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Star Trek – Raumschiff Enterprise DVD-Boxen 1.1 und 1.2

Filmkritik von Achim Hiltrop

 

Der Weltraum... unendliche Weiten...

 

Die TV-Serie Star Trek (dem deutschen Publikum besser bekannt als Raumschiff Enterprise) ist ein wahrer Meilenstein des Science-Fiction-Genres. Sie hat neue Maßstäbe gesetzt, brach Tabus und verband schon immer spannende Unterhaltung mit hintergründigen Fragestellungen. Dafür, dass "Star Trek" ursprünglich nur drei Jahre lang (von 1966 bis 1969) im Fernsehen lief und es dabei lediglich auf bescheidene 79 Episoden brachte, ist die Serie sehr langlebig: unzählige Wiederholungen auf wechselnden Sendern machten "Star Trek" auch nach dem eigentlichen Ende der Show immer neuen Zuschauern zugänglich. In Deutschland beispielsweise liefen 1972 nur gut ein Drittel aller Folgen, der Rest folgte erst Jahre danach. Die späte Popularität der schon längst abgesetzten Serie sorgte schließlich in den 80er und 90er Jahren für neuen Schwung, der sich in zehn Kinofilmen und nicht weniger als vier neuen Fernsehserien entlud.

Nach den eher überschaubaren Erfolgen der letzten Inkarnationen des Franchise bringt nun Paramount pünktlich zum Kinostart des neuen "Star Trek"-Kinofilms von J.J. Abrams die Serie auf DVD heraus, mit der 1966 alles begann: die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise unter dem Kommando von Captain James T. Kirk, das fünf Jahre lang unterwegs ist, um neue Welten zu entdecken, neues Leben und neue Zivilisationen.

Und all das im neuen Glanz.

 



Neue digitale Effekte

 

"Star Trek" hatte immer schon viele Stärken. Dazu gehörten alte Hasen wie Marc Daniels, Joseph Pevney und Vincent McEveety im Regiestuhl – Urgesteine der amerikanischen Fernsehlandschaft, die sehr wohl wussten, wie man eine intelligente Story spannend in Szene setzt. Zu den Stärken zählen auch die Drehbuchautoren im Team des Serien-Schöpfers Gene Roddenberry, zu denen neben erfahrenen Fernsehschreibern auch renommierte Phantastik-Schriftsteller wie Robert Bloch, Harlan Ellison oder Theodore Sturgeon gehören, die immer wieder packende, tragische und lustige Geschichten lieferten. Die schauspielerischen Leistungen der einzelnen Darsteller waren durchweg solide, wenn auch vielleicht nicht überragend. Die Chemie zwischen den Hauptfiguren stimmte (zumindest vor der Kamera). Immerhin wurde Leonard Nimoy für seine Darstellung des vulkanischen Wissenschaftsoffiziers Mr. Spock dreimal für den TV-Preis Emmy nominiert.

"Star Trek" hatte aber auch Schwächen. Zeit, Budget und technische Möglichkeiten einer Fernsehproduktion der 60er Jahre zwangen Gene Roddenberry dazu, sich mit dem zufrieden zu geben, was machbar war. Infolgedessen sahen die Kulissen im Studio stets nach Sperrholz und Pappmaché aus. Die Darstellung des Weltraums hatte nichts gemeinsam mit den unglaublichen Aufnahmen eines Hubble-Teleskops von heute, sondern beschränkte sich auf ein paar vorbeifliegende Lichtpunkte. Und wenn die stolze Enterprise in den Orbit um einen Planeten einschwenkte, sah das leider wie ein Plastikmodell aus, das jemand mit der Hand vor einer bunt beleuchteten Glaskugel entlang führt.

Doch damit ist nun Schluss.

Die aktuelle DVD-Neuveröffentlichung wartet mit einigen Neuerungen auf. So wurden beispielsweise die recht unspektakulären Vorbeiflüge an Planeten im Computer komplett neu erschaffen. Das Schiff wirkt nun so majestätisch, wie wir es aus dem Kino gewohnt sind, und die Planeten sehen jetzt deutlich echter aus:


Die digitale Inszenierung eröffnet auch neue künstlerische Möglichkeiten. Während in der Vergangenheit die Kameraposition stets statisch war, erlaubt die neue Technik, das Raumschiff aus jeder beliebigen Perspektive zu filmen und diese Freiheit dramaturgisch zu nutzen: soll die Enterprise klein und zerbrechlich wirken, wird sie von oben gezeigt:


Möchte man hingegen ihre Kraft und Eleganz unterstreichen und sie heroisch wirken lassen, nimmt man das Schiff von unten auf:


Aber nicht nur die Enterprise und die von ihr besuchten Planeten haben ein digitales Face-Lifting erfahren, auch die Schiffe ihrer Gegner kamen in den Genuss einer Rundum-Erneuerung. Raumschlachten wirken dynamischer als zuvor, und der Detailreichtum der exotischen Schiffe erreicht ein neues Niveau:


Bei all diesen Neuerungen hat man sich trotzdem noch zurückgehalten und an dem Design der ursprünglichen Version orientiert. Die überarbeiteten Szenen fügen sich nahtlos in den restlichen Film ein, ohne wie ein störender Fremdkörper zu wirken. Schließlich wurden die Kostüme, Bauten und Kulissen so gut wie nicht nachbearbeitet, so dass ein übertrieben moderner Look mit Special-Effects-überfrachteten Weltraumszenen eher gestört als geholfen hätte.

 

 

Bessere Bildqualität

 

Bei dieser Gelegenheit hat man übrigens das Original-Filmmaterial einer gründlichen Reinigung unterzogen. Fehler wie Kratzer und Flecken wurden behoben, die Farben korrigiert und das Bild so entscheidend verbessert. Was sich aus vierzig Jahre altem Filmmaterial noch herausholen lässt wird deutlich, wenn man die restaurierte Fassung mit den – ebenfalls auf der DVD enthaltenen – Trailern zu der jeweiligen Episode vergleicht, welche nicht aufpoliert wurden:

Leonard Nimoy als Mr. Spock, vor und nach der Restaurierung


Damit dürfte diese Veröffentlichung in Sachen Bildqualität die mit Abstand beste der bisherigen VHS- und DVD-Ausgaben sein.

 

Gesamteindruck

 

Sowohl die Restaurierungsarbeiten als auch die digitale Neugestaltung der Spezialeffekte haben sich gelohnt. "Raumschiff Enterprise" sah auf dem heimischen Fernsehgerät noch nie so gut aus.

Die Menüführung ist mit viel Liebe zum Detail im Stil des Transporterraum-Kontrollpults designt. Das Bonusmaterial ist umfangreich und enthält neben den TV-Trailern zu allen Episoden auch interessante Interviews und Kurzreportagen. Ein echtes Highlight ist die Sammlung seltener Super-8-Aufnahmen vom Set... ein rarer Blick hinter die Kulissen einer TV-Produktion, und zwar aus einer Zeit, wo man noch nicht daran dachte, professionelle "Making Of"-Filmchen für Vermarktungszwecke zu drehen.

Leider hat es bei der deutschen Tonspur nur für Mono gereicht, während die englische Version im 5.1-Format auftrumpft und auch eine eigens neu eingespielte Aufnahme der klassischen Titelmusik zu bieten hat. Wer auf die deutsche Tonspur angewiesen ist, wird außerdem zwangsläufig bemerken, dass die Synchronsprecher manchmal mitten im Satz wechseln; das liegt jedoch daran, dass hier die zuvor bei der TV-Ausstrahlung gekürzten Szenen enthalten sind, die für die DVD-Veröffentlichung nachsynchronisiert wurden, und nicht immer stand der frühere Synchronsprecher noch zur Verfügung. Insofern ist dieser Makel zu verschmerzen – bekommt man doch dafür den ungekürzten Film in restaurierter Bildqualität und mit spektakulären neuen Bildern...

... die nie zuvor ein Mensch gesehen hat.

 

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DVD:

Star Trek – Raumschiff Enterprise, Season 1.1

USA, 1966/1967

Laufzeit ca. 772 Minuten (16 Episoden)

FSK 12

Paramount, 09.04.2009

 

ASIN: B001QU60KC

 

Erhältlich bei: Amazon



Star Trek – Raumschiff Enterprise, Season 1.2

Laufzeit ca. 628 Minuten (13 Episoden)

FSK 12

Paramount, 09.04.2009

 

ASIN: B001QU60KM

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

William Shatner

Leonard Nimoy

DeForest Kelley

James Doohan

Nichelle Nichols

George Takei


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Erstellt: 24.05.2009, zuletzt aktualisiert: 22.11.2019 07:56