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Diener des Dunklen Hirten von Bernd Rümmelein

Reihe: Kryson Bd. 2

Rezension von Diane Hegmann

 

Rezension:

Die Schlacht am Rayhin wurde geschlagen und hat viele Opfer gefordert, deren Blut die Erde Krysons tränkt. Die vielen Erschlagenen haben das Wasser des Flusses vergiftet und eine Seuche breitet sich unaufhaltsam in den Klanlanden aus. Zu allem Überfluss erwartet den siegreichen Bewahrer Madhrab und die heilkundige Orna Elischa, die gegen alle bestehenden Ordensregeln Liebe füreinander empfinden, ein Zuhause, dass von Intrigen und mörderischen Attentaten zerrüttet ist. So werden Madhrab zahlreiche Kriegsverbrechen vorgeworfen und er soll in den Kerkern im Hause des Ordens schmoren. Derweil hat das Blutopfer der Schlacht ausgereicht, um den Dunklen Hirten zu erwecken, der seine Diener, die Saijkalrae, um sich scharrt und die zweite Sonne Krysons verdunkelt, sodass eine Zeit der Dämmerung bevorsteht und das Gleichgewicht empfindlich stören könnte. Sapius, der sich den Saijkalrae entsagt und seine Kräfte in der freien Magie gefunden hat, zieht in seine Heimat, um Rat bei seinem Volk zu suchen, denen er einst den Rücken kehrte. Er ist der festen Überzeugung, dass er mit der Erweckung des Weißen Schäfers, dem Gegenstück des Dunklen Hirten, das Gleichgewicht wieder herstellen kann.

Allein wird er dieses Unterfangen allerdings nicht bewältigen können, und so folgt er einer alten Prophezeiung, die die Geburt der mächtigen Lesvaraq, den Bewahrern des Gleichgewichts, vorhersagt und zudem Auskunft über mächtige Gefährten gibt, sie ihm behilflich sein können. Doch die haben ihre ganz eigenen Probleme und müssen sich sowohl gegen die Schergen des Dunklen Hirten, als auch um andere unangenehme Kontrahenten zur Wehr setzen.

 

„Kryon, Diener des Dunklen Hirten“ schließt nahtlos an seinen Vorgänger „Kryson, Die Schlacht am Rayhin“ an. Wie die Verzweigung eines Baumes, so verläuft der rote Faden, der sich im ersten Band hauptsächlich auf die finale Schlacht beschränkte, in mehrere Erzählstränge, die letztendlich aber wieder einen gemeinsamen Nenner finden – dies wird dem vorerst ahnungslosen Leser von Seite zu Seite immer klarer. Es ist kaum möglich, alle Handlungen und Parallelstränge in einer einzigen Inhaltsangabe zusammen zu fassen. Vielmehr wäre es sinnvoll, die Geschichte einer jeden einzelnen Figur zu erzählen, um vielleicht ansatzweise ein Bild von der umfangreichen Geschichte zu machen, aber das wäre andererseits definitiv zu umfangreich. Dennoch gibt es natürlich ein Ziel, worauf alles hinaufläuft: Die Veränderung Krysons und das Schicksal seiner Völker. Während des Lesens wird man wie ein Ball hin und her geworfen und kann trotz der umfangreichen Kenntnisse nicht erahnen, wie die Geschichte ihren Abschluss finden wird. Zu loben ist daher die extreme Undurchsichtigkeit: Sowohl die des Handlungsplots, als auch die der einzelnen Charaktere. Zum Teil kann man als „allwissender Leser“ einige Dinge vorhersagen, die Meisten bleiben einem trotzdem verborgen und halten somit die Spannung aufrecht. Auch schafft es Bernd Rümmelein einzelne Handlungssträhne aus anderen Perspektiven (z.B. indem eine neue Figur davon berichtet) wiederzugeben, sodass man ein umfangreiches Gesamtbild erhält – aber auch zusätzlich gefordert wird, weil es schwer fällt zu beurteilen, auf welcher „Seite“ man nun persönlich steht.

Wie schon bei dem ersten Band erwähnt, so ist auch hier davon abzuraten, dass jugendliche oder „zart besaitete“ Leser zu diesem Buch greifen. Die Grenze der Gewaltdarstellungen ist ziemlich hoch angelegt, sodass man bei der einen oder anderen Szene schon einmal mit dem Lesen stoppen, tief Luft holen und inne halten muss. Auch sind die häufigen Ortssprünge zu den weit ausgefächerten Handlungen gewöhnungsbedürftig, obwohl diese Art des Erzählens immer häufiger in Erscheinung tritt. Geübte Leser dürften mit dem letztgenannten Punkt weniger Probleme haben, der erste sollte aber berücksichtigt werden.

 

Eine weitere angenehme Entwicklung von Band Eins zu Band Zwei ist, dass einem die Figuren nähergebracht werden. So schien es doch zu Beginn der Geschichte, dass es sich um die Protagonisten um sogenannte „Typen“ handelte – der Held, der Schurke, die Mitfühlende etc. Glücklicherweise hat sich dies im Laufe der Erzählung geändert, wenn auch nicht vollständig. Es ist eindeutig die Geschichte, die zum Weiterlesen auffordert, nicht die Schicksale einzelner Charaktere. So passiert es schon mal, dass der Leser nach einem Ortswechsel erst einmal neue Figuren kennenlernt und sie eine Weile begleitet, dann widmet man sich wieder einer vollkommenen anderen Situation und irgendwann, vielleicht 200 Seiten später, trifft man wieder auf den gebeutelten Einzelhelden, den man schon wieder in all dem „Trubel“ ganz vergessen hat. Eine besondere Nähe zu bestimmten Protagonisten entwickelt der Leser, der im Allgemeinen mit sich hader könnte, wen er denn nun als den persönlichen Favoriten auserkoren hat, demzufolge eher schwerlich.

Im Schreibstil unterscheidet sich „Diener des Dunklen Hirten“ von seinem Vorgänger nicht; Es entsteht ein angenehmer Leserfluss. Nur manchmal stolpert dieser über einige Druckfehler und recht langen Monologen, die man ab und an auch einfach überfliegen kann, denn Wiederholungen sind keine Seltenheit; Sie helfen mitunter nicht den Faden zu verlieren.

 

Äußerlich passt sich „Kryson, Diener des Dunklen Hirten“ sehr schön an seinen Vorgänger an. Das Titelbild ist thematisch passend und nicht ablenkend. Einziges Manko: Man benötigt zwei Hände, um es zu halten ;)

 

Fazit:

Eindeutig besser als der erste Band, denn nun erst erschließt sich dem Leser die Gesamthandlung und Figuren, die vorher nur am Rande erwähnt wurden, werden vorgestellt. Durch viele Parallelhandlungen wird dauerhaft Spannung aufrecht erhalten, nur fehlt es einem ab und an doch an einer festeren Lese-Beziehung zu den Charakteren.

 

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Roman:

Diener des Dunklen Hirten

Reihe: Kryson Bd. 2

Autor: Bernd Rümmelein

Kartonierte Ausgabe, 763 Seiten

Verlag: Otherworld Verlag (September 2009)

Umschlaggestaltung: Init, Büro für Gestaltung, Bielefeld

Umschlagillustration: Thomas von Kummant

ISBN: 978-3-8000-9501-8

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 26.11.2009, zuletzt aktualisiert: 17.10.2017 15:18