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Ein spezial gelagerter Sonderfall

Das Phänomen »Die drei Fragzeichen«, anlässlich des neuen Kinofilms »Das Geheimnis der Geisterinsel«

 

von Markus Mäurer

 

Im Hintergrund hört man das metallene Klappern von Schrottplatzarbeit. Ein Papagei posaunt munter drauf los, ein sportlicher Junge ruft: „Halt den Schnabel, Blacky!“. Im nächsten Moment klingelt das Telefon, ein pummeliger Junge mit entschlossener Stimme hebt den Hörer ab, meldet sich mit den Worten, „Justus Jonas, von den drei Detektiven.“, und leitet damit einen neuen Fall für „ Die drei Fragezeichen“ ein. Willkommen in Rocky Beach. Willkommen in abertausenden von Kinderzimmern in ganz Deutschland.

Vor 28 Jahren war es soweit, und die Ermittlungsarbeiten der drei Juniordetektive schallten zum ersten Mal durch die Kinderzimmer der Nation. Damit war ein Kulturphänomen geboren, das bis heute Millionen Deutsche in ihren Bann zieht.

Doch eigentlich begann alles schon viel früher.

 

Die Buchreihe

1964 veröffentlicht der amerikanische Schriftsteller Robert Arthur im Random House Verlag „The Three Investigators in The Secret of Terror Castle“. Eine spannende und gruselige Geschichte über die drei Nachwuchsdetektive Jupiter Jones, Peter Crenshaw und Bob Andrews, die versuchen das Geheimnis eines vermeintlich leer stehenden Geisterschlosses zu ergründen. Doch der eigentliche Geniestreich Robert Arthurs war es, Alfred Hitchcock als werbeträchtiges Zugpferd einspannen zu können. Hitchcock stellte seinen Namen und sein markantes Profil zu Verfügung, und trat als angeblicher Erzähler der Geschichten auf, der seine Leser in den Büchern auch direkt ansprach.

Der Erfolg dieses Konzeptes blieb auch in Deutschland nicht lange unentdeckt, und so veröffentlichte die Stuttgarter Franckh'sche Verlagshandlung bereits 1968 die deutsche Übersetzung „Das Gespensterschloß“.

Die Künstlerin Aiga Rasch übernahm die – bis heute beibehaltene – auffallende Gestaltung des Covers, das sich vor allem durch den schwarzen Rahmen, das zu Geschichte passende Bild und die drei unterschiedlich gefärbten Fragezeichen auszeichnet.

Bis heute erschienen insgesamt 138 Buchfolgen der beliebten Serie in Deutschland. In Amerika waren es nur 54. Nach „Fatal Error“ („Angriff der Computerviren“) war dort 1991 Schluss.

Doch in Deutschland bewog der anhaltende Erfolg der Serie – zu dem die Hörspieladaption sicher maßgeblich beigetragen hat – den inzwischen in Franckh-Kosmos umbenannten Verlag, die Serie fortzusetzen. 16 Folgen – die von vielen Fans als qualitativen Tiefpunkt der Serie angesehen werden – entstanden unter der Feder von Brigitta-Johanna Henkel-Waidhofer.

Erst mit dem Einstieg von André Marx als Autor in die Serie, ging es ab der Folge 73 „Poltergeist“ wieder aufwärts mit der Qualität der Geschichten. Obwohl es im 100 Bereich der Folgen noch einige qualitative Tiefpunkte gab, konnte die Serie vor allem ab Folge 102 „Doppelte Täuschung“ ein durchschnittlich, recht hohes Niveau halten. Was zuletzt nicht den vier aktuellen Autoren Ben Nevis, Marco Sonnleitner, Astrid Vollenbruch und allen voran André Marx zu verdanken ist. Auf den zur Zeit bestehenden, unsäglichen Rechtstreit werde ich später noch eingehen. Doch wollen wir uns zunächst dem Hörspiel zuwenden.

 

Das Hörspiel

„Hilfe! Hilfe!“ So begann das erste Hörspielabenteuer, das von sprechenden Papageien, einem goldenen Auto, mexikanischen Einwanderern, einem europäischen Kunstdieb und dem Gold vom Ende des Regenbogens handelte. Im Auftrag des von Peter Pasetti gesprochenen Alfred Hitchcock, starteten die, von Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich gesprochenen Detektive, ihre ersten Ermittlungen. Anders als die Buchreihe, begann das Hörspiellabel Europa ihre Reihe nicht mit der ursprünglich ersten Folge „Das Gespensterschloß“ sondern mit der Folge „Der Superpapagei“.

Wie viele andere, begann auch bei mir das „Die drei Fragezeichen Fieber“ mit den Hörspielen. Auch ich war ein Kassettenkind, wie uns die Autorin Annette Bastian in ihrem Buch „Das Erbe der Kassetttenkinder“ beschreibt. „Die fünf Freunde“, „TKKG“ und eben „Die ???“ hatten einen maßgeblichen Anteil an der Gestaltung meiner Kindheit. Den Rollladen runter, das Licht aus, ab unter die Bettdecke, und schon ging es los. In Zeiten mit drei Fernsehprogrammen, ohne Video und Computerspiele und ohne Internet, brauchte es nicht mehr als ein paar Stimmen aus einem billigen Kassettenrecorder um mich in eine andere Welt zu beamen.

Das war vor 20 Jahren, der Beginn des ersten „Drei-Fragezeichen-Phänomens“. Vor 15 Jahren verschwanden die Kassetten dann auf dem Speicher – zum Glück nicht auf dem Flohmarkt. Denn vor 10 Jahren begab ich mich auf eine archäologische Ausgrabungstour, die auf meinem Speicher – zwischen Unmengen von Spielsachen, Comicheften und alten Fotoalben stattfand, und mit dem Fund der altbekannten und lange verschollenen schwarzen Kassetten endete. Ich war, trotz meiner 18 Jahre, wieder zurück in meiner glücklichen Kindheit. Das war der Beginn des zweiten „Drei-Fragezeichen-Phänomens“. „Scheinbar“ erwachsene Menschen, die zum Unverständnis ihrer Mitbürger, plötzlich wieder voller Begeisterung Kinderhörspiele hören. Dass ich da kein Einzelfall bin, zeigte z. B. eindrucksvoll der Live Auftritt der Drei Fragezeichen vor 12.000, zum größten Teil volljährigen, Zuschauer in der Live Arena in Hamburg.

Die drei markanten Sprecher Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich, die inzwischen alle erfolgreich in der Synchronbranche arbeiten, haben sicher nicht unmaßgelblich an diesem Phänomen Schuld. Hinzu kommen kultige Nebenfiguren, wie, Skinny Norris, Kommissar Reynolds, Morton, Onkel Titus und Tante Matilda. Figuren mit denen wir groß geworden sind, und die wir nun nicht mehr missen wollen. Es ist auch eine Rückkehr in die Geborgenheit und Einfachheit der Kindheit, die wir mit jedem Mal mit dem wir auf den Play Knopf drücken vornehmen.

Es hat sich viel verändert in den letzten 28 Jahren. Alfred Hitchcock ist verstorben, ebenso wie sein Sprecher Peter Passetti. Auch Horst (Kommissar Reynolds) Frank ist von uns gegangen. Die Musik hat sich verändert. Carsten Bohns fetzige Jazzmix ist nach Rechtsstreitigkeiten einer, teilweise grenzwertigen, Retortenmusik gewichen. Und die „Drei Fragezeichen“ heißen jetzt nur noch „Die Drei“. Doch dazu am Schluss dieses Artikel mehr. Ich möchte dem Leser die Lust am lesen nicht schon in der Mitte verderben.

 

 

Die Fans

„Die drei Fragezeichen“ haben sich zu einem Kulturphänomen entwickelt, dessen Erfolg seines gleichen sucht. Verantwortlich sind dafür vor allem die Fans, die der Serie seit Jahrzehnten die Treue halten. Wer sich über die reichhaltigen Fanaktivitäten genauer informieren möchte, sollte auf der Fanpage Nr. 1 www.rocky-beach.com vorbeischauen. Dort gibt es nicht nur reichhaltige Informationen über die offiziellen „Die drei Fragezeichen Produkte“, sondern auch unzähliges von den Fans selber produziertes Material. Es gibt Fanstories, Fanhörspiele, Fanfilme, alternative Cover sowie zahlreiche weitere kreativ gestaltete Fanprodukte.

Rund um die Serie der drei Detektive ist eine lebhafte und kreative Community entstanden die weit über normales Konsum- und Fanverhalten hinausgeht. „Die drei Fragezeichen“ sind zu einer Lebenshaltung geworden.

 

Die Geisterinsel

Dieses Buch beginnt mit einer Warnung. Lesern die leicht die Nerven verlieren wenn es um Abenteuer, Gefahr und Hochspannung geht, wird von der Lektüre des Buches abgeraten. Ob diese Warnung berechtigt ist, verrate ich noch nicht. Aber wer sie ausspricht. Denn das ist niemand geringeres als Albert Hitfield. Der berühmte Pate und Auftrags….. Moment, Albert wer? Albert Speer, Albert Schweitzer sind mir ja ein Begriff, aber Albert Hitfield. Um hinter das Geheimnis dieses Namens zu kommen, braucht es schon detektivischen Spürsinn. Albert Hitfield, A. H….. A. H., Aha, Alfred Hitchcock. Hier hat doch jemand die Namen vertauscht. War es nicht immer das markante Portrait des berühmten Regisseurs, das auf den Büchern prangte. War es nicht Alfred Hitchcock, der den Drei Fragezeichen die ersten Aufträge gab.

Ja, das war er. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, zu dem der Kosmos-Verlag die Rechte an dem bekannten Namen verlor. Da musste Ersatz her. Also nahm man, den ebenfalls die Initialen A. H. tragenden Albert Hitfield, einigen aus den Folgen „Das Narbengesicht“ und „Das leere Grab“ bekannt. Also, einfach immer Alfred Hitchcock denken, wenn Albert Hitfield geschrieben steht, und schon kann es mit dem Abenteuer losgehen.

 

Die Drei Fragezeichen erhalten von einem berühmten Regisseur, dessen Namen wohl jeder kennt, den Auftrag, eine Filmcrew bei den Dreharbeiten zu einem Actionfilm auf einer Atlantikinsel zu unterstützen. Peters Vater hilft dort bei dem Aufbau einer Achterbahn, die für die Endszene eine bedeutende Rolle spielen soll. Doch die Dreharbeiten werden sabotiert. Und hier kommen die drei Detektive ins Spiel. Getarnt als Taucher sollen sie der Sabotage auf den Grund gehen und das Geheimnis der Geisterinsel lösen. Besagte Geisterinsel ist der Ort der Dreharbeiten. Auf ihr kommt es zu mysteriösen Erscheinungen, von denen sich die drei Freunde bei ihrer stürmischen Ankunft selber überzeugen können.

Es gibt ein Karussellgespenst, zwielichtige Gestalten die die drei Kollegen in Gefahr bringen, einen sympathischen griechischen Jungen, der von allen für einen Dieb gehalten wird, einen alten Piratenschatz und verschwundene Diebesbeute. Genug Zutaten für eine spannende Abenteuergeschichte, die aber über reinen Actiongehalt hinausgeht. Der junge Leser kann auch eine Menge lernen. Übers Segeln, tauchen und über die Macht von Vorurteilen.

 

Robert Arthur weiß wie man ein gutes Jugendbuch schreibt, und er tut es auch. Mit Hilfe der oben genannten Zutaten führt er den Leser durch die abenteuerliche Welt der drei Detektive, die stets vorbildlich nach bestem Gewissen und höchsten moralischen Grundsätzen handeln. Auch wenn sie mal in Lebensgefahr kommen, gibt es kaum Gewalt in diesem Buch. Nur gerade genug um die Spannung aufrecht zu halten. Der stets kluge und manchmal auch neunmalkluge Justus Jonas agiert dieses Mal, dank einer Erkältung, etwas angeschlagen, was eine willkommene Abwechslung ist, da dies seinen beiden Kollegen mehr Raum zur Entfaltung gibt. Völlig vorurteilsfrei gehen sie mit dem Griechen Chris auf Schatzsuche, und erleben das gefährlichste Abenteuer, fast, ganz ohne ihren ersten Detektiv.

Zwischendurch meldet sich immer wieder mal der Erzähler zu Wort, und regt seine Leser zum Nachdenken und Mitermitteln an.

Einzig das etwas lahme Gespenst trübt den Spaß an der Geschichte, da der Grusel, den der Titel verspricht, nicht so recht aufkommen will.

„Die Geisterinsel“ ist zwar nicht der beste „Die drei Fragezeichen“ Geschichte, gehört aber als Klassiker meiner Meinung nach in die Top 20.

 

Die Geisterinsel – Das Hörspiel

Wie in den anderen ersten 59 Hörspielfolgen, schrieb der legendäre H.G. Francis das Hörspielskript, das unter der Regie, der bis heute aktiven, Heikedine Körting umgesetzt wurde. Zu den drei Hauptsprechern erübrigt sich wohl jeder Kommentar, sie sind einfach Kult. Doch auch in den Nebenrollen ist dieses Hörspiel perfekt besetzt. Volker „Michael Douglas“ Brandt als Kommissar Nostigan, Gottfried Kramer als „Farraday“, und Joachim Wolf als „Sam“ liefern hier eine Glanzleistung ab. Positiv ist auch, dass Chris Markos hier – anders als im Buch – zwar mit Akzent, aber grammatikalisch richtig spricht. Es hätte anders sicher sehr albern geklungen.

Die Geräuschkulisse der, mal stürmenden, mal ruhigen See vermittelt dem Hörer, den Eindruck, selber auf einem schwankenden Schiff zu sein, nur ohne Seekrankheit.

Einziges Manko der Hörspieladaption ist, dass die spannendste Szene des Buches komplett fehlt.

 

Das Geheimnis der Geisterinsel – Der Film

43 Jahre hat es gedauert, bis die drei Detektive auf der großen Leinwand endlich (manch alter Fan würde leider sagen) ermitteln durften. Von der deutschen Produktionsfirma Studio Hamburg produziert, vom deutschen Regisseur Florian Baxmeyer inszeniert und in Südafrika als internationale Produktion in englischer Sprache verfilmt, hat sich der Film großes vorgenommen. An den Wurzeln der Drei Fragezeichen wollte man sich orientieren, nah am Original aber doch für ein breites und vor allem junges Publikum gedacht. Die Auswahl der Vorlage („Die Geisterinsel“) überraschte, ist sie doch im Vergleich zu andern Klassikern eher unspektakulär und lange nicht so kultig. Dass haben auch die Drehbuchautoren – vier an der Zahl – gemerkt. Die Handlung wurde kurzerhand von einer amerikanischen Atlantikinsel nach Südafrika verlegt – hier ließ es sich auch billiger drehen. Aus dem griechischen Einwanderersohn wurde ein afrikanisches Mädchen, aus dem Gentlemanganoven Viktor Hugenay – der in dieser Vorlage überhaupt nicht vorkommt – ein skrupelloser und brutaler Gangster und aus der Filmproduktion, der einfache Bau eines Vergnügungsparks. Sie merken schon mit der Originaltreue ist es nicht weit her. Aber wie sieht es denn mit dem Wichtigsten aus, den drei Hauptdarstellern. Justus, der im Film zwar als Pummelchen bezeichnet wird, ist gertenschlank und Bob würde einen Ähnlichkeitswettbewerb mit dem Sams oder einem irischen Kobold gewinnen. Einzig Peter kommt den Beschreibungen in den Büchern ziemlich nahe.

Obwohl ich eines dieser Kassettenkinder bin, die mit den Dreifragezeichen aufgewachsen und eingeschlafen sind, und ich mich durchaus als ein Fan bezeichnen würde, bin ich ganz ohne Vorurteile und Befürchtungen in den Film gegangen, und habe die oben genannten Abweichungen vom Original einfach ignoriert. Ich werde sie auch in der folgenden Bewertung weitestgehend außen vor lassen.

 

Ein Aufzug rast mit ungebremster Geschwindigkeit auf die, unter ihm, gefesselt liegenden drei Detektive zu, und droht sie nach Justus Berechnungen, in genau 47 Sekunden zu zerquetschen.

Es ist ein rasanter Einstieg, der zeigt wo es langgehen wird. Actionreich wird es werden.

 

Nachdem wir einen kurzen Einblick auf den wirklich schön gestalteten Schrottplatz und die Zentrale erhascht haben, geht es schon per Flieger ab nach Südafrika. Also Rocky- Beach-Feeling ade. Egal, die spektakuläre Kulisse Südafrikas weiß zu beeindrucken. In dieser kommen die Drei auf Einladung von Peters Vater, mehr oder weniger überladen an, und fahren direkt zur – von außen sehr beeindruckend wirkenden - Geisterinsel. Hier soll der Vater von Peter, für eine reiche englische Lady, eine Achterbahn bauen - auf heiligem Stammesland. Die Konflikte sind also vorprogrammiert. Auf dem Weg zu einer Höhle lernen die Drei nicht nur den tollpatschigen und übereifrigen Sicherheitsmann Faraday kennen, sondern auch den zwielichtigen Führer Bill und den widerspenstigen schwarzen Häuptling Gamba, der auch prompt verhaftet wird, nach dem die reiche englische Lady von einem „Monster“ angegriffen wurde. Chris, die flinke und hübsche Tochter von Gamba, engagiert die Drei Fragezeichen um die Unschuld ihres Vaters zu beweisen. Und ehe sie sich versehen, wird aus dem wohlverdienten Urlaub, ein neuer Auftrag für die drei Detektive, der sie auf die Spur eines alten Schatzes, eines verborgenen Grabes und einer verlorenen Liebe bringt.

 

Es sind alle Grundzutaten für ein spannendes Abenteuer vorhanden, und die jungen Darsteller der drei Fragezeichen liefern eine tolle Leistung ab. Trotzdem will mir der Film nicht so richtig gefallen. Es sind viele Kleinigkeiten, die ein unstimmiges Ganzes ergeben. Da es sich um einen Kinderfilm handelt, will ich jetzt nicht zu sehr auf Logikfehlern rumreiten, frage mich aber schon, warum ein Franzose den gesamten Film akzentfreies Deutsch (Englisch) spricht, nur um nach seiner Enttarnung plötzlich wieder in eine französischen Akzent zu verfallen. Lässt man die Logik aber weg, hat man ein rasantes und spannendes Abenteuer mit ein bisschen Rätselspaß und einem Hauch Romantik, der den kleineren Zuschauern durchaus gefallen wird.

Alteingesessene Drei-Fragezeichen-Fans dürfte es schwere fallen, sich von dem Film unterhalten zu lassen, aber auch allen anderen Erwachsenen. Negativ aufgefallen ist mir auch noch die Gleitschirmszene, deren Bluescreentechnik wie aus den 60er Jahren wirkte. Das sieht für eine internationale Produktion doch ziemlich Billig aus, und wird dem ansonsten gut ausgestatteten und produzierten Film nicht gerecht.

 

Die Merchandise-Lawine

Die Produzenten des Films habe sich nicht nur wegen der spannenden Geschichten für die Drei Fragezeichen entschieden, sondern wegen ihrer Beliebtheit und ihrer großen Fangemeinde. Den mit so etwas ist eine Menge Geld zu machen. Das bedeutet mit dem Kinostart des Films ist eine riesige Merchandise-Lawine in Gang geraten, die allerlei mehr oder weniger nützliches Zeugs mit sich bringt. Da wären: Das Buch zum Film, das Brettspiel, das Handygame, die Stickerkollektion, das Konsolenspiel (Nintendo DS) und das Hörspiel zum Film. Ich möchte an dieser Stelle nur ganz kurz auf die beiden traditionellen Drei Fragezeichen Medien eingehen.

 

Das Buch zum Film

Bücher zu Filmen gibt es viele, und auch dieses fällt da nicht aus der Reihe. Die Autorin Sophie Matuschka hat das Drehbuch des Films in routinierter Weise in eine konventionelle und durchschnittliche Buchform gebracht. An einigen Stellen merkt man, dass der Film von der ursprünglichen Drehbuchfassung abweicht. Dieses Buch wurde sicher vor Ende der Dreharbeiten geschrieben. Aber im Großen und Ganzen, ist es eine 1:1 Umsetzung des Films. Wer diesen gesehen hat, braucht das Buch nicht mehr zu lesen. Einzig der Konflikt, zwischen den drei Detektiven und Peters Vater wird hier etwas ausführlicher behandelt. Das Buch ist nur für Leute interessant, die keine Möglichkeit haben ins Kino zu gehen.

 

Das Hörspiel zum Film

Für das Hörspiel hat man einfach die Tonspur des Films auf CD kopiert und einen Erzähler eingefügt. Man erlebt also den Film nur ohne Bilder. Interessant für diejenigen, die vom Film begeistert sind, und ihn zu Hause noch einmal mit eigenen Bildern im Kopf erleben wollen. Ich habe solche Umsetzungen als Kind gemocht. Aber eigentlich ist sie nichts anderen als eine weitere Ausschlachtung des Goldesels und kein weiteres Wort wert.

 

Der Rechtsstreit oder die Spur ins nichts

Jahr für Jahr brachte der Kosmosverlag neue Drei Fragezeichenbücher heraus. Jahr für Jahr hat Europa diese Bücher als Hörspiel umgesetzt. Der anhaltende Erfolg der Serie bestätigte die Wirksamkeit dieser Praxis. Die beiden Verlage haben den Kuchen unter sich aufgeteilt, die Fans hatten ihre Bücher und Hörspiele und waren glücklich. Bis im Jahr 2005 das Buch „Spur ins Nichts“ von Andre Marx erschien. Der Titel sollte sich als prophetisch erweisen, denn von nun an führte die Spur tatsächlich ins Nichts. Die Spur neuer Hörspiele. Es erschienen plötzlich keine mehr. Es hieß „Spur ins Nichts“ sei bereits aufgenommen worden, doch trotz Ankündigung ist es bis heute nicht mehr erschienen. Grund dafür ist ein so verworrener und komplizierter Rechtsstreit, der für Außenstehende kaum noch nachzuvollziehen ist. Deshalb versuche ich es auch gar nicht, sondern skizziere nur ganz grob was seit 2005 passiert ist. Wer mehr wissen will, kann auf der Fanpage www.rockybeach.com eine detaillierte Chronologie der Ereignisse nachlesen.

 

Von SonyBMG – dem Hörspiellabel der Drei Fragezeichen – hieß es zunächst nur, sie würden eine kreative Pause machen. Man wolle neue Marketingstrategienentwickeln, um einen langfristigen Erfolg der Serie zu sichern. Danach herrschte von Seiten der Macher großes Schweigen, und auf Seiten der Fans brodelte die Gerüchteküche. Bis 2006 die Bombe platzte. SonyBMG gab bekannt, dass Hörspiele unter einem neuen Titel erscheinen würden – „Die Drei“. In der offiziellen Version hieß es, man habe sich die Rechte an den zehn Originalstories von Robert Arthur gesichert und man kehre nun zur Basis der „Three Investigators“ zurück. Justus hieß plötzlich auch in Deutschland Jupiter, Peter mit Nachnamen Creenshaw und die Visitenkarte der drei Detektive – die mit ihren drei Fragezeichen ja immerhin ihr Markenzeichen wahr – wollte niemand mehr sehen. Damit war es geschafft, die Fangemeinde wurde endgültig gespalten. Gab es bis dahin nur die „Früher war alles besser Fraktion“ (Also die ersten 30 Folgen) und die „die neuen Folgen sind auch in Ordnung Fraktion“ kam nun auch noch die „super, Die Drei sind näher am Original dran Fraktion“. In den Internetforen entwickelten sich hitzige und teils ausfallende Diskussion, welche Serie die bessere sei. Es sei angemerkt, dass Kosmos ja während des gesamten Rechtsstreites weiter fleißig Bücher veröffentlicht hat.

 

Nach Ankündigung der eigenständigen Hörspielreihe von SonyBMG hat sicher ein teils offener, teils versteckter Schlagabtausch zwischen den beiden Seiten entwickelt, der vor Gericht geendet ist. Inzwischen wurden schon mehrere Gerichtsverhandlungen vertagt und ein Ende des Rechtsstreites und der hörspielfreien Zeit ist nicht in Sicht. Denn „Die Drei“ entpuppten sich nach sieben veröffentlichten Hörspielen als Luftnummer deren Spur nun auch ins Nichts führt.

 

Auf Grund der vertrackten Situation ist es schwierig einer der beiden Parteien die Schuld zu zuschieben. Also gebe ich sie einfach beiden (das ist natürlich nur meine persönliche Meinung). Denn bei den ganzen Rechtsstreitigkeiten – die vor allem aus Profitgründen geführt werden – bleiben als erstes die Fans auf der Strecke, die mit unterschiedlichen Bewältigungsstrategien auf den Hörspielentzug reagieren. Ich habe mich inzwischen, den qualitativ auf einem hohen Niveau produzierten, Hörspielen von „Point Whitmark“ gewidmet, und je mehr gute Folgen ich davon höre, desto weniger vermisse ich die Stimmen der drei Detektive aus Rocky Beach. Das sollte den Streitparteien doch zu denken geben. Denn je länger sie sich streiten, desto weniger hört man ihnen zu, bis sie irgendwann in Vergessenheit geraten. Aber vielleicht siegt die Vernunft ja doch irgendwann, und es tönt dann wieder aus den Kassettenrecordern: „Kommt Kollegen, Taschenlampen an, ein neuer Fall für die Drei Fragezeichen“.

 

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Erstellt: 27.11.2007, zuletzt aktualisiert: 15.09.2019 17:26