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Interview mit Mike Hillenbrand

Mike Hillenbrand

Redakteur: Michael Schmidt

 

Mike Hillenbrand ist zusammen mit Klaus Michels Herausgeber und Chefredakteur des Corona Magazins. Das "Corona Magazine" ist ein kostenloser Service der Seite www.corona-magazine.de und bietet zweiwöchentlich Hintergründe und Informationen aus dem Unterhaltungs-Genre im Allgemeinen sowie dem phantastischen Genre im Speziellen. Das kostenlose Abonnement ist an keinerlei Verpflichtungen gebunden. Das Corona Magazin erscheint mittlerweile in der 130 Ausgabe und kann stolze 11.000 Abonnementen vermelden.

Wir fanden das Anlass genug und stellten ein paar Fragen zum Corona Magazin und seinem Macher Mike Hillenbrand.

Michael Schmidt: Hallo Mike Hillenbrand. Stell dich doch mal unseren Lesern vor. Wer ist Mike Hillenbrand?

 

Mike Hillenbrand: 1972 geboren, 195 cm groß, einige Kilogramm zu schwer. Ich bin in Essen geboren und aufgewachsen, und habe die unglaublich anmutende Entfernung von über 9 km zurückgelegt, um in Mülheim an der Ruhr mein neues zu Hause zu finden. Dort wohne ich mit meiner Frau und unseren beiden Kindern.

 

 

Michael Schmidt: Du bist seit vielen Jahren im Genre aktiv. Was hast Du schon alles gemacht?

 

Mike Hillenbrand: Oha. Fangen wir an. Schülerzeitungschefredakteur, Bürgerfunk im Radio, Seminarleiterschein für Radio-Workshops und irgendwelche ganz toll benahmste Titel bei irgendwelchen Landesjugendpresseorganisationen.

Welche genau, das habe ich vergessen. 1999 habe ich dann das Internetradioportal sf-radio.de gegründet und bis 2002 auch geleitet. Seit damals schreibe ich auch - regelmäßig bis unregelmäßig - für einige Genre-Magazine im Print- und Online-Bereich, wie z.B. für die „Space View“, das „Offizielle Star Trek-Magazin“, das „Corona Magazine“, die „Blockbuster“, den „SF-Flash“ und einige andere.

Seit 1999 bin ich im Rezensentenstamm von amazon.de und habe dort für rund ein halbes Dutzend Redaktionen Bücher, Filme, Serien und Anwendungsprogramme rezensiert. Außerdem habe ich einige Bücher geschrieben und übersetzt.

In den Genre-Bereich dürften da am ehesten „Superhelden – mit Abenteuern aus Smallville“, das ich mit meinem Kollegen Thomas Höhl geschrieben habe, und „J.R.R. Tolkien – Der Mann der ‚Herr der Ringe’ erschuf“ passen, das ich ins Deutsche übersetzte. 2002 habe ich das Internetfernsehen projekt-x.tv konzipiert und die ersten sechs oder sieben Sendungen produziert und moderiert. Bei den Convention-Videos der FedCon IX bis XII und der Ring*Con 2003 war ich ebenfalls Produzent.

Seit 2003 fungiere ich mit meinem Partner Klaus Michels auch offiziell als Herausgeber und Chefredakteur des Corona Magazines, das inzwischen über 11.000 Abonnenten hat. Das war’s soweit. Mag sein, dass ich das ein oder andere vergessen habe. Verzeih mir, wenn.

 

 

Michael Schmidt: Gerade noch. ;) Das Corona Magazine ist ja ein Sammelsurium. Star Trek, Filmnews, Wissenschaftsnews und Kurzgeschichten bzw. Leseproben. Wie kommt so eine bunte Mischung bei den Lesern an? Gibt es da kontroverse Meinungen?

 

Mike Hillenbrand: Na klar. Das Corona Magazine hat alle zwei Wochen mindestens 15 verschiedene Rubriken und bietet darin so viel Lesestoff wie eines der oben genannten Printmagazine alle zwei oder gar nur alle drei Monate bietet. Ähnlich wie in der Space View interessiert sich der durchschnittliche Leser meist nur für einige wenige Artikel. Je nachdem wie es dann gerade passt, liest sie oder er noch ein wenig quer und stolpert dann hoffentlich noch über weitere Themen, die sie oder ihn interessieren.

Aber wir kriegen oft Feedback von Lesern, die mehr „Star Trek“ fordern - oder auch weniger. Oder mehr Stargate. Oder mehr Kino. Das ist toll - finden wir. Denn es bedeutet, dass die Leser gerne mehr im Corona lesen würden. Und das lässt darauf schließen, dass wir unsere Sache gar nicht so schlecht machen.

 

 

Michael Schmidt: Bei solch einer thematischen Breite braucht es doch eine Vielzahl an Fachleuten. Wie sieht eure Mannschaft aus? Wie viele Mitarbeiter habt ihr?

 

Mike Hillenbrand: Wir haben feste und freie Redakteure. Im festen Stamm sind es zurzeit 18 Redakteure, im freien Bereich pendelt es bei rund einem Dutzend, die mal mehr, mal weniger aktiv sind. Viele unserer Autoren schreiben auch für andere Publikationen:

Thomas Höhl, Christian Humberg, Christian Lukas, Birgit Schwenger, um nur ein paar zu nennen. Jeder Autor, der für uns schreibt, hat seine oder ihre „Fachgebiete“ – das bringt dem Autoren auch eine Art Wiedererkennungswert bei seinen Lesern. Das ist dann aber auch alles, was er oder sie bekommt, denn Honorar zahlen wir – wie fast alle Online-Projekte – nicht.

 

 

Michael Schmidt: Gibt es da auch Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf das Endprodukt „Corona Magazin“? Wer hat das letzte Wort?

 

Mike Hillenbrand: Mein Partner Klaus Michels und ich. Wir sind seit vielen Jahren ein prima Team und sehr gute Freunde geworden. Klaus ist ein Meister im technischen Bereich und ich organisiere meist die inhaltliche Seite. Wenn es wirklich mal Gesprächsbedarf über das ein oder andere Thema gibt, haben wir eine sehr gute Gesprächskultur entwickelt. Ich schätze, man kann sich keinen besseren Partner wünschen.

 

 

Michael Schmidt: Ihr hattet einen längeren Kurzgeschichtenwettbewerb laufen. Das Ergebnis „Schlag 13!“ erscheint jetzt im Bejot-Verlag. Erzähle doch mal wie es zu dieser Idee kam? Und was hat es mit dem Ausspruch auf sich: „Lesen ist wie Fernsehen im eigenen Kopf“?

 

Mike Hillenbrand: Ha! Jetzt oute ich mich mal: Der Spruch ist gar nicht von mir! Der Satz stammt aus der Sendung „Leseprobe“, die ich damals für sf-radio.de konzipiert habe. Der Chefredakteur der Sendung, Michael Ottenbruch, hat ein Äquivalent für mein „Nur der Himmel ist die Grenze!“ gesucht und kam auf diesen Satz, der uns ausgesprochen gut gefallen hat. Alle Moderatoren der Leseprobe – auch ich – haben ihn übernommen. Ich stehe auf gute Ideen und darum gibt es im Corona Magazine inzwischen auch wieder die „Leseprobe“ – und den Satz „Lesen ist wie Fernsehen im eigenen Kopf!“.

 

 

Michael Schmidt: Also ist der Ausspruch nur da, weil er nett klingt?

 

Mike Hillenbrand: Nein, natürlich nicht. Der Satz ist Programm. Das Corona Magazine war immer sehr medial konstruiert. Es geht bei uns um Serien und Filme, weniger um Bücher. Entsprechend ist es auch bei unseren Lesern, die sich mehr fürs bewegte Bild als für bedruckte Seiten interessieren. Mit dem Slogan, dass Lesen die bewegten Bilder im Kopf produziert, wollten wir die Akzeptanz unserer Leserschaft für die neue Rubrik steigern. Es gab also schon einiges, was für das Motto sprach.

 

 

Michael Schmidt: Sind in dieser Richtung noch weitere Projekte geplant?

 

Mike Hillenbrand: Hey, der Kurzgeschichtenwettbewerb läuft noch – und jeder Hobbyautor ist herzlich eingeladen, seine Geschichten einzusenden! Der Wettbewerb ist nur in der „zweiten Phase“ angekommen. Die erste – die insgesamt 39 Gewinnergeschichten in 13 Runden hervorgebracht hat, von denen 38 in „Schlag 13!“ zusammengeführt wurden – lief im Corona Newsletter.

Es gab damals immer drei Newsletter und abschließend ein Magazine im Monat. Als wir den Newsletter einstampften, und stattdessen ein zweiwöchentliches Magazine einführten, konnten wir keine drei Geschichten im Monat mehr veröffentlichen. Also haben wir die „Kurzgeschichte des Monats“ eingeführt und damit die Phase 2 eröffnet.

 

 

Michael Schmidt: Statt des KG-Wettbewerbes veröffentlicht ihr also jetzt im Wechsel eine Leseprobe und eine Kurzgeschichte. Wie sind die Reaktionen zu dieser Änderung? Bekommt ihr viele Einsendungen?

 

Mike Hillenbrand: Ja. Und unsere Leser haben uns eindeutig die rote Karte gezeigt. Die Nachfrage nach der Kurzgeschichte war so groß, dass Klaus und ich in Absprache mit den Redakteuren Olaf Brüschke und Barbara Jung – der ich an dieser Stelle ganz herzlich für ihren zeitlichen und finanziellen Einsatz bei der Anthologie danken möchte! – wieder eine Kurzgeschichte in jedem Magazine eingeführt haben. Die Leseprobe ist allerdings auch gut angekommen. Sowohl von Seiten der Leser als auch von Seiten der Verlage.

 

 

Michael Schmidt: Vor nicht allzu langer Zeit waren Corona Newsletter und Corona Magazine noch zwei getrennte Paar Schuhe, jetzt ist es eins. Habt ihr noch weitere gravierende Änderungen geplant?

 

Mike Hillenbrand: Nein. Definitiv. Klaus und ich sind jetzt beide über 30 und wir haben uns entschlossen, das Genre mal etwas weniger intensiv zu beackern. Internetradio, Internetfernsehen, Videoproduktionen und jede Menge Schreib- und Übersetzungsjobs waren einfach zu viel. Ich mache das ganze – kaum zu glauben, aber wahr – ja nur als Hobby. Zwar hat jeder von uns noch eigene Träume, die das Genre betreffen, aber an denen basteln wir im Stillen.

 

 

Michael Schmidt: Mit den Kurzgeschichten und Leseproben führt ihr ja zusammen, was eigentlich zusammen gehört. Film und Buch. Da muss ich direkt an das Genre Fan Fiction denken, das sich ja großer Beliebtheit erfreut. Werdet ihr auch in dieser Richtung etwas machen?

 

Mike Hillenbrand: Nicht direkt. Ich respektiere Fanfiction sehr, aber hier fehlt einfach das Know-How, um eingesandte Arbeiten wirklich gut beurteilen zu können. Die Maßstäbe betreffen hier ja nicht nur das Handwerkliche. Um zu wissen, ob die Charaktere aus der – oder die Atmosphäre in der – Serie getroffen wurden, muss man die Serien alle kennen. Und um ehrlich zu sein, sehe ich momentan nur zwei Serien regelmäßig:

„Enterprise“ und „Smallville“. Wir hatten mit dem Gedanken gespielt, rundenweise eine Serie in den Mittelpunkt zu stellen und dazu die beste Fanfiction zu prämieren. Aber in der praktischen Umsetzung gab es so viele Probleme – auch rechtliche -, dass wir es haben sein lassen.

 

 

Michael Schmidt: Ihr seid ja relativ konzentriert auf die Science Fiction. Wird das so bleiben oder wollt ihr auf Dauer die Bandbreite erhöhen?

 

Mike Hillenbrand: Im Corona Magazine haben wir „Sciencefiction, Fantasy, Mystery & Action“ zum Thema gemacht, nachdem die Vorläufer immer reine Star Trek-bezogene Newsletter waren. Daran wird sich nichts mehr ändern. Meine persönliche Bandbreite war schon immer etwas umfassender. Egal, ob ich für EDV-Zeitschriften geschrieben oder Bücher über Geschichte und Allgemeinbildung verfasst habe. Allerdings waren das immer Sachbücher, und das stört mich schon ein wenig.

 

 

Michael Schmidt: Höre ich da eigene schriftstellerische Ambitionen heraus?

 

Mike Hillenbrand: Du hast da kein schlechtes Gehör. Ich habe unter Pseudonym hie und da schon einmal etwas veröffentlicht und spiele jedes Jahr aufs Neue mit dem Gedanken an eine eigenständige Geschichte.. schaunwermal, wie der Kaiser sagt.

 

 

Michael Schmidt: Eure Website www.corona-magazine.de bietet neben den bisherigen Ausgaben auch ein Leserforum. Wie sind die Reaktionen? Wie wird das Angebot genutzt?

 

Mike Hillenbrand: Spärlich. Könnte mehr sein. Viel mehr. Der Grund für das Forum war, die privat bei Klaus und mir eintreffende Leserpost ins Forum „umzuleiten“. Die Leser wären so miteinander ins Gespräch gekommen und Klaus und ich entlastet worden. Das Forum wird aber leider nicht angenommen. Klaus und ich erhalten noch immer jede Menge Mails – und das ist auch in Ordnung so, wenn das des Lesers Wille ist.

 

 

Michael Schmidt: Im Moment gibt es ja einen kleinen „Deutschboom“. Es werden wieder deutsche Autoren veröffentlicht. Eschbachs Jesus Video wurde sogar verfilmt. Und die beiden Bully Filme locken genauso viele Menschen ins Kino wie die Hollywood Blockbuster. Wie siehst du die Zukunft des phantastischen Genres in Deutschland? Gibt es einen Nachfolger für „Raumpatrouille Orion“ bzw. wird es sie geben? Und was ist das Corona Magazine imstande, dazu beizutragen?

 

Mike Hillenbrand: Wir? Wir machen Basisarbeit. Nicht anderes als das was Jugendtrainer für die E- und F-Jugend im Fußball machen. Evtl. wird aus einem Leser oder einem Redakteur in 20 Jahren ein neuer Eschbach oder vielleicht gar mal ein Emmerich. Aber dann haben wir nur sehr, sehr, sehr, sehr wenig dazu beigetragen.

Wo wir gerade bei Eschbach sind: Ich hatte die Ehre, die Verfilmung des „Jesus-Video“ – eines der genialsten Bücher, das ich kenne – für amazon.de rezensieren zu dürfen. Sie ist nicht wieder zu erkennen, um es gelinde auszudrücken. Hier ging es nicht um das Genre, sondern um die Idee der Gebrauchsanleitung in einem 2000 Jahre alten Grab. Was daraus gemacht wurde, halte ich für ein Verbrechen der Zweidimensionalität an einer wirklich tiefgründigen Story.

Bully ist ein Phänomen an sich, der sich aber – die nachlassenden Quoten von „Bully & Rick“ beweisen es langsam – nicht zu sehr als Stand alone-Produkt sehen sollte. Die Kundschaft – das Publikum – hat das Trio gekauft. Ohne Christian Tramitz oder gar bei Bully alleine sehe ich diese unglaubliche Marktmacht schwinden.

Ein neues massentaugliches Genre-Produkt aus Deutschland sehe ich nicht in den nächsten 5 Jahren, über diese Zeitspanne hinaus sollte man heutzutage keine Prognosen mehr abgeben. Wenn wir ehrlich sind:

Hätte Bastei „Das Jesus-Video“ nicht als „Thriller“ auf den Markt gebracht, wäre – Qualität hin oder her – der Roman bei weitem nicht so eingeschlagen. Machen wir uns nichts vor: SF ist und bleibt „special interest“ und das macht auch die Qualität aus.

 

 

Michael Schmidt: Als letzte Frage: Was macht Mike Hillenbrand, wenn er nicht für das Corona Magazine arbeitet?

 

Mike Hillenbrand: Ich bin Product Line Manager, oder wie es im Urdeutschen heißt: Produktlinienmanager, im medizinischen IT-Sektor. Innerhalb eines mittelständischen Softwarehauses leite ich eine kleine Abteilung, die sich mit innovativen Ideen beschäftigt, Briefschreibung zu beschleunigen, und diese Ideen auch vertreibt. Irgendwie - finde ich - hat man mich da ganz gut besetzt. Innovative Ideen waren schon immer mein Steckenpferd - und sind es noch.

 

 

Michael Schmidt: Wir bedanken uns für den freundlichen Kontakt und wünschen dir für die Zukunft alles Gute.

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Erstellt: 02.05.2005, zuletzt aktualisiert: 17.11.2018 10:28