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Interview mit Dr. Sven Edmund Reiter

Rezension von Ralf Steinberg

 

Mit seinem Debüt-Roman Traumzeitmonde liefert Dr. Sven Edmund Reiter eine spannende und lehrreiche Reise in die Welt der Wissenschaften und einer möglichen Zukunft. Wir baten den Güstrower Autor, uns einige Fragen zu beantworten:

 

Dr. Sven Edmund Reiter
Dr. Sven Edmund Reiter

Fantasyguide: Herr Dr.Reiter, Ihr erster Roman-Ausflug in die Literatur ist gleich Science-Fiction. Warum gerade SF? Gibt es vielleicht sogar Vorbilder, Lieblingsbücher?

 

Dr. Sven Edmund Reiter: Der Roman »Traumzeitmonde« enthält eine Reihe von Science-Fiction- und Fantasy-Elementen, lässt sich aber eher dem Genre »Wissenschaftsroman« zuordnen. Inspiriert wurde ich insbesondere durch die beiden Romane Der Schwarm von Frank Schätzing und Daniel Kehlmanns Vermessung der Welt. Schon seit früher Jugend lese ich jedoch auch gerne Science-Fiction- und Fantasy-Literatur. Hier sind insbesondere die Bücher und Kurzgeschichten von Stanislaw Lem zu nennen sowie die Fantasy-Saga Herr der Ringe. Ich erinnere mich auch gerne daran, dass ich jahrelang jede Woche das neue Perry Rhodan-Heft verschlungen habe. Der Hamamesch-Zyklus ist mir unvergessen.

 

 

Fantasyguide: »Traumzeitmonde« liest sich wie eine Ode an die Wissenschaft. Sie stellen den Wissenschaftsbetrieb in ein sehr fortschrittliches, positives Licht, mit dem Potential, militärische Dünkel etwa zu überwinden. Inwieweit steckt dahinter ein persönliches Anliegen?

 

Dr. Sven Edmund Reiter: Wir beobachten zurzeit weltweit etliche durch den Menschen verursachte Umweltkatastrophen wie das Artensterben, den Klimawandel und die Belastung der Biosphäre für einen unvorstellbaren Zeitraum von mehreren 100.000 Jahren durch radioaktive Abfälle, um nur einige der Wichtigsten zu nennen. Es ist die Aufgabe der Wissenschaft, die Ursachen dieser komplexen Prozesse auf die Erde und darüber hinaus zu erforschen und Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Ich wünsche mir, dass Politik und Gesellschaft durch engagierte Wissenschaftler in stärkerem Maße zu verantwortungsvollem, nachhaltigem Handeln geführt werden. Letztlich sind es aber auch die Naturwissenschaften, die einen Großteil der Negativfolgen der Industriegesellschaft verantworten. Von daher ist es angebracht, wenn diese sich an der Problembewältigung beteiligen.

 

 

Fantasyguide: Braucht die Wissenschaft mehr Fürsprache? Kann die SF das liefern?

 

Dr. Sven Edmund Reiter: Ein nicht zu unterschätzender Prozentsatz der Bevölkerung hat eine akademische Ausbildung und somit eigene Erfahrung mit wissenschaftlichen Arbeitsweisen. Viele dieser Menschen werden später zu Entscheidungsträgern in der Gesellschaft. Somit müsste man sich nur auf die eigenen universitären Wurzeln besinnen, um der Wissenschaft mehr Raum bei wichtigen Entscheidungen einzuräumen. Aber natürlich auch Nicht-Akademiker sollten die Chancen ergreifen, mit Wissenschaftlern zusammenzuarbeiten und sich von diesen beraten zu lassen.

Die SF ist prädestiniert dafür, Wissenschaftler als Titelhelden darzustellen. Dafür gibt es in Film und Literatur zahlreiche Beispiele. Denken wir nur an Carl Sagans Contact mit der überragenden Jodie Foster in der Filmrolle. Auch James Camerons Avatar ist in diesem Zusammenhang ein wichtiger Beitrag. Von Kritikern wird dieses Werk gerne als naive Indianerstory abgewertet. Die Kernaussagen des Films sind jedoch ethisch wahrhaft richtungsweisend.

 

 

Fantasyguide: Ist Raumfahrt überhaupt noch ein Thema? Welches Kind möchte heute noch Kosmonaut werden?

 

Dr. Sven Edmund Reiter: Es gibt zunehmend kommerzielle Anbieter von erdnahen Raumflügen mit einer gigantischen Zahl an Interessenten. Fast alle Raumfahrtnationen arbeiten an neuen Mondmissionen. Bahnbrechende Ergebnisse dürfen wir auch in den kommenden Jahren von einigen laufenden Missionen unbemannter Sonden (z. B. Juno zum Jupiter, New Horizon zu Pluto-Charon) erwarten. Auch werden in absehbarer Zeit Reisen zum Mars stattfinden. Soweit ich informiert bin gibt es für die One-Way-Mission (!) »Mars One« zirka 200.000 Bewerber aus über 140 Ländern. Nach den Bewerbungsbedingungen sind dies alles Personen über 18 Jahren, aber wir können davon ausgehen, dass diese als Kind schon davon träumten, Astronaut zu werden.

 

 

Fantasyguide: Wünschen Sie sich mehr Nachwuchs für die umweltbewusste Geologie und Biologie?

 

Dr. Sven Edmund Reiter: In der Tat ist »Traumzeitmonde« so eine Art Werbeaktion, um (junge) Menschen dazu zu bewegen, sich mit der unglaublichen Vielfalt von Lebensräumen, Tier- und Pflanzenarten und Gesteinsformationen unseres Heimatplaneten zu beschäftigen. Daher auch der Streifzug durch so viele unterschiedliche Handlungsorte auf den verschiedenen Kontinenten und durch die zahlreichen Umweltthemen.

 

 

Fantasyguide: Ihre Zukunft in »Traumzeitmonde« ist sehr dicht am Heute und der Realität. Haben Sie keine Angst vor einem schnellen Veralten ihres Buches?

 

Dr. Sven Edmund Reiter: Keineswegs. Das Buch stellt nur den Anfang einer Story dar, die noch weiter in die Zukunft ausstrahlt. Der Handlungszeitpunkt des ersten Plots wurde aus dramaturgischen Gründen gewählt.

 

 

Fantasyguide: Werden wir tatsächlich von einer kosmischen Katastrophe bedroht?

 

Dr. Sven Edmund Reiter: Selbst auf die Gefahr hin, eine Kassandra-Botschaft der Neuzeit zu verbreiten, ist dies ein wirklich wichtiges Thema. Weitab von gängigen Esoterik-Phantasien, Mayageschichten und 2012-Endzeit-Theorien ist es tatsächlich so, dass dieses Raumschiff Erde von einigen sehr ernst zunehmenden Katastrophen bedroht ist. Die in »Traumzeitmonde« verarbeitete kosmische Bedrohung ist latent vorhanden, im Roman jedoch literarisch überhöht. Ich möchte allerdings in den Fortsetzungsbänden noch andere kosmische und irdische Gefahren dramaturgisch verwenden, weshalb ich diese hier nicht alle nennen will. Ein Szenario welches zum Beispiel im zweiten Band eine Rolle spielt, ist der Ausbruch eines Supervulkans, wie er zum Beispiel unter dem Yellowstone-Nationalpark brodelt. Ein Vulkanausbruch mit diesen Dimensionen ereignete sich am Toba auf Sumatra vor 74.000 Jahren und hat das Weltklima wahrscheinlich um 5 Grad Celsius abgekühlt. Man geht davon aus, dass dieses Ereignis fast zur Auslöschung der Menschheit geführt hat. Vermutlich überlebten lediglich 2.000 bis 5.000 Menschen diese Katastrophe. Ein Supervulkanausbruch ist also eine dieser Katastrophen, der Milliarden Menschen zum Opfer fallen könnten. Von daher ist der Menschheit zurzeit lediglich ein kostbarer Tropfen (gesamtplanetarisch gesehen) naturkatastrophenfreier Zeit geschenkt und es ist eine Schande, wie dieser weltweit durch Krieg und Gewalt vergeudet wird.

 

 

Fantasyguide: Sie beschreiben am Ende eine positive Vision um den globalen Konflikt aufzulösen, der durch die Medien entfacht wurde. Könnte man das nicht für naiv halten? Wäre die Menschheit heute schon in der Lage, sich einer kosmischen Katastrophe geeint zu stellen?

 

Dr. Sven Edmund Reiter: Die menschliche Besatzung des Raumschiffs Erde arbeitet zurzeit an beträchtlich vielen Stellen daran, die eigene Lebensoase, zumindest für den Menschen selbst, unbewohnbar zu machen. Ich zweifele, ob eine gemeinsame Kraftanstrengung selbst bei einer kosmischen Bedrohung stattfände. Aber dennoch ist es eine schöne Fiktion.

 

 

Fantasyguide: Wie politisch sollte Science-Fiction sein?

 

Dr. Sven Edmund Reiter: Politische Urteils- und Handlungsfähigkeit ist nach dem Politikwissenschaftler Ulrich von Alemann keine Spezialistenaufgabe, sondern eine Befähigung aller und somit natürlich auch ein Thema für Science-Fiction-Autoren und ihre Leser.

 

 

Fantasyguide: Ihre Figuren agieren in der ganzen Welt. Kennen sie die Schauplätze von eigenen Expeditionen? Wieviel persönliches Erleben steckt in »Traumzeitmonde«?

 

Dr. Sven Edmund Reiter: Etliche der Handlungsorte habe ich tatsächlich bereist, so alle Plätze in Nordeuropa, in der Türkei, in Kalifornien und im Nord- und Südwesten der USA. Darunter auch einen der magischsten Orte dieses Planeten, den Mono Lake in den Hochlagen der Sierra Nevada mit seinen fantastischen Kalktuffsäulen. Nicht ohne Grund findet sich ein Foto dieses Naturwunders auf der Titelseite meiner Website »Traumzeitmonde.de«. Seit ich als Jugendlicher die Postkarte aus dem Pink Floyd-Album Wish you were here in den Händen hielt, wollte ich dorthin, was mir dann einige Jahre später auch gelungen ist. Auch zu einigen anderen Orten gibt es zumindest autobiographische Bezüge. So erfuhr ich von den subantarktischen Macquarie Islands durch sehr anschauliche Diavorträge meines damaligen Professors für physische Geographie, Ernst Löffler, welcher dort mehrere Monate auf Forschungsreise verbrachte.

 

 

Fantasyguide: Auch bei ihren Figuren hatte ich das Gefühl, dass da einige reale Personen Pate standen. Kennen Sie jemanden, der Bewegungen als Musik hören kann?

 

Dr. Sven Edmund Reiter: Das Vorbild für den Geographie-Professor Peter Vössler aus dem Roman haben wir gerade kennengelernt. Auch der Tierökologie-Professor Ernst Zabel ist einem meiner damaligen Biogeographie-Dozenten nachempfunden. Die meisten meiner Figuren haben reale Vorbilder. Im NASA-Wissenschaftler Dr. Steven Winstone, eine der Hauptpersonen des Romans, sehe ich einen meiner heute jugendlichen Söhne in zirka 15 Jahren.

Am California Institute of Technology in Pasadena wurde vor kurzem entdeckt, dass manche Menschen Töne hören, wenn sie geräuschlose Bewegungen betrachten. Die Fähigkeit Stevens, Bewegungen als komplexe Musik zu hören, ist jedoch dichterische Fiktion.

 

 

Fantasyguide: Immer wieder gibt es im Roman fast enzyklopädische Erklärungen zu Themen aus diversen Wissenschaftsgebieten. Es erfordert mitunter große Disziplin von den LeserInnen, sich dieser Wissensflut zu stellen, ohne dass sofort klar ist, inwieweit diese Informationen für die Handlung wichtig sind. Was steckt hinter dieser Flut? Wollen Sie wie Jules Verne die Jugend belehren?

 

Dr. Sven Edmund Reiter: Sie selbst bezeichnen »Traumzeitmonde« in Ihrer Rezension als Experiment. Erfreulicherweise als gelungenes Experiment. In der Tat wollte ich mit diesem Konzept ein wenig literarisches Neuland betreten. Ich wollte noch einen Schritt weiter gehen als andere Wissenschaftsromane, wie beispielsweise Bücher von Schätzing oder Kehlmann. Unser Wissen über die Erde und den Kosmos entwickelt sich explosionsartig und es ist auch für mich spannend, neue und erstaunliche Forschungsergebnisse zu durchdringen. Deren Einarbeitung in die Handlung, zumeist in Form der von mir überaus geliebten wissenschaftlichen Diskussionen und Streitgespräche sollte bewusst nicht oberflächlich erfolgen, sondern möglichst tiefgreifend. Leser aller Altersgruppen sollen das jeweilige Thema wirklich nachvollziehen können. Dabei muss man keineswegs Wissenschaftler sein, um den Roman Traumzeitmonde zu lesen. Der Text ist überwiegend allgemeinverständlich formuliert.

 

 

Fantasyguide: Wen sehen Sie als Zielgruppe des Romans? Hard-SF besitzt ja sehr kritische Fans, sind Sie gewappnet für »Erbsenzähler« und Quellenbohrer?

 

Dr. Sven Edmund Reiter: Das Buch ist nicht explizit für Science Fiction-Fans geschrieben. Diese kommen sicher auch auf ihre Kosten, aber das Potenzial des Buches umfasst eine breite Leserschicht. Neben der im Quellenverzeichnis angegebenen Literatur habe ich mich geschätzt von 500 Quellen inspirieren lassen. Es liegt auf der Hand, dass sich einige kleine Fehler einschleichen. Schon jetzt habe ich diesbezüglich wertvolle Hinweise von Lesern erhalten. Solche Korrekturen werden sukzessive in die E-Book-Version eingepflegt. Da der Roman in einer relativ kleinen Druckauflage erschienen ist, wird die zweite Auflage Leserhinweise dieser Art berücksichtigen.

 

 

Fantasyguide: Der Roman entstand aus einem Konzept heraus, dass sie für ein Album ihrer Band Nitebrain planten. Welche Bedeutung hat für sie Musik und speziell Ihre Band?

 

Dr. Sven Edmund Reiter: Der Plan, mit Nitebrain ein Konzeptalbum à la The Wall von Pink Floyd einzuspielen besteht weiterhin. Wir warten auf den Produzenten bzw. die Plattenfirma, die das Projekt produziert.

Generell ist Musik für mein Leben sehr wichtig. Sie bietet mir je nach Stimmungslage Inspiration und Entspannung, kann aber auch Energien freisetzen. Besonders begeistert mich der Progressive Rock mit Bands wie Yes, Genesis, Kansas oder IQ. Die Band »Nitebrain« ist eine Plattform, meine eigenen musikalischen Ideen umzusetzen. Musik zu komponieren ist neben dem Schreiben meine zweite künstlerische Ausdrucksform.

 

 

Fantasyguide: Ihr Roman erschien in einem Verlag, der bisher nicht durch SF-Veröffentlichungen auffiel. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

 

Dr. Sven Edmund Reiter: Nachdem einige Großverlage mein Manuskript abgelehnt hatten, beschloss ich das Buch kleineren Verlagen anzubieten. Beim Adebor Verlag konnte ich direkt mit dem Verleger Stephan Bliemel persönlich sprechen und die Buchidee ausführlich vorstellen. Der Funke sprang sofort über und es entwickelte sich eine sehr intensive Zusammenarbeit im Rahmen eines fundierten Lektorats. Ich fühle mich beim Adebor Verlag hervorragend betreut.

 

 

Fantasyguide: Auf der Homepage kann man lesen, dass Sie in der Güstrower Schreibwerkstatt tätig sind. Was treibt man da so?

 

Dr. Sven Edmund Reiter: Die Güstrower Schreibwerkstatt existiert leider nicht mehr. Es handelte sich um eine Runde von Schriftstellern aus der Region, mit dem Ziel des literarischen Gedankenaustauschs.

 

 

Fantasyguide: Traurig zu hören.

Der erste Roman mit 52 – wie wichtig ist Zeit und Alter zum Schreiben?

 

Dr. Sven Edmund Reiter: Ich habe am Manuskript des Romans in meiner Freizeit zirka zwei Jahre lang geschrieben. Davor hatte ich schon diverse Fachbücher zu ökologischen Themen wie Umweltverträglichkeitsprüfungen und ökologische Planung veröffentlicht. Mit einem belletristischen Werk wollte ich aus der Fachbuchecke heraus und ein breiteres Publikum ansprechen. Mein fortgeschritteneres Alter erwies sich als hilfreich, da ich in punkto Menschen- und Ortskenntnis sowie Fachwissen umfangreiche persönliche Lebenserfahrung in das Buch einbringen konnte.

 

 

Fantasyguide: Was inspiriert und motiviert Sie?

Dr. Sven Edmund Reiter: Ich lese regelmäßig Wissenschaftsmagazine wie Bild der Wissenschaft, Spektrum der Wissenschaft, Welt der Wunder, Wunderwelt Wissen Space, Sterne und Weltraum, um nur einige zu nennen. Zudem betreiben fast alle Zeitungen und Zeitschriften wissenschaftliche Internetportale, die ich regelmäßig besuche. Ansonsten kommen wichtige Ideen und Impulse aus meiner Familie, meinem persönlichen Umfeld und meiner beruflichen Tätigkeit als Umweltplaner.

 

 

Fantasyguide: Gibt es bereits weitere schriftstellerische Pläne?

 

Dr. Sven Edmund Reiter: »Traumzeitmonde« ist der erste Band einer Trilogie. Derzeit lebe ich gedanklich in der bereits über die Hälfte geschriebenen Fortsetzungsstory, die, soviel kann ich jetzt schon verraten, weiter in der Zukunft spielt und noch etwas Science-Fiction-orientierter sein wird.

 

 

Fantasyguide: Vielen Dank für das Interview!

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Buch:

Traumzeitmonde

Autor: Sven Edmund Reiter

Taschenbuch, 490 Seiten

Adebor Verlag, 9. Juli 2013

Cover: Stephan Bliemel

 

ISBN-10: 3944269055

ISBN-13: 978-3944269054

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B00G2CL0F4

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

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Erstellt: 06.04.2014, zuletzt aktualisiert: 09.04.2020 11:02