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Wildes Japan

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension:

Früher konzentrierten sich viele Naturdokumentationen in erster Linie auf die Tiere der Region, gelegentlich hoben sie besondere Pflanzen hervor, und die Landschaft wurde nur dann interessant, wenn es darum ging, einen Überblick zu zeigen.

Seit den preisgekrönten Dokumentationen der BBC wie „Planet Erde“ ist das ein wenig anders. Heute zählt das Gesamtpaket. Fauna und Flora werden regelrecht inszeniert – zu den Schauwerten gehören auch weite Panoramablicke über die Landschaft. Das neuste Beispiel stammt aus Deutschland: „Wildes Japan“.

 

Die meisten kennen nur die urbane Seite des Inselreiches, verkörpert durch die größte Megacity der Welt – Tokio, die wie ein riesiger Moloch ein großes Gebiet bedeckt, und sich daran macht, auch andere Orte im Umkreis zu schlucken.

Doch schon ein Stück außerhalb der großen Städte zeigt sich das andere Bild Japans. Auch wenn der Großteil der Menschen heute nicht mehr auf dem Land lebt, so ist es doch zum Teil bebautes Agrargebiet, und dann fast unberührte Wildnis, in der man noch den Geist des Inselreiches spüren kann, der maßgeblich zum Entstehen des Shintoismus beigetragen hat.

Das Bild ist abwechslungsreicher als man denkt, ziehen sich die Inseln doch von fast dem Polarkreis bis hinunter in tropische Breiten.

So ist die Tierwelt des Landes äußerst vielfältig und hat auch einige Überraschungen für den Besucher parat. Weltbekannt sind die Makaken, die in den japanischen Alpen auf der Hauptinsel Honshu leben und auch den Winter überstehen – dank der heißen Termalquellen, in denen sie sich aufwärmen können, auch wenn sich im Winter die Futtersuche durch den Schnee eher schwierig gestaltet.

Aber sie sind nicht die einzigen, die von den heißen Quellen und der Wärme profitieren, die der aktive Vulkanismus der Inseln mit sich bringt. Noch weiter im Norden, auf Hokkaido überwintern die selten gewordenen Mandschurenkraniche und die auch in Europa bekannten Riesenseeadler.

Und wenn die Kirschblüte kommt, erwacht die Natur zum Leben und zeigt ein ganz anderes, viel lieblicheres Gesicht – so wie ganzjährig im Süden.

 

Die zweiteilige Dokumentation konzentriert sich zwar zunächst auf die winterliche Landschaft in Japan, um dort atemberaubende Bilder der weißen Pracht zu präsentieren, geht dann nach und nach aber auch auf die anderen Jahreszeiten ein.

Der Mensch spielt zwar keine große Rolle in der Zusammenstellung, dennoch wird er immer wieder mit eingebunden und gezeigt. Denn durch ihre Religion wird deutlich, wie eng viele Bewohner noch heute mit der Natur verbunden sind, ihre Geister verehren und besänftigt zu halten versuchen.

So werden die Bilder von Kranichen und Schwänen noch eindringlicher, wenn man gleichzeitig von den Mythen, Legenden und Weisheiten erfährt, die sich die Menschen noch heute erzählen.

Die Autoren nehmen sich Zeit, die ausgewählten Themen zu zeigen. Dabei schwelgen sie in ausdrucksstarken Bildern, in denen auch der Betrachter versinken kann.

Die Landschaftsaufnahmen sind glasklar und farbenprächtig, sie laden zum Staunen und Genießen ein. Bei den Tieren hat man auf eine abwechslungsreiche Mischung geachtet. Es gibt viele wohldosierte Informationen, ein wenig Drama aber auch lustige Momente zum Schmunzeln.

Die japanische Kultur wird mit Respekt behandelt, gerade wenn es um die enge und seit langem bestehende Verbundenheit mit der Natur geht, die der Europäer schon lange verloren hat. Dabei werden auch die Ainu nicht vergessen, auch wenn sich die Serie mit gesellschaftlicher Kritik deutlich zurück hält.

Alles in allem gefällt die Mischung aus Natur- und Kulturdokumentation, da die einzelnen Elemente sehr gut zusammen passen und einen schönen Einblick in ein Land geben, das für uns am anderen Ende der Welt liegt.

 

 

Fazit:

„Wildes Japan“ ist eine lohnenswerte Investition, wenn man gerne in schönen Bildern schwelgt und die Informationen unterhaltsam verpackt genießen möchte. Die beiden kurzweiligen Eposoden zeigen das Land von seiner schönsten Seite und erwecken durchaus die Sehnsucht, sich das ganze einmal in Natura anzusehen.

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Eure Meinung:

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Anzeige: 1 - 1 von 1.

Ralf
Sonntag, 22. Januar 2012 12:07 Uhr
Ich finde ihn großartig!

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DVD:

Wildes Japan

2-teilige Serie, D 2010

Regisseur(e): Jens Westphalen, Thoralf Grospitz

Format: Dolby, PAL

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1)

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

FSK: Ohne Altersbeschränkung

Studio: Polyband & Toppic Video/WVG

Erscheinungstermin: 27. Januar 2012

Spieldauer: 90 Minuten

ASIN: B005ZNLZ4M

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 22.01.2012, zuletzt aktualisiert: 28.08.2019 20:06