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Salzträume – Teil 1 von Ju Honisch

Rezension von Christel Scheja

 

Bereits in ihrem Debütroman „Das Obsidianherz“ stellte Ju Honisch den Lesern viele der Figuren und den Schauplatz vor, der auch zum Hintergrund ihres zweiten Romans „Salzträume“ wird, der aufgrund seines Umfangs von gut 1200 Seiten in zwei Teilen erscheint.

Die in Bayern aufgewachsene Berlinerin lebt heute mit ihrem Mann in Frankfurt am Rhein und ist als Liedermacherin, Filkerin und Sängerin bekannt, die vor allem phantastische Elemente in ihren Geschichten aufnimmt.

 

Österreich im Jahr 1865 gut ein halbes Jahr nach den Ereignissen in „Das Obsidianherz“. Mittlerweile sind die schöne Corrisande Jarrencourt und der englische Gentlemanspion Delacroix alias Philip Fairchild miteinander verheiratet und auf dem Weg dazu Eltern zu werden. Dann aber macht sich der ehemalige Colonel mit dem Magier Aengus McMullen auf die Suche nach dessen Neffen Ian, der während der „Grand Tour“ durch Europa irgendwo in den Alpen zusammen mit seinem Hauslehrer verschwunden ist.

Dabei geraten die beiden Männer trotz ihres Wissens und ihrer Erfahrung selbst in den Bann der Berge und der Wesen, die in ihnen wohnen. So bleibt es Corrisande überlassen nach ihrem Gemahl zu suchen, als sie länger nichts mehr von ihm hört. Dabei schließt sich ihr die Operndiva Cerise an.

Derweil plant der skrupellose Professor Hardenburg die Vollendung einer Maschine, die der Habsburger-Monarchie zur unumstrittenen Macht Europas werden lassen soll, ohne dass die die immer aufständischen Ungarn und rebellischen Italiener, die aggressiven Preußen und die misstrauischen Franzosen viel dagegen tun können. Sie soll Magie in militärische Zerstörungskraft umwandeln. Um sie zu betreiben benötigt die Maschine allerdings eine ganz besondere Energie – die Lebenskraft der Fey oder Si. Deshalb tut er sich mit einer Gruppe Jäger zusammen, die ihm genau einen solchen bringen sollen, egal ob jung oder alt, männlich oder weiblich.

Tatsächlich haben sie Erfolg, doch dann befreit die Charlotte von Sandling, eine junge Österreicherin den Gefangenen, ehe sie ihn zu Hardenburg bringen können und wird selbst zur Gejagten, nicht ahnend, dass der Mann, an dessen Seite sie nun in die Berge flüchtet selbst eine Gefahr ist...

 

Wie schon „Das Obsidianherz“ so ist auch Salzträume in einer parallelen Welt angesiedelt, die sich geschichtlich von der unseren nicht unterscheidet, in der aber magische Wesen nicht bloß Legenden sondern lebende Wesen sind. Nicht nur Sidhe und Feen treiben ihr Unwesen – als die Menschen die Geheimnisse der Berge wecken, kommen auch Wassergeister, verlorene Seelen und nicht zuletzt die Essenzen vorchristlicher Göttinnen zum Vorschein und beginnen mit dem Schicksal und dem Leben der Menschen zu spielen.

Jeder der zahlreichen Figuren kommt eine Aufgabe zu, die sich allerdings erst nach und nach erschließt. Bis es so weit ist, rätselt man allerdings schon eine Weile, welchen Sinn die Auftritte der Operndiva in dieser Geschichte ist, außer dass sie einmal mit einer anderen wichtigen Figur liiert war.

Ju Honisch präsentiert dem Leser nämlich einen dicht verwobenen Gobelin das man in einer Zusammenfassung kaum wiedergeben kann. Schon im ersten Band, der übrigens mit einem Cliffhanger endet, wird deutlich, dass die Geschehnisse und Figuren, die eigene Handlungsstränge haben, doch am Ende zusammen arbeiten werden, dass jedes noch so kleine Ereignis seinen Sinn hat und gut begründet ist.

Dazu erschafft sie ein atmosphärisch dichtes Sittengemälde einer Zeit, die man sonst nur aus den Heimatfilmen der 1950er-Jahre kennt, vermischt alpenländischen Heimatflair mit einigen daraus bekannten Klischees, aber zeigt, dass man auch alles völlig kitschfrei und sehr natürlich darstellen kann.

Das Lokal- und Zeitkolorit stimmt ohne übertrieben zu werden und ist geschickt mit den magischen Elementen verknüpft. Es beweist damit, dass Steampunk-Romane nicht unbedingt immer nur in den großen Industriezentren oder in England spielen müssen.

Sicherlich ist die komplexe Geschichte nicht für jeden Leser interessant, da sie volle Aufmerksamkeit und viel Geduld fordert und nicht unbedingt nur oberflächliche Action und leichte Unterhaltung bietet.

Wer sich aber mit den vielen Beschreibungen und kleinen aber feinen Dialogen anfreunden kann, der wird nicht enttäuscht. Er bekommt eine spannende Geschichte geboten, in der alte Mythen mit modernen Intrigen verwoben werden und die voller lebendiger Charaktere ist, die immer wieder neue Facetten ihres Ichs zeigen. Die Handlung selbst braucht einige Zeit, um in die Gänge zu kommen, so dass gerade in der ersten Hälfte einige Längen zu finden sind.

 

Fazit:

Alles in allem ist der erste Teil von „Salzträume“ ein interessanter Steampunk-Fantasy-Roman, der dem Anspruch gerecht wird, wenngleich er auch ein wenig behäbig zu lesen ist. Wer sich aber darauf einlassen kann, der erhält ein dichte Lektüre voller faszinierender Details und Geheimnisse.

 

 

 

Mit freundlicher Unterstützung von Feder&Schwert GmbH,

www.feder-und-schwert.de.

 

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Buch:

Salzträume – Teil 1

Autorin: Ju Honisch

broschiert - 574 Seiten

Feder & Schwert, erschienen Oktober 2009

Umschlaggestaltung von Oliver Graute

ISBN-10: 3867620628

ISBN-13: 978-3867620628

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 13.07.2010, zuletzt aktualisiert: 06.11.2018 10:06