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Das blaue Portal von Peter Lancester

Reihe: Die Chroniken der Anderwelten Bd.1

Rezension von Stefan Sasse

 

Inhalt:

Hessen, zu Beginn der 1980er Jahre. Auf Burg Grauenfels lebt eine verschrobene Adelsfamilie – Vater Otto, Mutter Eusebia, Onkel Friedrich - , deren fünfzehnjährige Tochter Eva mit ihrem grünhaarigen Punkrockoutfit so gar nicht ins Bild passen will. Als eines Tages seltsame Mischwesen aus Mensch und Pferd im Weinkeller auftauchen und zudem Mittelhochdeutsch reden, kommt Bewegung in den fest gefahrenen Alltag. Die Tiere behaupten, aus einem Land namens Unterhessen zu stammen, wo Pferde grauenhaft unterdrückt und als Arbeitstiere missbraucht werden. Sie hofften, im legendären Land Grauenfels, wo die Pferde über die Menschen herrschen, ein besseres Leben zu finden. Doch bald müssen sie feststellen, dass Burg Grauenfels nicht das erhoffte Paradies darstellt.

Gleichzeitig erforscht die Familie die geheimnisvolle Treppe in die Tiefe, über die die Pferde in den Weinkeller gelangt sind. Sie scheint endlos in die Tiefe zu führen. Dort, über einen Kilometer tief im Erdinneren, befindet sich ein blaues Portal, das den Übergang in eine andere Welt ermöglicht – Unterhessen. Die Zeit dort scheint im Mittelalter stehen geblieben zu sein, und als ein Trupp der unterhessischen Garde versucht, zurückzuholen, was ihnen gehört, und das SEK intervenieren muss, fangen die Probleme erst richtig an…

 

Bewertung:

Auch, wenn die Geschichte anfangs klischeehaft wirken mag – sehr schnell wird klar, dass dem nicht so ist. Virtuos zeichnet der Autor ein detailliertes Bild der Charaktere, vereint gekonnt Stereotypen mit eigenen Ansätzen und schafft somit sympathische Figuren. Auch die Welt, die er entwirft, wird durch die – teilweise - Aufdeckung ihrer Geheimnisse plastischer und geheimnisvoller zugleich. Dabei vermeidet es Lancaster auch hier, sich in Klischees zu verrennen und nutzt diese, um den Leser irrezuführen. Was zuerst nach dem altbekannten Schema aussieht, wird bald zugunsten eigener Ideen durchbrochen und verblüfft so wiederholt den Leser. Gleichzeitig schafft der Autor es, die Spannung durchweg aufrecht zu erhalten. Auch das Fortschreiten der Zeit wird umgesetzt; während des ersten Romans allein vergehen drei Jahre, in denen sich viel tut. Zu Ende solcher Zeitsprünge bilanziert Lancaster dabei die Geschehnisse und klärt bisher unbereinigte Handlungsfäden auf. Klasse umgesetzt wurden auch die verschiedenen Erzählstränge: als Friedrich die Tagebücher seines Ahnen Wilhelm in die Hände fallen eröffnet der Autor gleich einen weiteren Strang, der die Geschichte Wilhelms mit liebenswerten und spannenden Details versetzt erzählt.

Der Schreibstil selbst bleibt dabei immer flüssig und gut zu lesen, so dass hier außer lobenden Worten nichts mehr zu sagen bleibt.

Die Ausstattung des Buchs ist gut gelungen; Absätze beginnen mit einem großgeschriebenen, kunstvoll verschnörkelten Anfangsbuchstaben, was dem Flair sehr entgegen kommt, und das Cover hält sich tatsächlich an den Inhalt und die Beschreibungen des Buches und bildet sie entsprechend ab (für DSA-Veteranen: Verantwortlich für die Gestaltung zeigte sich kein Geringerer als Ugarcan Yüce). Informationen über den Autor samt Porträt fehlen genauso wenig wie ein ironischer Warnhinweis für Vegetarier, dass der Einband Spuren von argentinischem Rindergelee enthalten könnte.

Der Preis ist mit fast 10 Euro zwar hoch angesetzt, aber die Qualität des Buchs lassen ihn bezahlbar erscheinen. Und man weiß ja, dass die kleinen Verlage sich keine hohen Auflagen und damit Dumpingpreise leisten können…

 

Fazit:

Spannend, unkonventionell, witzig – ein Highlight der Fantasyliteratur.

 

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Titel: Das blaue Portal

Autor: Peter Lancester

Reihe: Die Chroniken der Anderwelten Bd.1

Verlag: Eldur Verlag

Format: broschiert

Umfang: 372 Seiten

ISBN: 3937419012

Erscheinungsdatum: Oktober 2004

Erhältlich bei: Amazon

 

weitere Infos:


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Erstellt: 19.08.2005, zuletzt aktualisiert: 12.11.2017 17:52