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Interview mit der Autorin Nina Blazon

(das Interview wurde im Dezember 08 per eMail geführt)

Redakteur: Tanja Thome

 

Nina Blazon wurde 1969 geboren und lebt in der Nähe von Esslingen. Sie studierte Slawistik und Germanistik und arbeitet heute als Journalistin und Jugendbuchautorin. Ihre Steckenpferde sind fantastische, historische und kriminalistische Geschichten, wobei sie diese Bereiche auch gern miteinander verknüpft, wenn es sich anbietet.

Im Dezember 2008 erschien ihr neuestes Werk: „Faunblut“. Dieser Titel ist nach eigener Aussage der bisher düsterste und erwachsenste Roman Nina Blazons.

 

 

Fantasyguide: Hallo Nina! Erst einmal vielen Dank, dass du dir in der Vorweihnachtszeit noch die Zeit für ein Interview nimmst. Am ersten Dezember ist „Faunblut“ erschienen und man munkelt, dass das Buch bislang gut angelaufen ist und die bisherigen Leser angetan von der Geschichte sind. Kannst du das bereits so bestätigen, und sind die Rückmeldungen zu „Faunblut“ bislang anders als die zu deinen anderen Büchern? Wenn ja, inwiefern?

 

Nina Blazon: Ja, soweit ich es verfolgen kann, hat Faunblut einen guten Start gehabt. Und ich bin überrascht, wie schnell und zahlreich diesmal die Rückmeldungen von Lesern per Mail ins Postfach flatterten. Viele betonten, dass ihnen das Setting des Romans gut gefallen habe, weil es von der „klassischen“ Fantasy (Schwerter, Pferde, Abenteuer) abweicht.

 

Fantasyguide: Auf deiner Webseite www.ninablazon.de schreibst du, dass die Grundidee zu „Faunblut“ einige Jahre bereits in deiner Schublade schlummerte, bevor du einige Veränderungen vorgenommen und sie schließlich umgesetzt hast. Ursprünglich war es eine „märchenhafte Idee für eine Liebesgeschichte (…) mit Palastrevolution, Dramatik, Leidenschaft und Schneemagie“, die Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts spielen sollte. Weiterhin schreibst du, dass du letztlich die historischen Bezüge und liebgewonnene Charaktere entfernt hast zu Gunsten einer neuen Stadt, neuer Figuren und ergänzt um eine Prise schlimmster Albträume. „Faunblut“ ist ein Titel mit einer ganzen Reihe markanter Figuren geworden, von denen keine entbehrlich erscheint, sondern alle eine wichtige Rolle in Bezug auf den roten Faden des Buches haben. Ist diese zahnradartige Verkettung der Figuren auch erst später entstanden und hat sich der rote Faden selbst geändert? Oder anders: Wie viel von der Grundidee steckt noch in „Faunblut“?

 

Nina Blazon: Bei einem historischen Roman läuft ja die historisch verbürgte Handlung sozusagen als blaue Lebenslinie neben dem roten Faden der fiktiven Handlung her. (Ein bisschen wie bei Domino Day ;-)) Einige Figuren dienten ursprünglich als Personal für diese blaue Linie. Sie sollten der historischen Handlung Leben einhauchen und die verbürgten Ereignisse vorantreiben. Als ich diesen Teil komplett rausnahm, konnte ich sie noch ganz gut „auskoppeln“ (obwohl mir das bei einigen Charakteren nicht leicht fiel).

Der Grundkonflikt ist dagegen derselbe geblieben. Die Frage nach Gut und Böse, Freund und Feind beantworte ich in der neuen Version auf dieselbe Art wie in der Ursprungsfassung, allerdings wird dieser Konflikt nun sehr viel verdichteter dargestellt. Ansonsten finden sich aber auch noch einige Elemente und Versatzstücke der Ursprungsidee mosaikartig über den Roman verstreut. „Der Winterpalast“ hat z.B. seinen Namen behalten, obwohl die Geschichte nicht mehr in Russland spielt.

 

Fantasyguide: Bei der Lektüre von „Faunblut“ ist mir die Nennung von Farben sehr aufgefallen, zumal gerade in der ersten Hälfte weniger einfache Farben genannt werden, sondern du sie sehr genau bezeichnest: mausbraun, taubenblau, obsidianschwarz, indigoblau, lavarot und natürlich flussgrün, um einige zu nennen. Wenn man dann noch Namen wie Jade oder Amber entdeckt, stellt sich die Frage: Sind die intensiven Farbbeschreibungen Zufall, ein Faible oder Absicht?

 

Nina Blazon: Das ist wohl eher ein Tick. Genauer gesagt: die Nachwirkung der Arbeit am letzten historischen Roman „Die Königsmalerin“. Dafür habe ich mich sehr lange mit Farbherstellung und Maltechniken zur Zeit der Renaissance beschäftigt und in jedem Kapitel Herstellung, Charakter und chemische Eigenschaften einer Farbe ausführlich beschrieben. Und nun werde ich die Farben offenbar nicht mehr los.

 

Fantasyguide: Gerade zum Namen Faun hast du bereits einige Nachfragen erhalten, weil viele mit diesem Namen ein Mischwesen verbinden, wie es etwa in „Die Chroniken von Narnia“ von C. S. Lewis auftaucht. Du hast daraufhin erklärt, dass du den Namen vielmehr wegen der mythologischen Figur der Italiker gewählt hast. In „Faunblut“ sind Personennamen insgesamt sehr gemischt. Dort schickst du Abwandlungen bekannter Namen wie Martyn, Lilinn und Jakub zusammen mit exotischen und teils mythologisch schwergewichtigen Namen wie Faun, Jade, Amber und Moira ins Rennen.

Inwieweit sind Namen von Figuren für dich persönlich von Bedeutung? Kann es auch einen Rüdiger geben, weil du dir eine Figur einfach wie einen „typischen Rüdiger“ vorstellst, oder ist es dir wichtig, auch über Namen darzustellen, wie du eine Figur beim Schreiben interpretierst, auf Namensbedeutungen zurückzugreifen?

 

Nina Blazon: Ich bemühe mich darum, den Charakter einer Person auch immer ein wenig über deren Namen zu spiegeln. Moira, die Schicksalsgöttin, entscheidet über Leben und Tod. Lilinn – abgeleitet von Lilith – hat durchaus etwas Verführerisch-Dunkles an sich. Und Martyns Entwicklung im Buch bringt ihm seinem Namensgeber, dem Kriegsgott Mars, ja doch etwas näher. Bei manchen Namen mag ich aber einfach den Klang, dann darf es auch mal ein Alltagsname ohne Hintergedanken sein. Nur einen Rüdiger würde ich wohl nicht einbringen. Es sei denn, er wäre klein und hätte Vampirzähne. ;-)

 

Fantasyguide: Leitet sich der Name des Flusses Wila eigentlich von den entsprechenden Naturgeistern, den Víly, ab?

 

Nina Blazon: Ja, genauer gesagt von ihren Schwestern, den slovenischen Vilen, den weißen Frauen, die in den Alpen leben. Diese Bergfeen sind zwar grundsätzlich freundlich zu den Menschen. Wenn man jedoch in das Gebiet einer Vila eindringt oder die Alpenrose stiehlt, dann sorgen sie und ihre Schwestern schon mal dafür, dass man mit dem Diebesgut nicht weit kommt. („Im Frühjahr brachte der Gebirgsbach die Leiche des Jägers ins Tal.“ So endet eine der Sagen).

 

Fantasyguide: 479 Seiten sind eine ordentliche Menge Seiten. Dennoch wirfst du die Leser von „Faunblut“ gleich zu Anfang mitten hinein ins Geschehen, mitten hinein in eine moderne und doch wieder nicht so moderne rätselhafte Stadt, in der viele Gefahren lauern und mysteriöse Echos gejagt werden. Damit steigst du gleich mit einem ziemlichen Tempo ein, hältst dieses jedoch den ganzen Roman hindurch und zum Ende hin gelingt dir sogar noch einmal ein fulminanter Showdown. Als Leser ist man dabei durchweg gut und spannend unterhalten, wird jedoch auch gefordert. Das bringt mich zu der Frage: Wie gefordert warst du selbst, wie ist es dir gelungen, den Überblick zu behalten bei all der Handlung, den zahlreichen Figuren und der immensen Ambivalenz, mit der sie auftreten?

 

Nina Blazon: Ich befand mich zeitweise im Stadium des kontrollierten Wahnsinns. Das Stadium, in dem man das Gefühl hat, der eigene Kopf gehört einem nicht mehr allein. In dieser Zeit war es wichtig, ständig am Ball zu bleiben, keine langen Schreibpausen zu machen, die Fäden in der Hand zu behalten und ständig alle Details im Hinterkopf zu haben. Der Notizblock lag dabei immer neben der Tastatur.

 

Fantasyguide: Die Geschichte, die du in „Faunblut“ erzählst, ist eine tragische, die bereits erwähnte Ambivalenz und die einzelnen Schicksale der Figuren verstärken diese Tragik noch. Ohne zu vieles aus der Handlung zu verraten: Hattest du zwischenzeitlich ein Teufelchen im Nacken, das dich dazu treiben wollte, etwas noch tragischer, aussichtsloser oder auch mit viel negativerem Ausgang auszugestalten? War das eine persönliche Entscheidung, eine grundsätzliche Überzeugung oder vielleicht auch eine Vorgabe?

 

Nina Blazon: Die Vorgabe war, dass nicht alle sterben sollten. ;-) Ja, zeitweise war ich schon versucht, die Tragik noch etwas zu verschärfen. Aber andererseits fällt es mir schwer, Figuren zu töten. Ich muss mir immer vor Augen halten, dass nicht alle überleben können und nicht jeder am Ende mit jedem in Frieden leben kann. Trotzdem habe ich eine Figur am Leben gelassen, die anfangs noch auf der roten Liste stand.

 

Fantasyguide: Gab es Momente, die dich selbst beim Schreiben von „Faunblut“ überrascht haben? Gab es Züge an den Charakteren oder Details in der Handlung, die letztlich mehr oder weniger Raum gefordert haben, als du ursprünglich angedacht hattest? Falls ja, magst du vielleicht ein Beispiel verraten?

 

Nina Blazon: Oh ja, so einige. Der hundertjährige Ben hat sich eingeschlichen und sich immer mehr Raum erobert. Die Details änderten sich ständig und auch die Facetten der Personen. Ein Beispiel ist die Anführerin der Rebellen, Tanía. Ich hatte sie mit einer logischen Geschichte ausgestattet, ihr eine Motivation gegeben, die eigentlich das „Gutmensch“-Prädikat und den Mitleid-Bonus verdient. Eine aufrechte, integre Heldenfigur, bei der man versteht, wofür sie kämpft und warum. Aber dann, während des Schreibens, fand ich sie plötzlich gar nicht mehr so sympathisch. Sie hatte etwas von einem Klassenstreber, dabei war sie gar nicht so nett! Ein Hauch von Wahnsinn war auch dabei. Ich habe sie dann einfach machen lassen und war ganz froh, ihr nicht im wirklichen Leben begegnen zu müssen.

 

Fantasyguide: Für den Herbst 2009 hast du bereits einen neuen historischen Roman angekündigt. Auch in diesem soll es gruselig und dunkel zugehen. Zwar ist die Hauptperson dort 14 Jahre alt und nicht wie Jade in „Faunblut“ bereits 19 Jahre alt, doch gruselig und dunkel sind in Bezug auf die Handlung von „Faunblut“ ja prominente Schlagworte. Kannst du schon ein wenig mehr über diesen neuen Roman verraten und auch, was du aus der Arbeit an „Faunblut“ für weitere Werke mitnehmen wirst?

 

Nina Blazon: Hm, aus Faunblut wahrscheinlich nicht sehr viel, denn vergleichen lassen sich die Bücher aus den beiden Genres nicht. Im historischen Roman ticken der „Grusel“ und das „Düstere“ nach ganz anderen Gesetzen als in der Phantastik. Gruselig ist zum Beispiel hier die Tatsache, dass ein 14-jähriges Mädchen an einen Durchreisenden verkauft wird und als Braut für dessen Sohn in ein entferntes Dorf verschleppt wird. Und zwar in ein Gebiet, das sie nur als das gefürchtete „Türkenland“ kennt. Düster wird es, als die junge Frau von Erscheinungen heimgesucht wird und feststellen muss, dass es einen seeehr guten Grund dafür gibt, dass keines der Dorfmädchen ihren Mann heiraten wollte ...

 

Fantasyguide: Nochmals herzlichen Dank für das Interview Nina.

 

 

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Nina Blazon - Faunblut

Faunblut

Autor: Nina Blazon

Verlag: cbt

Umfang: 479 Seiten

Aufmachung: Hardcover mit Schutzumschlag

Erschienen: Dezember 2008

ISBN-10: 3570160092

ISBN-13: 978-3570160091

Erhältlich bei: Amazon

 

Unsere Rezension zu dem Roman "Faunblut" findet ihr hier!

Weitere Infos:


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Erstellt: 15.01.2009, zuletzt aktualisiert: 23.06.2018 17:20