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Symbiose von Uwe Post

Rezension von Christel Scheja

 

Um überhaupt noch beeindrucken zu können, muss sich die heutige Science Fiction sehr biegen und beugen, um überhaupt noch jemanden zu beeindrucken. In einer Zeit, in der Computer- und Gentechnik einen Entwicklungsstand erreicht haben, der alles möglich zu machen scheint, sind Weltraumabenteuer eher märchenhafte Fantasy und die Gesellschaftskritik wird heute viel eher in Thrillern und teilweise auch im Horror aufgearbeitet.

Was bleibt ist letztendlich gewisse Dinge weiter zu spinnen, die man bereits in Grundzügen kennt und teilweise auch nutzt, so wie das Internet und die genetische Manipulation von Tieren und Pflanzen.

 

Genau das tut Uwe Post in seinem Roman „Symbiose“. Er entführt in das 22. Jahrhundert, in dem Natur und Technik, Biologie, Chemie und Physik eine Symbiose eingegangen sind, die für die Menschen viel in ihrer Umgebung verändert hat, auch wenn gesellschaftlich viel gleich geblieben ist.

In dieser Welt, in der genetisch geschaffene Hybridwesen den Menschen in allen Lebensbereichen zu Diensten sind – sei es nun als Nachrichtenübermittler wie die stellenweise sehr lauten „Spam-Tauben“, als Nahrungsmittel, Kleidung, Medikament, lebt auch Aric Ekloppos, der wie viele andere Bewohner der Erde gelernt hat, ein braver Konsument zu sein und sich klaglos dem Genuss hinzugeben. Als er sich in die Weltkaiserin verliebt, kommt er fast zu Tode, als er den Fehler begeht, sich in der begeisterten Menge, die ihr huldigen will, zu bücken.

Dass er am Leben bleibt, verdankt er der Biotechnik – und ohne es zu wollen, wird er selbst in die Intrigen und Machtkämpfe gezogen, die hinter den Kulissen toben. Denn auch wenn Aliens mittlerweile zum normalen Erscheinungsbild in den Städten gehören und viele sogar mit diesen befreundet sind, sich viele lieber im Web3D bewegen als in der Wirklichkeit, hat sich an der menschlichen Natur nicht viel geändert.

Das bekommen neben Aric auch zwei junge Frauen zu spüren, die sich mit dem Schicksal ihrer Alienfreundin nicht abfinden können. Denn als ein Weltraumhai auftaucht, eskalieren die bisher unter der Oberfläche gärenden Konflikte, und in Begleitung von Sex und Drogen kommt es zu einem irrwitzigen Showdown.

 

„Symbiose“ lebt vor allem durch die vielen skurrilen Ideen, die Uwe Post in Bezug auf Internet, Genetik und Co gesponnen hat. Man schmunzelt unwillkürlich über die nervigen Spam-Tauben, die seltsamen Kraftkäfer oder die leicht cholerischen und schlagkräftigen Kampfzwerge, die gerne losgeschickt werden, um etwas „aufzuräumen“ und nickt zustimmend, wenn einem die ein oder andere Entwicklung sehr bekannt vorkommt und hier nur auf die Spitze getrieben wird. Immerhin reicht das aus, um der Geschichte einen humorvoll-zynischen Unterton zu geben, der für die sonstigen, wenn auch kleineren Mängel entschädigt.

Denn eine wirkliche Handlung hat das Buch nicht. Die einzelnen Episoden hängen zwar irgendwie zusammen, entwickeln sich aber nicht richtig, da der Autor zu viel Zeit aufwenden muss, um die Umgebung plastisch zu machen und die wichtigen Hinweise, die eigentlich die Geschichte voran treiben eher untergehen, weil man zu viel Zeit braucht, um sich die verrückte Umgebung vorzustellen.

Auch die Figuren bleiben recht blass und können trotz ihrer vielen Schwächen und Eigenheiten nicht wirklich Sympathie erwecken, sie wirken oft eher wie plumpe Klischees, die man bereits aus anderen Satiren kennen gelernt hat.

 

Das macht „Symbiose“ zu einem Buch, das sehr interessante Ansätze hat, viele freche und erfrischend andere Ideen, darüber aber ein bisschen die eigentliche Handlung und damit eine wirklich spannende Geschichte verschenkt. Allein als humorvolle Persiflage kann sie halbwegs funktionieren, wenn man vor allem Wert auf die Gags legt.

 

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Symbiose

Autor: Uwe Post

broschiert, 198 Seiten

Atlantis Verlag, erschienen März 2009

Titelbild von Ernst Wurdack

ISBN-10: 3941258117

ISBN-13: 978-3941258112

Erhältlich bei: Amazon

 

Weitere Infos:


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Erstellt: 04.07.2009, zuletzt aktualisiert: 30.12.2017 12:54