Die großen Fragen der Wissenschaft

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension:

Heute nehmen wir vieles als selbstverständlich hin – die Erkenntnisse der Wissenschaft, der Medizin, technische Errungenschaften und so fort. Doch wie ist es eigentlich dazu gekommen, dass Menschen die heute gültigen Theorien und Beweise aufgestellt haben? War es immer nur der Zufall, der zu einer technischen Innovation geführt hat, oder manchmal auch der Wille etwas zu beweisen, gepaart mit einer guten Beobachtungsgabe.

„Die Großen Fragen der Wissenschaft“ versucht darauf Antworten zu finden oder zumindest Anregungen zu geben. Der Untertiteltitel „Macht, Beweise und Leidenschaft“ macht im Original viel deutlicher klar, was die Triebfedern waren: „Power, Proof and Passion“.

 

Die Menschheitsgeschichte ist enger mit der Wissenschaft verbunden als man denkt – tatsächlich haben sich beide immer wieder nachhaltig beeinflusst, sei es nun im positiven oder negativen Sinne. Man waren Herrscher daran interessiert, dass Gelehrte Entwicklungen vorantrieben und nach neuen Möglichkeiten suchten, um Vorteile gegenüber den Feinden zu erlangen, dann wieder behinderten sie Philosophen und Forscher. Erst mit dem sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert setzte eine Trendwende ein, die die heute gültigen Disziplinen der Naturwissenschaften entstehen ließen.

„Was ist da draußen“ beschäftigt sich mit dem Blick in den Sternenhimmel. Eng mit der Religion verbunden, bot dieser Themenkomplex die meisten Reibungspunkte zwischen Gelehrten und Kirche – immerhin wurde damit ein Jahrtausende bestehendes Weltbild erschüttert. Aus den ersten Blicken hin den Himmel erwuchs die Astronomie mit all ihren verbundenen Wissenschaften

„Woraus besteht die Welt?“ beschäftigt sich mit den Elementen und ihrem Zusammenwirken, ähnlich wie „Wie sind wir hier her gekommen?“ Physik und Chemie sind die Fachbereiche, die daraus hervorgingen, zusammen mit der Geologie.

„Besitzen wir grenzenlose Kraft?“ zeigt, das findige Entwickler im späten 16. Jahrhundert erkannten, dass man nicht immer nur nach Versuch und Irrtum handeln musste, sondern durchaus auch die Wechselwirkung berechnen konnte. Die Mathematik wurde von einer hochtheoretischen Philosophie zu einer praktisch angewendeten Wissenschaft, die die Entwicklung vieler Maschinen ermöglichte.

„Was ist das Geheimnis des Lebens?“ und „Was macht uns zu Menschen?“ sind die elementaren Fragen, die schließlich zur Biologie, Medizin und verbindenden Wissenschaften führten.

 

Michael Mosley präsentiert die Suche nach den Antworten sehr unterhaltsam. Am Anfang der Episode steht zunächst einmal die Frage, die ausführlich erläutert wird, ehe man sich daran macht, in die Vergangenheit zu blicken. Wann überhaupt stellte man sich die Frage zum ersten Mal. Wer fühlte sich dazu berufen mehr heraus zu finden.

Wann fiel den Forschern und Genies auch schon einmal eine Idee oder ein Beweis regelrecht in den Schoß?

Tatsächlich ist die Suche nach den Antworten auf die elementaren Fragen eine Geschichte von Irrungen und Wirrungen, Fehlversuchen, Spielereien, verrückten Ideen und nicht zuletzt aufkommender Rivalität. Mit zunehmendem Interesse der herrschenden Klasse an der Wissenschaft gewinnt auch diese an Bedeutung und Ansehen. Mussten Menschen noch fürchten, für ihre Theorien und Experimente im sechzehnten Jahrhundert hingerichtet zu werden, sah es ein Jahrhundert später damit schon anders aus – manche von ihnen wurden zu gefeierten Stars, die vor allem in den Salons der bildungshungrigen Oberschicht gerne gesehen waren.

Andere Forscher wurden von wirtschaftlichen Interessen angetrieben. Sie erkannten, dass eine bessere Ausnutzung von Kraft Vorteile brachten, dass ein künstlicher hergestellter Impfstoff vielleicht sogar für die Massen erschwinglich sein kann. Irrtümer waren nicht immer negativ – gerade die Entwicklung der ersten künstlichen Farbstoffe brachte seinem Entwickler Reichtum, beeinflusste die Mode und brachte auch ein unverzichtbares Hilfsmittel für die mit sich, die gerade damit anfingen, Zellen unter den Mikroskop zu untersuchen.

Das ganze wird mit vielen Beispielen garniert, Michael Mosley lässt durch den Besuch der historischen Stätten oder der Nachahmung von Experimenten erahnen, was zu dem Aha-Erlebnis geführt hat, oder aber warum Forscher nicht bereit waren, aufzugeben. Er schlägt auch die Brücke zu den modernen Wissenschaften.

Alles in allem ist es spannend mitzuerleben, dass nicht einmal Forschungsergebnisse im Mittelpunkt einer Dokumentation stehen, sondern die Wissenschaften selbst. Denn die Wechselwirkung mit Kultur, Religion und Geschichte ist sehr interessant und dazu noch unterhaltsam umgesetzt.

 

 

Fazit:

Wer wissen möchte, wie die heutigen Wissenschaften zu dem wurden, was wir sind, wie heute für uns selbstverständliche Technik entwickelt wurde, kann dies in „Die großen Fragen der Wissenschaft“ angenehm aufbereitet miterleben. Spannend und unterhaltsam, manchmal auch mit einem Augenzwinkern erzählt Michael Mosley von den Irrungen und Wirrungen, Forscherdrang und Pragmatismus die Welt veränderten und so formten, wie wir sie heute kennen.

Zum Seitenanfang

Eure Meinung:

Durch einen Wechsel der Kommentarfunktion unterscheiden sich diese Einträge von neueren.

Anzeige: 1 - 1 von 1.

Ralf
Sonntag, 22. Januar 2012 11:59 Uhr
Ich finde ihn großartig!

Zum Seitenanfang

Platzhalter

DVD:

Die großen Fragen der Wissenschaft

6-teilige Serie, UK 2010

Darsteller: Michael Mosley

Format: Dolby, PAL

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

Anzahl Disks: 2

FSK: Ohne Altersbeschränkung

Studio: Polyband & Toppic Video/WVG

Erscheinungstermin: 27. Januar 2012

Spieldauer: 360 Minuten (6 x 60 min)

ASIN: B005XSCGOC

Erhältlich bei: Amazon


Platzhalter
Platzhalter
zuletzt aktualisiert: 28.08.2019 20:06 | Users Online
###COPYRIGHT###