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Der Schrecksenmeister von Walter Moers

Rezension von Nadine Dilger

 

Gottfried Keller wird wohl jedem ein Begriff sein – viele werden vielleicht in der Schule das ein oder andere Werk von ihm gelesen haben und ihn seitdem verfluchen. Bei Der Schrecksenmeister von Walter Moers, der sich darin an Gottfried Kellers Spiegel das Kätzchen orientiert hat, handelt es sich allerdings nicht um langweilige Schullektüre.

 

 

Echo ist eine Kratze. Sein ganzes Leben verbrachte er bei seinem Frauchen, einer alten Frau, die kürzlich verstorben ist. Seitdem lebt Echo auf den Straßen der Stadt Sledwaya, weil die neuen Bewohner des Hauses seines Frauchens Kratzen hassen. Vergeblich versucht Echo, sich allein durchzuschlagen, was ihm aber nicht gelingt. Völlig abgemagert und dem Tode nahe wird er eines Tages von dem Schrecksenmeister Eißpin gefunden, der der Schrecken aller Bewohner von Sledwaya ist: er ist daran schuld, dass alle Bewohner der Stadt krank sind, da er den lieben langen Tag damit verbringt, neue Krankheiten zu kreieren und sie auf die Bewohner Sledwayas loszulassen.

Als Eißpin Echo sieht, schlägt er ihm einen schlimmen Vertrag vor: er rettet ihn vor dem Hungertod und füttert ihn bis zum nächsten Schrecksenmond mit allen Köstlichkeiten durch, dafür darf er am nächsten Schrecksenmond Echo töten um sein Fett auszukochen, das er für seine alchimistischen Experimente benötigt. Echo bleibt nichts anderes übrig und willigt in den Vertrag mit dem Schrecksenmeister ein.

Fortan wird Echo von Eißpin täglich mit allen möglichen kulinarischen Leckerbissen verwöhnt. Allerdings hat sich Echo noch nicht mit seinem nahenden Tod abgefunden und tut alles, um den Vertrag zu brechen. Alles, was er versucht, scheitert und der Schrecksenmond rückt mit jedem Tag näher…

 

 

Bei seinem neusten Buch Der Schrecksenmeister hat Walter Moers sich Gottfried Kellers Spiegel das Kätzchen geschnappt, um es in ein typisch zamonisches Märchen zu verwandeln. Da ich die Vorlage auch schon gelesen habe, konnte ich die beiden Werke gut miteinander vergleichen. Zwar ist Der Schrecksenmeister sehr nah am Original, weist aber auch einige neue Ideen auf.

 

Wer die restlichen Romane aus Zamonien kennt, wird wissen, dass Walter Moers ein Autor ist, der einen unerschöpflichen Vorrat an verrückten und abstrakten Ideen zu haben scheint. Und obwohl seine Ideen so verrückt sind, dass man sich schon fragt, wie man auf so etwas kommt, wirken sie einfach völlig realistisch.

Das ist auch bei Der Schrecksenmeister wieder der Fall, auch wenn es hier an den genialen Ideen ein wenig mangelt. Zwar findet sich ab und zu eine gute Idee, aber nicht so viele wie bei den anderen Zamonien-Romanen und teilweise wirken sie einfach etwas unpassend. Egal wie verrückt und abstrakt die Ideen von Walter Moers auch sind, er findet immer einen Weg, sie völlig glaubwürdig und sinnvoll zu verpacken, aber hier scheint das ein wenig nachzulassen.

 

Die einzigsten Charakter, die in Der Schrecksenmeister wirklich eine Rolle spielen, sind Echo, der Schrecksenmeister Eißpin und die Schreckse Izanuela. Zwar gibt es auch Nebencharaktere, die spielen aber in dem Buch kaum eine Rolle und scheinen nur als Lückenfüller zu dienen. Die Charaktere sind für die Handlung einfach nicht wichtig und wirken irgendwie Fehl am Platz. Charaktere wie der Schuhu Fjodor F. Fjodor, der ein Problem dabei hat, Fremdwörter auszusprechen und heimlich im Schornstein von Eißpins Schloss wohnt, ist war eine ganz lustige Idee, trägt aber kaum in irgendeiner Weise der Handlung bei. Auch die Ledermäuse spielen in dem Buch keine wirklich große Rolle und sind einfach nur nebensächlich. Das finde ich ein wenig schade, da normalerweise die Nebencharaktere in den Zamonien-Romanen nicht so lieblos gestaltet werden. Besser wäre es gewesen, wenn Walter Moers seine Aufmerksamkeit nicht nur Echo, Eißpin und Izanuela gewidmet, sondern auch die Nebencharaktere ein bisschen mehr durchdacht hätte.

 

Walter Moers’ Schreibstil ist außergewöhnlich und unverwechselbar. Er beschreibt alles sehr detailreich und originell und oft hat man das Gefühl, er beschreibt den Inhalt seines Kleiderschranks, so real wirken seine Geschichten durch seinen Schreibstil. Die Ausdrücke uns zahlreichen Vergleiche, die er benutzt, sind einfallsreich und hauchen der Geschichte umso mehr Leben ein. Der Schreibstil von Walter Moers ist zusätzlich noch sehr flüssig, sodass man beim Lesen sehr schnell vorankommt und das Buch regelrecht verschlingt.

 

Ein klein wenig schade fand ich an dem Buch, dass die Bilder diesmal nicht so zahlreich ausgefallen sind wie in seinen anderen Büchern. Bilder kommen in diesem Buch sehr selten vor. Nicht weiter schlimm, aber bei der ein oder anderen Kreatur oder Situation, die Walter Moers beschreibt, hätte ich mir eine Zeichnung gewünscht, um sich alles ein bisschen besser vorstellen zu können.

 

 

Fazit:

Der Schrecksenmeister ist ein gutes Buch, bei dem es sich lohnt, mal einen Blick darauf zu werfen. Fans der restlichen Zamonien-Bücher könnten eventuell ein bisschen mehr erwarten, aber dennoch wird man nicht von der Geschichte enttäuscht.

 

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Der Schrecksenmeister

Reihe: Zamonien

Autor: Walter Moers

Gebundene Ausgabe: 384 Seiten

Verlag: Piper Verlag GmbH (24. August 2007)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3492049370

ISBN-13: 978-3492049375

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 08.09.2007, zuletzt aktualisiert: 23.10.2018 17:57