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Dirk van den Boom
Dirk van den Boom

Redakteur: Michael Schmidt

 

Dirk van den Boom begann seine Schriftstellerkarriere mit dem Projekt 99 des Mohlberg-Verlages, der semiprofessionellen Heftromanfortsetzung der Ren Dhark-Serie. Danach folgte die selbst konzipierte SF-Serie Rettungskreuzer Ikarus. Nach Informationen seiner Homepage ist ein brandneuer Roman zur Serie Erde 2000 (erschien ursprünglich in den siebziger Jahren ) sein neuestes Projekt. Was es sonst noch an Neuigkeiten und Gerüchten gibt, fragen wir Dirk selbst.

Interview:

FantasyGuide: Hallo Dirk van den Boom. Stell dich doch mal unseren Lesern vor. Wer ist Dirk van den Boom?

 

Dirk van den Boom: Geboren im Jahre 1966 lebe ich mit meiner Frau und zwei quengeligen Kindern in Saarbrücken. Das beantwortet nicht, wer ich bin, aber diese Angaben werden ja oft erwartet. Ich bin, das kann man vielleicht sagen, ein relativ egomanischer, oft ein wenig zu aggressiver, viel zu ungeduldiger Mensch. Leider habe ich viel mit egomanischen, ein wenig aggressiven und zu ungeduldigen anderen Menschen zu tun, so dass ich selten Gelegenheit habe, mich von anderen in meinen negativen Eigenschaften etwas begrenzen zu lassen. Außerdem bin ich ein wenig zu dick, habe zunehmend zu wenig Haare und esse im Sommer zu viel Eiscreme. Aber vielleicht doch noch ein paar härtere Fakten? Ich lebe davon, als Consultant für eine im Bereich der Entwicklungs- und Migrationspolitik tätige Firma zu arbeiten, verdiene nebenher noch freiberuflich Geld als Gutachter und Trainer im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit und, natürlich, auch durch das Schreiben.

 

FantasyGuide: Du bist Autor und Lenker der Serie »Rettungskreuzer Ikarus«. Beschreibe doch mal die Serie in wenigen Worten? Wo sind die Unterschiede zu Raumschiff Enterprise und Raumschiff Promet?

 

Dirk van den Boom: Keine spitzen Ohren. Also erstmal: Ich bin einer der Autoren, aber der Exposéredakteur. »Rettungskreuzer Ikarus« basiert auf dem Hintergrundmaterial eines nie realisierten Computerspiels – eine der zahlreichen Leichen in meinem Keller – und es dreht sich vordergründig um die Abenteuer einer Art galaktischer Rettungsambulanz. Wer die nunmehr 19 Episoden der Reihe verfolgt hat, wird aber wissen, dass es einen sehr kosmischen Hintergrundstorybogen gibt, der im Verlauf der Serie immer wichtiger wird. Oder, kurz gesagt: Es ist nicht die Schwarzwaldklinik im Weltall. Was man also vergleichen kann: Im Zentrum steht ein Raumschiff und seine Crew. Ab dann bekäme ich bei Vergleichen mit den oben genannten Serien Kopfschmerzen.

 

FantasyGuide: Wie viele Autoren schreiben an der Serie mit? Gibt es eine Chance für Neueinsteiger? Und wo sind die besonderen Schwierigkeiten eines Exposeautors?

 

Dirk van den Boom: Zur Zeit sind es neben mir Martin Kay, Irene Salzmann, Sylke Brandt und Thomas Folgmann, demnächst stößt noch Achim Hiltrop dazu. Die Frage nach den Neueinsteigern ist besonders interessant, weil ich nämlich die Erfahrung gemacht habe, dass es außerordentlich schwierig ist, tatsächlich interessierte und einigermaßen talentierte Leute zu finden, die nicht nur schreiben wollen – das wollen viele! – sondern auch schon ein bisschen können. Von den Serien, die ich kenne und betreue, weiß ich nur, dass immer nach neuen Autoren gesucht wird. Leider sind viele, die sich berufen fühlen, nicht immer auch befähigt. Wir haben gerade wieder zu Beiträgen für eine »Ikarus-Storyanthologie« aufgerufen, um eben genau Ausschau nach neuen Aktiven zu halten. Leider ist es so, dass fast alle, die auch nur einen Hauch von Talent und Zuverlässigkeit zeigen – das ist eine zentrale Kombination – oft bereits dermaßen zu mit Verpflichtungen sind, dass es nur schwer ist, sie noch für ein weiteres Projekt zu interessieren. Viele wollen auch nicht bei Serien schreiben. Exposés – furchtbar! Das könnte ja die eigene, natürlich weitaus originellere Phantasie ungebührlich einschränken! Abgabetermine – eine Zumutung! Nein, dann doch lieber gleich den Durchbruch mit einem grandiosen Meisterwerk, das zu 90 % niemals jemand verlegen wird... Das leitet auch zur letzten Frage über: Die besondere Schwierigkeit bei einer Serie, die pünktlich, regelmäßig und zuverlässig viermal im Jahr erscheinen muss – wir haben da einen Ruf zu verlieren! – ist es, die Autorinnen und Autoren dazu zu bringen, pünktlich, regelmäßig und zuverlässig ihre Manuskripte abzugeben. Ansonsten ist das klassische Problem natürlich, dass die Damen und Herren die Inhalte der Exposés oft relativ frei auslegen und ich das dann wieder irgendwie zusammen binden muss. Das betrachte ich aber mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Bei »Ikarus« wird peinlich Wert darauf gelegt, die individuellen Entfaltungsmöglichkeiten der Phantasie aller Beteiligten so groß wie möglich zu lassen. Sonst macht das nämlich keinen Spaß mehr. Ansonsten habe ich alle Freiheiten: Der Verleger, Guido Latz, erledigt den Vertrieb und schreibt Schecks, ich bin für das Inhaltliche verantwortlich. Eine bisher sehr erfolgreiche Arbeitsteilung.

 

FantasyGuide: Vor dem Ikarus hast du an der Fortsetzung der »Ren Dhark« Serie mitgearbeitet. Nach drei Auflagen und dreimaliger Einstellung mit Band 98 erschien die Serie dann nicht bei Kelter. Erzähle doch mal warum das so war, wie es zu deinem Einstieg kam und wie so ein Start einer Schriftstellerkarriere beginnt?

 

Dirk van den Boom: Ich war als Teenager ein großer Fan von »Ren Dhark«, habe die Serie damals in der 2. Auflage bei Kelter gesammelt, und meine beiden Träume waren (neben Teenagerphantasien über großbusige, eingeölte nackte Frauen), bei der Serie mitzuschreiben und eine andere Perry-Konkurrenz – Rex Corda – fortzusetzen. Lustigerweise haben sich beide Träume erfüllt. Es fing damit an, dass der Ren Dhark Club damals die Fan-Fortsetzung von RD begann, als klar war, dass Kelter über das Recycling der Serie hinaus keinerlei Anstalten machte, die Serie fortzusetzen. An ein Engagement eines Verlages wie HJB war damals noch gar nicht zu denken. Ich nahm mir ein Herz und fragte, ob ich mitmachen könnte. Das war noch sehr fannish, aber so entstanden meine ersten längeren Texte. Die Serie ging dann nach einigen organisatorischen Problemen zum Mohlberg-Verlag, und dann wurde die Aufmachung professionell, die Auflagen ebenfalls – vierstellig – und es wurden Honorare gezahlt. Beim »Projekt 99« habe ich mein erstes Geld mit Schreiben verdient und insgesamt rund 10 Romane zu den 34 Fortsetzungsheften beigetragen. Ich bin darauf sehr stolz. Daraus ergab sich nicht zuletzt meine Arbeit für die Neuauflage von »Rex Corda«, die ebenfalls beim Mohlberg-Verlag erscheint. Heinz Mohlberg ist das, was ich eine Verlegerpersönlichkeit nenne, ich verdanke ihm da so einiges. Schwer zu ertragen ist nur, dass er den 1. FC Köln gut findet und dieses Zuckerwasser trinkt, dass Kölner als Bier bezeichnen. Aber jeder hat so seine Schwächen.

 

FantasyGuide: Neben der Autorentätigkeit bist du auf der Newsseite phantastiknews.de aktiv. Dazu kommen Beiträge in Alien Contact und phantastisch!. Ist die journalistische Arbeit ein unverzichtbarer Teil für die weniger etablierten Autoren?

 

Dirk van den Boom: »Alien Contact«? Das war noch, als das ein Printmagazin war. Lange ist es her. Damals habe ich noch Kurzgeschichten geschrieben, was ich mir heute weitgehend abgewöhnt habe. Meine Kontakte zu AC gehen noch in die Zeit zurück, als ich DDR-SF-Fans für paketweise edle Lem-Hardcover mit einigen Heftromanen abge… kompensiert habe. Ja, das waren noch Zeiten …

Bei »phantastisch!« liefere ich hin und wieder etwas, wenn mir ein Thema über den Weg läuft. Als alter Military-SF-Fan kommt jetzt ein Interview mit Michael McCollum, den ich als Schriftsteller als ein Vorbild bezeichnen würde. Ich bin daran interessiert, »phantastisch!« zu unterstützen, weil das Magazin meinem Idealbild eines SF-Magazins sehr nahe kommt und ich gerne hätte, dass es uns eine Weile erhalten bleibt.

Und bei phantastiknews.de bin ich seit langer, langer Zeit mit unterschiedlichem Engagement beteiligt. Das ist in letzter Zeit mehr geworden, seitdem Guido Latz, Oliver Naujoks, Carsten Kuhr und ich die Seite und ihre Dienstleistungen im Prinzip vollständig übernommen haben. Ich mache das, um selbst auf dem Laufenden zu bleiben und stelle das nicht unter die Maßgabe, damit mich oder etwas zu etablieren. Möglicherweise ist es einer schriftstellerischen Arbeit ja sogar abträglich? Ich mache mir darüber nicht viele Gedanken. phantastiknews.de läuft ohne jede Honorierung, das ist Freizeitaktivität, und genau diesen Stellenwert hat es bei mir. Außerdem sind die Kollegen nette Leute, sogar Oliver, obwohl der zuviel Zeit mit seinem neuen Fantasy-Roman verbringt, den er endlich fertig schreiben will.

 

FantasyGuide: Ihr von Phantastik.de legt euch ja des Öfteren auch mit anderen Verlagen an (Lacrima, Intrag). Woher kommt die Motivation? Ich meine, generell neigt die Phantastikszene doch eher zum Kuscheln als zur Auseinandersetzung.

 

Dirk van den Boom: Da bin ich aber völlig anders sozialisiert. Seit 1982 – da habe ich meine Szeneaktivitäten sozusagen nachweisbar begonnen – habe ich so viele Kämpfe und Auseinandersetzungen erlebt, ich kann sie gar nicht alle zählen. Aber zum Kern der Frage: phantastiknews.de hat sich nie mit dem Lacrima-Verlag angelegt, er wurde nie auf der Website negativ erwähnt. Was ich privat möglicherweise an denen zu kritisieren habe, steht auf einem anderen Blatt, aber für unseren Newsdienst war Lacrima nie ein Thema. Anders ist es natürlich mit INTRAG, das hat ja einige Wellen geschlagen. Auslöser war da eigentlich vor allem Neugierde: Ist es tatsächlich möglich, dass sich ein Verlag in seiner Außendarstellung dermaßen auf ein gigantisches Lügengebäude stützt, ohne dass dies mal öffentlich thematisiert wird? Nach etwas Herumstochern kam so ein fauliger Geruch zum Vorschein, wir mussten da einfach nachhaken. Die Reaktion gibt uns recht: Bis heute hat INTRAG nicht einen unserer Vorwürfe stichhaltig entkräften können. Wir machen das aber nicht ständig. Zum Glück gibt es auch nicht so viele schwarze Schafe. Uns ist es viel lieber, wenn wir positive Dinge berichten können als irgendwelche Skandalstorys. Das ändert aber nichts daran, dass wir auch nachfassen, wenn uns etwas seltsam vorkommt. Soviel Zeit muss sein.

 

FantasyGuide: Viele kennen dich als Moderator der Verleihung des Deutschen Phantastik Preis. Ich habe persönlich erlebt, wie du, mit viel Witz und Charme, die doch große Menge an Besucher durch die Veranstaltung leitest. Talent oder harte Arbeit? Wirst du eine eventuelle Verfilmung von »Rettungskreuzer Ikarus« als Schauspieler begleiten?

 

Dirk van den Boom: Charme? Ich bin da doch meist völlig besoffen. Leider kann ich für die Verfilmung von »Ikarus« nicht zur Verfügung stehen, da ich für die Rolle des nächsten Superman im Gespräch stehe. Nicolas Cage habe ich schon ausgestochen.

Hast Du meine Pillenschachtel irgendwo gesehen?

 

 

FantasyGuide: Wie wichtig ist dieser DPP für die deutsche Phantastikszene? Und was hältst du von Kurd Laßwitz Preis bzw. dem Deutschen Science Fiction Preis?

 

Dirk van den Boom: Die drei wichtigsten deutschen Preise, die Du gerade genannt hast, ergänzen sich ganz wunderbar. Der KLP wird von den Profis vergeben, es ist eine Abstimmung, aber einer »Fachöffentlichkeit«. Der DSFP ist ein Jurypreis, der nach inhaltlichen Kriterien vorgeht. Der DPP ist ein reiner Publikumspreis, der einfach nur den »Massengeschmack« widerspiegelt. Alle drei Preise haben eine unterschiedliche Aussagekraft. Keiner ist besser oder schlechter, jeder hat seine eigene Legitimation. Ich möchte den Vergleich daher nicht zu weit treiben. Fakt ist, dass der DPP ein positives Image hat, mit Preisträgern wird Werbung gemacht, auch und gerade von den großen Verlagen. Das verpflichtet uns zur Sorgfalt in der Organisation des Preises – aber, um es klar zu machen: Wir treffen keine inhaltliche Auswahl. Wir zählen nur die Stimmen. Das einzige, was wir streichen, sind Nominierungen, die beim besten Willen nicht dem weiten Feld der Phantastik zuzuordnen sind. Ansonsten üben wir keinen Einfluss auf das Ergebnis aus.

 

FantasyGuide: Meines Erachtens ist der DPP der einzige Preis für alle Genres der Phantastik. Womit ich bei der nächsten Frage bin. »Ren Dhark«, »Erde 2000«, »Rex Corda«. Bist du ein reiner SF-Autor? Oder kannst du nichts anderes?

 

Dirk van den Boom: Kann ich das denn überhaupt? Ich bin mir über meine eigenen Fähigkeiten gar nicht mal so sicher. Mal bekommt man Lob, mal negative Kritik, hin und wieder auch krasse Ablehnung. Ich schwanke dann emotional immer von »Ey, was bin ich toll!« bis »Mann, was bin ich für ein Loser!«. Ich bin mir über mich selbst da sehr im Unklaren. Was ich aber sagen kann, ist, dass die SF mein Genre ist. Ich habe auch mal was anderes geschrieben – den Band für die Reihe Die Abenteurer bei Zaubermond – und schreibe gerade was anderes – einen Gruselroman – aber in der SF bin ich zuhause. Raumschiffe und Tentakel, das ist meine Welt. Ich lese auch nichts anderes, von gelegentlicher Fantasy mal abgesehen. Ich bin einseitig, borniert, in meinem Verhalten weitgehend unbelehrbar und damit sehr glücklich.

 

FantasyGuide: »Rex Corda« erscheint in Buchform und du bist als Bearbeiter genannt. Wie kann man sich diese Arbeit vorstellen. Und wo liegen die besonderen Schwierigkeiten?

 

Dirk van den Boom: »Rex Corda« ist ein Schätzchen aus den 60er Jahren, damals aber leider nicht mit der gleichen Sorgfalt geschrieben und koordiniert wie zum Beispiel »Perry Rhodan«. Ich finde die Serie immer noch genial, aber der Bearbeitungsaufwand ist zum Teil erheblich. Das gilt sowohl stilistisch als auch inhaltlich: In der Serie häufen sich mit zunehmendem Fortgang der Handlung die inneren Widersprüche, die Exposéredaktion war sichtbar eher oberflächlich. Das ist kein Vorwurf: Die Autoren standen damals unter einem ziemlichen Druck, etwas auf die Beine zu stellen, was »Perry« Paroli bieten könnte. Ich bin bei der Bearbeitung behutsam und lasse so viel vom Flair jener Zeit bestehen, wie ich kann. In meinen Vorworten gehe ich immer auf einige Aspekte der Bearbeitung ein, um das dem Leser transparent zu machen. Größere Freiheiten erlaube ich mir bei der Abfassung neuer Texte – in diesem Jahr erschien mit »Feind der FAMILIE« der erste neu geschriebene »Corda«-Roman seit fast 40 Jahren. Da bin ich von mir selbst ziemlich beeindruckt.

 

FantasyGuide: Erde 2000 erscheint neu bei Mohlberg. Und beginnt direkt mit einem neuen Roman. Autor Dirk van den Boom. Warum? Ab wann ist er erhältlich? Und werden weitere Romane folgen?

 

Dirk van den Boom: Band 1 ist bereits erhältlich. »Erde 2000« ist eine feine Serie, in den 70er Jahren im Heftroman erschienen – aber eine Serie, die, ebenso wie ihr Vorgängerprojekt Zeit-Kugel, nie einen »echten« Einführungsband hatte. Ich habe dieses Manko durch meinen ersten Roman beseitigt, danach folgen erstmal mit den Bänden 2, 3 und 4 bearbeitete Nachdrucke. Band 5 ist dann wieder ein neues Abenteuer, diesmal aus der Feder von Sylke Brandt. Das geht bei »Erde 2000« ganz gut, weil die Romane doch relativ stark in sich abgeschlossen sind und sich erst später richtige Zyklen entwickeln. Wir haben da noch einiges vor.

 

FantasyGuide: Lohnt sich bei der Vielzahl an Neuauflagen überhaupt das Projekt »Erde 2000«? Wollen die Leser nur Bewährtes und sind Neuem gegenüber verschlossen?

 

Dirk van den Boom: Mohlberg fährt gut mit den Reprints. Es gibt noch viele alte Fans, die sich gerne wieder mit den alten Serien befassen. Ich denke, das Potential ist da. »Erde 2000« # 1 hat sich überraschend gut verkauft, die 1. Auflage war nach zwei Monaten vergriffen, jetzt wird nachgedruckt. Das wird natürlich nicht ewig so weitergehen, wenn man keine neuen Leser anspricht. Das ist auch ein Grund dafür, dass neue Romane mit den Reprints verbunden werden. Aber natürlich besteht immer die Gefahr, dass es mal zu viel wird. Ich kann das zur Zeit schlecht abschätzen. Ich bin aber auch nicht der, der die betriebswirtschaftlichen Entscheidungen treffen muss. Ein Glück …

Allerdings ist es tatsächlich schwer, etwas ganz Neues zu etablieren. Wir haben das mit Ikarus versucht und es war ein hartes Brot. Man benötigt einen Verleger, der Stehkraft hat und auch bei Rückschlägen nicht in Gejammere ausbricht. Guido Latz ist so einer, der jammert zwar viel, aber dann meist nur darüber, dass das undankbare Autorenpack ihm nicht den nötigen Respekt zeigt. Immerhin, er trinkt kein Kölsch.

 

FantasyGuide: Irgendwo im Internet las ich, du wärst jetzt auch bei Bastei vertreten. Da bin ich aber neugierig.

 

Dirk van den Boom: Habe ich meine Klappe mal wieder nicht halten können? Lasst doch den Werner erstmal das Manuskript lesen, dann kann ich vielleicht mehr sagen …

 

FantasyGuide: Ein anderer Verlag. Zaubermond beschränkt sich ja bei den neuen Romanen – mit Ausnahme von Dorian Hunter – rein auf laufende Serien. Wie siehst du diese Konzentration? Wo bleibt da Raum für Neues? Und ist Zaubermond damit ein Synonym für die ganze Szene (Stichwort »Rex Corda«, »Ren Dhark«, Star Gate, etc.)?

 

Dirk van den Boom: Es steht mir nicht an, über die Programmpolitik von Zaubermond zu urteilen – ich habe selbst einen Roman für den Verlag geschrieben und bin stolz auf diesen. Zaubermond hat eine Nische gefunden, und so lange sich das wirtschaftlich trägt, hat es jede Existenzberechtigung. Neues bietet sich innerhalb der einzelnen Serien, da erscheinen ja viele neue Romane, das gilt ja für fast alle Reprint-Produkte, die auch Fortsetzungen beinhalten. Natürlich muss sich dies in einem vorgegebenen Universum bewegen, aber je nach Geschick der Exposéredaktion ist da einiges an Raum für originelle, neue Ideen. Das geht gut, und Serien haben eben eine sehr hohe Attraktivität, eine größere jedenfalls als ambitionierte Einzelromane. Gerade Kleinverlage müssen, ehe sie Experimente wagen, erstmal die notwendige ökonomische Basis schaffen. Nicht jeder Verleger ist ein Mäzen.

 

FantasyGuide: Bei der Vielzahl an Projekten fragt man sich, ob du eines deiner »Kinder« besonders gern hast oder ob sich die Sympathien verteilen?

 

Dirk van den Boom: »Ikarus«. Man wird es mir verzeihen, aber »Ikarus« ist mein Baby. Es ist eine neue Serie, die sich nicht auf Altbekanntes stützen konnte, und wir mussten aus dem Nichts anfangen. Egal, was ich sonst noch treibe, »Ikarus« bleibt mir als Serienprojekt am nächsten. Daran kann es keinen Zweifel geben.

 

 

FantasyGuide: Nun, was können wir in nächster Zeit noch so von dir erwarten? Welche Projekte sind geplant?

 

Dirk van den Boom: Nun, ich sagte ja schon, dass ich gar nicht weiß, was ich kann. Ich bin durchaus unsicher. Um mich auszuprobieren, habe ich daher einige neue Dinge gestartet: Ich arbeite an zwei Einzelromanen, die ich – was völlig meinem Naturell widerspricht – erst einmal ohne Aussicht auf einen Verlag verfasse. Das bereitet mir Kopfschmerzen. Meine Motivation schwankt. Aber ich ziehe das durch, wenngleich ich keinen echten Zeithorizont habe. Ich habe erstmals seit langer Zeit wieder eine Kurzgeschichte geschrieben, die der Veröffentlichung harrt (sie ist angenommen, aber das dazugehörige Buchprojekt noch nicht). Sicher ist, dass im kommenden Jahr bei Mohlberg mit Sigam Agelon eine Serie der besonderen Art startet, für die ich als Redakteur und Autor tätig sein werde: Mit einem Bösen, dem machtgierigen Gegenspieler unseres Helden Rex Corda, als Hauptperson, also ein Spin Off. Das wird schwierig: Wie mache ich einen echt finsteren, rücksichtslosen und grausamen Charakter zu einem Serienhelden? Das hat es so in der deutschen SF noch nicht gegeben, ich weiß selbst noch nicht, wie das wird. Aber es ist ein interessantes Experiment.

 

FantasyGuide: Kurzgeschichten von dir findet man selten. Kein Interesse oder nicht deine bevorzugte Art zu schreiben?

 

Dirk van den Boom: Ich habe früher viele Kurzgeschichten geschrieben, die meisten davon waren Mist. Meine einzigen guten sind damals bei Alien Contact erschienen. Irgendwann habe ich es mir abgewöhnt. In letzter Zeit liebäugele ich wieder etwas damit und eine habe ich, wie gesagt, mal wieder zustande gebracht. Aber in Deutschland will das keiner lesen und es ist nicht mein »Format«. Andere, wie z. B. Frank Haubold, können auf dieser Klaviatur ein schönes Stück komponieren, ich bekomme oft nur ein paar schräge Dissonanzen zustande.

 

FantasyGuide: Du kennst die Phantastikszene gut. Außerdem keiner, der mit seiner Meinung hinter dem Berg hält. Wie würdest du die Szene beschreiben? Wo liegen ihre Stärken? Wo ihre Schwächen?

 

Dirk van den Boom: Welche Phantastik-Szene? Es gibt so viele verschiedene! Und sie sind alle so heterogen! Allein die Personen: Das reicht vom verschüchterten Teenie-Fan, der noch nie in seinem Leben eine Freundin hatte, bis zum Fan-turned-businessman, der mit seinem Hobby sein Ferienhaus an der Riviera finanziert. Na gut, das war übertrieben. Aber das macht diese Szene doch aus: Individuen, wohin man guckt! Alle politischen Schattierungen vertreten, alle Geschmäcker, und alle Intelligenzgrade – von Knäckebrot bis hochbegabt! Und alle in einem total chaotischen Mikrokosmos vereint! Massenweise Egozentriker dabei! Ich finde das einfach nur spannend und amüsant und es bestätigt meine grundsätzliche zynische Beurteilung, dass wir alle im Grunde einen an der Waffel haben. Stellen wir uns das doch mal vor: Rechtsanwälte, die Fantasy schreiben! Konditoren, die SF-Serien verlegen! Diplom-Bibliothekare, die sich für die Aufnahme des Wortes »Frell!« in den Duden einsetzen! Menschen, die freiwillig den 1. FC Köln angucken! Total krank! Ich kann mir nichts besseres vorstellen.

 

FantasyGuide: Zukunftsforscher sind in. Die Steinmüller machen es. Eschbach macht es. Wie siehst du die Zukunft? Wer gewinnt den DPP im Jahr 2005 und 2010?

 

Dirk van den Boom: 2005? Das wäre dann der Preis für 2004. Hat nicht Herr Schätzing da so einen komischen Superbestseller gelandet? Den haben dieses Jahr schon Dutzende nominieren wollen, obgleich es doch diesmal um das Jahr 2003 ging. Also schon einmal ein sehr heißer Kandidat. Und 2010 natürlich Dirk van den Boom. Alle Kategorien. Auch beste Schauspielerin. Ich schaffe das.

 

FantasyGuide: Als letzte Frage: Was macht Dirk van den Boom, wenn er gerade nichts mit dem phantastischen Genre zu tun hat?

 

Dirk van den Boom: Reich werden und sich um seine Familie kümmern. Ich habe noch 131627 Herr-der-Ringe Tabletop-Figuren, die ich mal anmalen sollte. Später. Ich habe keine Zeit.

 

 

FantasyGuide: Wir bedanken uns für den freundlichen Kontakt und wünschen dir für die Zukunft alles Gute.

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Erstellt: 03.05.2005, zuletzt aktualisiert: 17.11.2018 10:28