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Die Mädchenwiese von Martin Krist

Rezension von Chris Schlicht

 

Rezension:

Die 17-jährige Lisa Theis verschwindet spurlos, nur ihr kleiner Bruder Sam weiß, was sie vorhatte. Ihre Mutter erfährt es erst, als sie einen Anruf von der Lehrerin bekommt, weil Lisa mal wieder in der Schule fehlt. Sie ist sich sicher, dass ihrer Tochter etwas zugestoßen sein muss und macht sofort den ganzen kleinen Ort Finkenwerda rebellisch, was diversen Bewohnern ganz und gar nicht gefällt. Und sie muss mit Bestürzung feststellen, dass sie überhaupt keine Ahnung hat, was ihre Tochter so alles treibt.

Währenddessen findet eine alte Frau den Leichnam eines jungen Mädchens und bestattet ihn liebevoll auf einer Waldlichtung. Sie weiß, wer der Mörder ist, doch sie schweigt. Wie sie einmal mehr vor sich hin brabbelnd von ihrer morbiden Tätigkeit zurückkehrt, wird sie von Sam beobachtet und belauscht. Er ist sich sicher, dass sie von seiner Schwester spricht, doch niemand hört ihm zu, er wird ignoriert, weil er scheinbar geistig zurückgeblieben ist.

Und noch jemand im Ort ist alarmiert, als er vom Verschwinden Lisas erfährt: Alex Lindner, der in Finkenwerda das Gasthaus seiner Eltern übernahm, nachdem er den Polizeidienst in Berlin quittiert hatte. Er ist überzeugt davon, dass ein Mörder wieder zugeschlagen hat, den er in Berlin jagte, aber nie zu fassen bekam. Und der die Kollegin Lindners ermordete, die er als Lockvogel eingesetzt hatte, weil er für eine Weile abgelenkt war. Und noch etwas macht ihm zu schaffen: Offensichtlich ist er ein Adoptivkind und sein geheimnisvoller leiblicher Vater, der sich überraschend bei ihm meldet, scheint eine Menge über den Mörder zu wissen...

 

Martin Krist ist ein Pseudonym für einen Autoren, dessen Blutspur sich schon länger durch Berlin verbreitet. Bislang schon mit vier Romanen. Jetzt rückt er in die Umgebung ab, in ländliches Idyll, das nur Fassade ist für bodenlose Grausamkeiten und menschliche Abgründe. Ganz nebenbei haben zwei Hauptfiguren aus den anderen Romanen kurze Gastauftritte: Hardy Sackowitz und Kommissar Kalkbrenner. Eine Ahnung? Ja, Marcel Feige. Und am Stil erkennt man es auch.

 

Typisch ist, dass jedes einzelne Kapitel mit einem Mini-Cliffhanger endet. Das macht die Story rasant wie ein schneller Schnitt bei einem Action-Film. Stellenweise kann es den ein oder anderen Leser sicher ein wenig ermüden, weil diese Schnitte manchmal extrem kurz sind und immer wieder von den Erzählungen der Lebensgeschichte der alten Frau unterbrochen werden. Es ist über lange Strecken nicht schlüssig, was das Ganze mit dem Fall der verschwundenen Lisa zu tun haben soll. Doch wenn man es durchhält, diese Einblicke in die Vergangenheit genauso aufmerksam zu verfolgen wie die übrige Geschichte, dann stellt sich bald schon Grauen ein und eine vage Ahnung, worauf das hinaus läuft. Und man wird mit einer sehr überraschenden Wendung, sowie einem noch überraschenderen Täter belohnt.

 

Überhaupt folgen die Wechsel so schnell aufeinander wie die Cuts in den Szenen und man verdächtigt schnell den Falschen, so wie es auch die Polizisten und die Dorfbewohner tun. Und alles beginnt schon lange vorher.

 

Stellenweise könnte man annehmen, dass manche Charaktere etwas überzeichnet sind, aber wenn man sich auf sie einlässt, kann man ihr ganze Motivation durchaus nachvollziehen. Die überlastete und hilflose alleinerziehende Mutter beispielsweise und ihre Tochter, die sich endlich abnabeln will, ebenso, wie die verschworene Dorfgemeinschaft, die ihr eigenes Süppchen kocht und Zugezogene mit gehörigem Misstrauen bedenkt.

 

Fazit:

Insgesamt einmal mehr ein gelungener, atemloser, spannender Thriller mit Gänsehautgarantie, bei dem es schwer fällt, ihn mal beiseite zu legen.

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Buch:

Die Mädchenwiese

Autor: Martin Krist

Ullstein, August 2012

Taschenbuch, 412 Seiten

 

ISBN-10: 3548283535

ISBN-13: 978-3548283531

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B007667GTO

 

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 22.09.2012, zuletzt aktualisiert: 11.09.2017 19:14