Whitechapel- Jack the Ripper ist nicht zu fassen

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension:

 

Die Engländer lieben ihre Geschichte und Literatur – vor allem wenn sie blutig und grausam ist. Zumindest hat man manchmal das Gefühl, denn warum sonst werden bestimmte Themen immer wieder aufgegriffen, wie etwa die Geschehnisse des Jahres 1888, die einen bis heute nicht gefassten Serientäter zu einem Mythos machen.

Immer wieder sind Autoren ernsthaft oder fiktiv auf der Suche nach dem Täter und steuern ihre Version bei – manchmal quälend langweilig, dann wieder sehr spannend.

 

„Whitechapel“ geht die Sache nun von einer ganz anderen Seite an, indem sie die Mordserie in die Gegenwart versetzt und die Vergangenheit nicht negiert. Die Ermittler haben also bereits ein Muster an der Hand, dem sie folgen können – aber hilft ihnen das letztendlich wirklich weiter, um die Serie aufzuhalten?

Joe Chandler hat gerade erst die Polizeiakademie hinter sich gebracht, genießt aber dennoch bereits das Wohlwollen des Polizeichefs. Nur deshalb wird ihm die Leitung einer Sonderkommission zur Aufklärungen eines bestialischen Mordes an einer Frau übertragen und keinem älteren und erfahreneren Beamten.

Das macht es ihm, dem unerfahrenen Theoretiker besonders schwer zurecht zu kommen, vor allem, da ihn nicht einmal seine Einheit akzeptiert und es ihm nicht leicht macht, das Kommando zu behalten, zumal auch noch der ehemalige Chef der Gruppe unter ihm steht und Steine in den Weg legt, wo er nur kann.

Als dann auch noch ein zweiter Mord geschieht, macht er sich vor seinen Leuten vollends unglaubwürdig, da er nun auch noch glaubt das Muster zu erkennen und behauptet, dass der Täter im Stil von Jack the Ripper vorgeht. Allein anerkannter Fachmann, der sich mit dem damaligen Taten und dem Mythos besonders gut auskennt, unterstützt ihn mit seinem umfassenden Wissen.

Erst als ein weiterer Mord geschieht, beginnen die Männer Chandler und seinen Mutmaßen zu endlich zu glauben, denn die Toten entstammen alle einem ganz unterschiedlichen Umfeld und hatten scheinbar keine besonderen Berührungspunkte.

Doch werden die Ermittler die Serie von Morden jetzt noch stoppen und den neuen Ripper fassen können? Oder werden wie vor mehr als hundert Jahren auch diesmal fünf Frauen ihr Leben auf sehr grausame Art und Weise verlieren und die Polizei am Ende mit leeren Händen dastehen?

 

Es wäre einfach zu behaupten, dass „Whitechapel“ die gut dokumentierte Geschichte einfach in die Gegenwart transportiert und nach dem bekannten Muster ablaufen lässt. Tatsächlich sieht es damit etwas anders aus. Denn die Macher stellen sich nicht nur die Frage, ob der Ripper mit den heutigen Ermittlungsmethoden zu fassen wäre, sondern auch, wie die Menschen damit zurecht kommen.

Da ist einmal der junge Polizist, der zwar in der Theorie glänzende Noten hat, nun aber mit der grausamen Wirklichkeit konfrontiert wird und schon den Anblick der ersten Leiche nicht ganz ertragen kann. Er muss mindestens so viel Kraft in den Kampf um die Anerkennung seiner Leute stecken wie in den Fall selbst, oder wird immer wieder durch seine eigenen Versagensängste ausgebremst, die es ihm auch nicht leichter machen.

Dabei werden auf offenkundige Klischees verzichtet. Nicht nur das Drehbuch, auch die Schauspieler vermitteln den Konkurrenzdruck sehr subtil durch Worte und kleine Gesten, markieren aber auch geschickt die Entwicklung der Figuren über die drei Folgen hinweg.

Nach und nach wachsen die Männer in den Fall hinein und über sich hinaus und genau das bringt zusätzliche Spannung.

Auch der Fall selbst wird sehr glaubwürdig behandelt, da man nachvollziehbare Polizeiarbeit von heute zeigt. Doch reicht diese wirklich aus, um einen Täter wie den Ripper zu stellen? Die Frage wird erst kurz vor Schluss sehr realistisch beantwortet, bis dahin geben sie Vergleiche und Mutmaßungen die Hand.

 

 

Fazit:

 

All das macht „Whitechapel“ zu einer unterhaltsamen und spannenden Miniserie von hohem Niveau, in der ein komplexer Fall von lebendigen Figuren geklärt wird. Und auch für einen gewissen Gruselfaktor wird gesorgt, da man sich ebenso wenig scheut, die übel zugerichteten Leichen der Opfer zu zeigen –etwas, was viele andere Ripper-Verfilmungen sonst eher aussparen

 

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DVD:

Whitechapel- Jack the Ripper ist nicht zu fassen

Whitechapel, GB 2008

Regisseur(e): S. J. Clarkson

Musik: Ruth Barret

Format: Dolby, PAL

Sprache: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

Studio: Polyband & Toppic Video/WVG

Erscheinungstermin: 28. Mai 2010

Spieldauer: 135 Minuten

Extras: Trailer, Making of

 

ASIN: B00391WNFW

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Extras:

 

  • Making-of

 

 

 

Darsteller:

 

  • Rupert Penry-Jones
  • Phil Davis
  • Steve Pemberton

 

 


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zuletzt aktualisiert: 11.07.2019 22:52 | Users Online
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