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Autorenträume, herausgegeben von Petra Hartmann & Monika Fuchs

Rezension von Christel Scheja

 

Autoren entführen ihre Leser bei der Lektüre eines Textes in eine andere Welt, wecken in ihnen Träume oder Sehnsüchte oder stillen letztere für einen Moment. Monika Fuchs und Petra Hartmann wissen das als Verlegerin und Autorin nur zu genau?

Doch wie sieht es in den Schriftstellern selbst aus? Aus der Frage, die sie sich stellten wurde eine Ausschreibung. Die Anthologie „Autorenträume“ ist das Ergebnis und präsentiert die ungewöhnlichsten Visionen der schreibenden Zunft.

 

Über 50 Autoren sind in der Sammlung vertreten. Unter dem Buchdeckel versammeln sich aber nicht nur autobiographische Geschichten, in denen besonders verrückte Erlebnisse geschildert werden, es gibt auch Essays, Satiren und nicht zuletzt Gedichte, die den Autorenalltag aufs Korn nehmen.

Provokativ setzt sich Hanrei Wolf Käfer mit dem Thema auseinander und schildert seine eigenen Ansichten über Träume, Rückschläge und Aussichten auf dem großen, heiß umkämpfen Markt, bleibt dabei aber sich selbst und seiner Kunst treu.

Viele junge Autoren verlassen sich heute auf einen Agenten, Arthur Rosenstern macht mit seiner augenzwinkernden Geschichte „Mein Agent“ darauf aufmerksam, dass inzwischen auch Menschen mit unlauteren Absichten, diese Geldquelle entdeckt haben.

Was braucht es mehr als „Eine zündende Idee“? Elisabeth Blum spielt mit den nicht von der Hand zu weisenden Phantasien ihrer fiktiven Autorin Susanne. Hand aufs Herz, wer hatte sie nicht selbst schon?

Andere Geschichten beschäftigen sich mit dem langen Warten auf die Antwort, wenn erst einmal das Manuskript bei einem Verlag eingereicht wurde, mit den Geistesblitzen, die einen überkommen und aufgeschrieben werden wollen – nur wo ist in diesem Moment der lebenswichtige Block, der Stift zum Schreiben?

Wie sieht es mit dem Schreibprozess selbst aus? Gibt es Momente, in denen es nur den Autoren und den Text gibt und alles andere unwichtig erscheint? Und was passiert, wenn das unangenehme Erwachen kommt, wenn wieder einmal eine Standardabsage ins Haus flattert oder sogar mehr? Manchmal können Autoren dadurch vielleicht auch zu mordlustigen Psychopathen werden ... zumindest in ihrer Phantasie – oder?

 

Die mehr als fünfzig Texte geben einen interessanten Einblick in die Gedankenwelt der Autoren. Tatsächlich ist es den Herausgeberinnen gelungen eine kurzweilige Anthologie mit abwechslungsreichem Inhalt zusammenzustellen, in denen das Heischen nach Mitgefühl oder Selbstbeweihräucherung keinen Platz haben.

Tatsächlich sehen die meisten der vertretenen Autoren das Thema mit einer gewissen Distanz oder nehmen es mit Humor. Besonders schwarzhumorig ist die Geschichte, in der eine frustrierte Autorin alle diejenigen aus dem Weg räumt, die ihrem Erfolg im Wege stehen, beginnend mit der Lektorin bis hin zu den eigenen Verwandten.

Vor allem die Essays schlagen einen ernsteren Ton an, berichten sie doch gelegentlich von den unangenehmen Erfahrungen, mit denen man leben muss, wenn man seine Texte bei Verlagen einreicht.

Wer selbst schreibt und veröffentlicht wird sich in dem ein oder anderen Text wiederfinden können. Mal kann man die Aussagen einfach nur bejahen, dann wieder wird einem der Spiegel vorgehalten – mit der Gewissheit mit diesen Gedanken nun wirklich nicht alleine zu sein, wenn Kritiken, Kommentare oder gar kommerzieller Erfolg ausbleiben. Alles in allem gibt es keine Geschichte, kein Gedicht oder Essay, die fehl am Platz sind. Auch wenn man sich vielleicht nicht von allem gleichermaßen angesprochen fühlt – es gibt immer Texte, mit denen man sich am meisten identifizieren kann oder der den Nagel auf den Kopf trifft.

Das machen die beiden Herausgeberinnen in ihrer Einführung deutlich, in dem sie auch vom Verlauf der Ausschreibung erzählen, genauso wie es Tanja Kinkel in ihrem Vorwort zusammenfasst.

So kann die Anthologie nicht nur bestätigen, sondern auch trösten, denn die wenigsten Autoren, die in dieser Sammlung vertreten sind, sind wirklich erfolgreich und verdienen ihren Lebensunterhalt allein mit dem Schreiben. Gemeinsam ist allen nur eines – die Lust und der Drang, seine Gedanken niederzuschreiben.

 

„Autorenträume“ hält mehr als der Titel verspricht, denn die Anthologie bietet viele verschiedene Geschichten in denen so facettenreiche wie vielschichtige Phantasien und Visionen zu finden sind. Mal ernst und nachdenklich, oft genug aber auch heiter und satirisch verraten sie von der Innenwelt ihrer Autoren. Die Sammlung dürfte so vor allem die Leser anrühren und faszinieren, die selbst schon einmal geschrieben haben oder schreiben. Wollen.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Autorenträume

Herausgeberinnen: Petra Hartmann und Monika Fuchs

Taschenbuch, 333 Seiten

Verlag Monika Fuchs, Mai 2013

Titelbild und Innenillustrationen: Monika Donkervoort

 

ISBN-10: 3940078530

ISBN-13: 978-3940078537

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 03.08.2013, zuletzt aktualisiert: 10.08.2018 17:24