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8 Fragen - 8 Antworten : Visionen - Ende einer Legende

Redakteur: Michael Schmidt

 

 

Die Visionen sind eine Anthologiereihe aus dem Hause Shayol und gehen mit vorliegender Ausgabe in die vierte Runde. Ein Grund, Herausgeber Helmuth W. Mommers ein paar Fragen zu stellen.

 

Fantasyguide: Hallo Helmuth! Die Visionen gehen in die vierte Runde und wieder ist eine illustre Gruppe an Autoren am Start. Auffällig finde ich die Mischung an bekannteren und nicht bekannteren Autoren: Hier Armer, Kunkel, Hammerschmitt, da Jänchen, Peinecke und Post. Drei Geschichten sind Gewinner eines Wettbewerbes. Erzähle mal, was sich hinter dem Namen „Der Moloch“ verbirgt

 

Helmuth W. Mommers: Zunächst einmal der gleichnamige Kurzroman von Iwoleit; er gehört zu einer Phalanx von sehr talentierten deutschen Autoren wie Haubold, die Höses und Küper, die in den letzten Jahren von sich reden gemacht haben. Christian von Aster ist vielen von »Medusenblut« her vertraut; von ihm, von Sascha Dickel und Uwe Post stammen die Siegerstorys aus Online-Wettbewerben.

 

Fantasyguide: Es sind Novellen im Buch vorhanden. Ursprünglich hattest du doch einen eigenen Novellenband geplant. Wie kam es dazu, diese in die Visionen zu integrieren? Und siehst du die Visionen durch die langen Geschichten von Küper, Hammerschmitt und Iwoleit aufgewertet?

 

Helmuth W. Mommers: Für einen reinen Novellenband (mit erweitertem Umfang) reichte das Material nicht; ebenso wenig für einen reinen Kurzgeschichtenband. Beides miteinander zu verbinden war keine Notlösung, sondern entsprang einem Geistesblitz. Ein Kurzroman, drei Novellen, neun Kurzgeschichten – eine ideale Kombination, die für jeden Gusto etwas bereithält. Das erinnerte mich stark an die gute alte Zeit der amerikanischen Magazine, die neben einem »Serial«, bzw. einer »Novela« auch noch »novelettes« und »short stories« anboten.

 

Fantasyguide: Im Vorwort trauen die Fans ihren Augen nicht. Der vorliegende Visionenband wäre der letzte. Klär uns mal auf! Und ist dass das letzte Wort?

 

Helmuth W. Mommers: Ja, solange sich nicht ein Verlag dafür interessiert, dessen Vertriebsnetz eine vernünftige Verbreitung garantiert. Verkaufsauflagen von ein paar hundert oder einem halben Tausend mögen für die Kleinverlagsszene zwar ganz attraktiv sein und bei Anthologien selten erreicht werden, ich finde aber, hier ist Zeit, Geld und Energie falsch eingesetzt – es sei denn, man will Nachwuchsförderung betreiben. Dann ist es eine hehre Aufgabe für Verleger und Herausgeber.

 

Fantasyguide: In den Visionen haben im Gegensatz zu den meisten Kleinverlagsanthologien bekannte Autoren veröffentlicht: Erler, Armer, Kunkel, Franke, Eschbach, Vlcek. Trotzdem fandet ihr scheinbar nicht genügend Leser. Kannst du dir erklären warum? Gibt es eine schreibende SF Szene aber keine lesende?

 

Helmuth W. Mommers: Und Marrak und Simon. Und Borsch, Gardemann, Kasper, Thiemeyer u.a. – In der Tat ist der Spruch berechtigt, es gäbe scheinbar mehr Autoren als Leser. Viele Autoren möchten unbedingt veröffentlicht werden, ohne auch nur das Produkt ihrer Wünsche aus eigener Anschauung zu kennen. Ich zähle rund 620 Personen, die innerhalb der letzten 4 Jahrzehnte SF-Storys veröffentlicht haben – und wahrscheinlich sind es noch einmal so viele, bei denen es beim Versuch geblieben ist. Dazu kommen viele Freunde des Genres, die für Kurzgeschichten nichts übrig haben, entweder weil sie nicht damit aufgewachsen sind, sondern mit Serien, oder weil sie die falschen gelesen haben. Hier fehlt es oft an Praxis. – Wer weiß, dass sich die ganze moderne Science Fiction aus Kurzgeschichten entwickelt hat, die über Jahrzehnte wegbereitend waren, sieht diese in einem anderen Licht und goutiert sie eher. – Davon abgesehen hatten und haben wir noch heute (oder schon wieder) eine Inflation an mittelmäßigen bis minderwertigen deutschen Storys, die einem nicht gerade zum Liebhaber der kurzen Form werden lassen.

 

Fantasyguide: Wie ich dich kenne, wird es trotzdem nicht ruhig um Helmuth W. Mommers werden. NOVA, VISIONEN, SPACE VIEW. Welches sind deine nächsten Projekte? Bist du mal an die großen Verlage wie Heyne, Bastei oder Piper mit deinen Ideen herangetreten?

 

Helmuth W. Mommers: Ich halte den Zeitpunkt für noch nicht gekommen, um mit den einschlägigen größeren Verlagen ins Gespräch zu treten. – Was mir aber vorschwebt, ist ein SF-Phantastik-Magazin, das über den Zeitschriftenhandel vertrieben wird. Allen möglichen Unkenrufen zum Trotz glaube ich zu wissen, wie dieses beschaffen sein muss, um Käufer zu finden. Dafür brauche ich keinen etablierten Verlag.

 

Fantasyguide: Zurück zu den Visionen. Vier Bände, eine solche Reihe macht ja eine Entwicklung durch. Es kommen einiges an Autoren und Geschichten zustande. Wie sieht dein persönlicher Rückblick aus? Welches waren deine Lieblinge? Was hat dich besonders geärgert?

 

Helmuth W. Mommers: Natürlich bin ich stolz darauf, Erler und Armer zum Schreiben bewegt zu haben; beide hatten damit eigentlich abgeschlossen. – Eine Entwicklung sehe ich nicht; ich halte die Bände 1-3 von der Qualität her gleichwertig, ohne Steigerung, weil bereits auf einem relativ hohen Niveau. Sicher, der erste Band hat Furore gemacht; schließlich war er was ganz Neues und hat sehr viele prominente Namen vereinigt, daher auch die deutlich höhere Verkaufsauflage, die jetzt bei knapp 650 liegt. Und es trudeln immer noch Bestellungen ein... – Mein Liebling ist Band 4, ich halte ihn eindeutig für den besten. Aber wie immer gehen hier die Meinungen auseinander; vielleicht liegt es ja auch daran, dass unsere Welt nach ständigen Steigerungen strebt - immer schneller, immer weiter, immer besser – und wenn das nicht offenkundig ist, immer unzufriedener.

 

Fantasyguide: In den Visionen findet sich ja auch immer dein Jahresrückblick. Wie beurteilst du das vergangene Kurzgeschichtenjahr und wie siehst du die aktuelle Szene im allgemeinen?

 

Helmuth W. Mommers: Wie ich schon in meinem letzten Jahresrückblick schrieb, hat eine Konsolidierung auf relativ gesundem Niveau eingesetzt. Es erscheinen, dank günstiger digitaler Druckmöglichkeiten, weit mehr deutsche SF-Kurzgeschichten pro Jahr als früher in einem ganzen Jahrzehnt, und die Ausbeute an guten Geschichten ist bemerkenswert, allerdings erreichen sie – vom C’T-Magazin abgesehen – nur einen sehr bescheidenen, kleinen Kreis Interessenten. – Dafür sehe ich bei den größeren Verlagshäusern wieder den Mut und die Bereitschaft, sich an Kurzgeschichten heranzuwagen. Erst einmal in Form von Autoren-Collections. Aber es ist immerhin ein Anfang...

 

Fantasyguide: Als letzte Frage etwas zu deiner eigenen Schriftstellerei. In NOVA 12 erscheint deine Geschichte „Körper zu vermieten“. Worum geht es da und welche Geschichten werden in absehbarer Zeit noch aus deiner Feder erscheinen?

 

Helmuth W. Mommers: »Körper zu vermieten« handelt von einem Mietnomaden, der sich als Untermieter in einem fremden Körper einnistet und den loszuwerden man seine liebe Mühe hat. Die Story zeugt von meiner Vorliebe für Robert Sheckley, und auch davon, dass ein alter Haudegen nicht zwangsläufig tiefschürfende Stoffe wälzen muss, wie ein Rezensent kürzlich unterstellte. – Ich habe in den letzten paar Jahren 32 neue Erzählungen veröffentlicht, einige davon als Übersetzungen in Frankreich, Italien, Griechenland, Kroatien und Russland, und nächstes Jahr folgen noch England und die USA. Gerne hätte ich was in Spanien, meiner neuen Wahlheimat, und in Polen, der Heimat meiner lieben Frau, publiziert, damit Familie und Bekannte nicht nur davon hören, sondern auch was lesen können. Aber was dieser Tage für Deutschland gilt, gilt umso mehr für´s Ausland: Niemand hat auf einen gewartet. Das macht zwar Spaß und tut dem Ego gut, aber bekannt wird man deswegen ja doch nicht. Wahrscheinlich fehlt mir auch das Talent zu was Größerem. Vorläufig ist mir jedenfalls Lust und Motivation abhanden gekommen, aber es ist noch nicht aller Tage Abend. Ein klein wenig muss man mich noch ertragen ...

 

 

 

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Erstellt: 18.10.2007, zuletzt aktualisiert: 16.07.2015 22:32