Dame aus gutem Hause, ständig Albträume. Sie fühlt sich dabei in ihre eigentliche Heimat zurückversetzt und irrt dabei durch das nebelverhangene Moor, gejagt von einem Schatten. Immer wenn blutige Pranken nach ihr greifen, erwacht sie schreiend.

Weil sie die Visionen schließlich auch nicht mehr am Tage abschütteln kann, lässt sie die Tante in die berüchtigte Nervenheilanstalt Bedlam am Rande von London einweisen, wo man sie mit Drogen ruhig zu stellen versucht.

Emma die genau weiß, dass sie nicht verrückt ist, gelingt es in einem unbeobachteten Moment zu fliehen. Sie will nach Hause zurückkehren, um die Ursache für ihre Träume zu finden und sich dieser dann auch zu stellen.

Doch bei der Heimkehr merkt sie, dass längst nicht mehr alles so ist, wie sie es in Erinnerung hat. Ihr Vater und der Rest der Dorfgemeinschaft sind kurzangebunden, misstrauisch und vorsichtig, als wollte sie etwas vor ihr verbergen.

Sie ahnt jedoch nicht, dass man sie bereits dazu auserkoren hat, die Stelle des Mädchens einzunehmen, dass sich umgebracht hat, und dass sich längst ein geheimnisvoller Mann auf ihre Spur gesetzt hat, der nur einen Auftrag hat – sie nach Bedlam zurück zu bringen. Und da ist noch eine andere Macht, die nur auf sie gewartet zu haben scheint.

 

Auch wenn nichts gesagt wird, so merkt man am Ende doch, dass die ganze Geschichte offenbar nur der Auftakt zu einem Zyklus ist, denn die Geschichte hört relativ offen auf. Zwar weiß man jetzt mehr über die Vorgänge im Dorf, den Ursprung und die Natur der Bestie, aber für Emma selbst gibt es kein Happy End, da sie wieder dort endet, wo sie angefangen hat – mit einer kleinen Veränderung.

Der Roman lehnt sich sehr stark an die klassischen Werwolfsvorstellungen aus dem späten 19. und angehenden 20. Jahrhundert an, auch wenn das Wesen nur die „Bestie“ genannt wird. Kennt man sich ein wenig in den Mythen aus, weiß man, an welche sich die Autorin anlehnt, und die Auflösung ist nicht wirklich eine Überraschung sondern folgt gängigen Mustern. Dafür kann aber der flüssige Erzählstil und die charakternahen Schilderungen einiges von der fehlenden Originalität des Inhalts wettmachen. Auch wenn sich die erste Hälfte des Romans etwas zäh liest, da nicht wirklich viel passiert, so zieht die Spannung doch gegen Ende des Buches an und führt zu einem sogar actionlastigen Höhepunkt. Nur auf den letzten Zeiten fragt man sich, ob das wirklich schon alles war, da einiges weiterhin offen bleibt und gewisse Spuren deutlich machen, dass für Emma selbst die Reise in die Dunkelheit erst anfängt.

 

„Wolfsgier“ ist ein solider Mystery Roman, der vor allem junge Leser in die klassische Welt der Werwölfe und der nebligen englischen Landschaften einführt, wie man sie aus vielen „Gothic Novels“ und klassischen Horrorfilmen kennt. Für sie enthält das Buch auch genug Spannung und Dramatik, während ältere Leser vieles vorhersehen können.

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Wolfsgier

Autorin: Brigitte Melzer

Paperback, 366 Seiten

Ueberreuter Wien, erschienen im Januar 2009

Titelbild von Nele Schütz Design unter Verwendung eines Motivs von Larry Rostant

ISBN-10: 3800054477

ISBN-13: 978-3800054473

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 26.02.2009, zuletzt aktualisiert: 10.10.2018 20:16