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Das Buch von Eden von Kai Meyer

Rezension von Christian Lange

 

Bereits im Jahre 2004 erschien der Roman "Das Buch von Eden" von Kai Meyer als gebundene Ausgabe. Im September 2006 wurde der Roman als Taschenbuch erneut veröffentlicht. Für 9.95€ bekommt man dies, mit knapp 830 Seiten recht dicke, Buch.

Wie in der Originalausgabe zeigt das Cover einen Gemäldeausschnitt der Kreuzritter-Bibel umrahmt von einem stilisierten Gewächs. Der Titel passt nur bedingt zum Inhalt des Buches. Cover und Titel sind somit halbwegs passend zum Roman, aber nicht gerade mit viel Enthusiasmus ausgewählt.

 

Inhalt:

Im Jahre 1257 werden der Novize Aelvin, der ehemalige Ritter Corax und dessen Tochter Libuse in eine gefährliche Verfolgungsjagd hineingezogen. Söldner des Kölner Erzbischofs verfolgen Magister Albertus und eine junges Mädchen namens Favola. Diese trägt etwas Besonderes bei sich, die letzte Pflanze aus dem Garten Eden.

Während der Erzbischof die Pflanze in Köln haben will, möchte Albertus sie dorthin bringen, woher sie stammt und einen neuen Garten Eden auf Erden schaffen.

Eine gefährliche Reise mit gewissenlosen Verfolgern steht den Reisenden bevor.

 

Kommentar:

Historische Romane aus der Zeit des Mittelalters gibt es nicht wenige auf dem deutschen Buchmarkt. Das Thema findet viele Leser und so finden sich auch viele Autoren, die sich mehr oder weniger gekonnt über jenes Thema hermachen.

So auch Kai Meyer. Wie man seiner Homepage (http://www.kaimeyer.com) entnehmen kann, hat er bereits zahlreiche Bücher veröffentlicht, zu verschiedensten Themen. Nicht wenige davon werden als historisch-phantastisch bezeichnet.

Und so zählt auch dieser Roman zu diesem "Genre". Der Autor vermischt plausible historische Handlung mit mystischen Vorgängen, die nach modernem Verständnis wohl eher zur Fantasy gehören würden. Dies mag für viele Leser in Ordnung sein, aber wenn der Roman als rein historisch beworben wird, dann ist dies ein Etikettenschwindel, der zumindest einigen Lesern nicht gefallen wird.

Um so mehr, als Meyer seine phantastischen Ansätze nur wenig begründet in der Handlung einsetzt. Oft scheint es, als brächten seine mystischen Ideen keinen Beitrag zur Handlung, sondern seien nur zum reinen Selbstzweck oder Vergnügen des Autors vorhanden.

Die Handlung an sich ist recht klar und einfach gegliedert. Auch wenn sich die Reisegruppe unterwegs zeitweise trennt und es einen weiteren Handlungsstrang im Orient gibt, so kann man als Leser doch problemlos folgen. Selbst dann, wenn der Autor sich in langweiligen und für die Haupthandlung unwichtigen Szenen verliert.

Dies ist eigentlich das Hauptdilemma des Buches. Der Autor scheint kein Gefühl dafür zu haben, wann er Szenen unnötig in die Länge zieht. Kein Wunder, dass er so auf über 800 Seiten kommt. Bei einer sinnvollen Überarbeitung wäre das Buch sicher nur noch halb so dick.

Dabei soll aber nicht verschwiegen werden, dass der Autor durchaus ein lesbares Buch geschrieben hat. Der Text ist in einem guten Stil geschrieben und lässt sich flüssig lesen. Dies ist wohl vor allem der Routine eines Autors geschuldet, der bereits einige Bücher veröffentlicht hat. Nur ist Routine allein kein Garant für Qualität.

Einen historischen Roman macht unter anderem auch aus, dass man etwas über jene Zeit erfährt. Hier hat der Autor zweifellos recherchiert und sich auch Mühe gegeben, solche Informationen einzubauen, doch geglückt ist es ihm nur zum Teil. Ein echtes Lebensgefühl jener Zeit kann der Autor nicht vermitteln. Gern konzentriert er sich auf einzelne Aspekte jenes Zeitraums und verliert sich dann in der ausführlichen Darstellung. Etwas Historisches mitnehmen kann der Leser hier kaum.

Die Figuren des Autors sind zwar z.T. nicht die typischen Protagonisten, aber leider vertut er auch hier seine Chancen. Die Charakterisierung gelingt zwar halbwegs, doch handeln die Figuren später immer wieder außerhalb ihrer vorher beschriebenen Grenzen.

Viele Nebenfiguren bleiben blass oder kommen erst gar nicht aus den üblichen Klischees heraus.

Auch der Spannungsbogen des Buches funktioniert nicht. Da der Autor Szenen immer wieder unnötig lang zieht, verliert der Leser nach und nach das Interesse. Unnötige Nebenhandlungen, Handlungsstränge, die nicht vernünftig beendet werden und ein oberflächliches Finale bringen dem Leser hier keine Freude.

Am Ende des Buches steht ein Finale, bei dem man sich fragt, warum man dafür 800 Seiten lesen musste. Es scheint, der Autor stand unter Zeitdruck oder er hatte keine Lust mehr. Jedenfalls ist das Ende noch unbefriedigender, als es die Handlung schon über Strecken war.

 

Fazit:

"Manche von uns haben Lieblingsbücher, die sie nie gelesen haben. Manche sogar welche, die nie geschrieben wurden. Dies hier ist eines von meinen, und deshalb schreibe ich es auf." (Zitat Kai Meyer dem Roman vorangestellt).

Wenn der Autor dieses Zitat ernsthaft auf dieses Buch bezieht, dann sollte er die Liste seiner Lieblingsbücher vielleicht noch einmal überdenken.

"Das Buch von Eden" ist jedenfalls nur eine routiniert geschriebene Mischung aus Historie und ein wenig Fantasy, die sich auf über 800 Seiten in Langeweile verliert.

 

Eure Meinung:


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Das Buch von Eden

Autor: Kai Meyer

Broschiert: 820 Seiten

Verlag: Lübbe; Auflage: 1 (September 2006)

ISBN: 3404155459

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 16.10.2006, zuletzt aktualisiert: 21.10.2018 20:17