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The Fifth Patient

Rezension von Björn Backes

 

Inhalt:

Als der Amerikaner John Reilly schwer verwundet in einem afrikanischen Krankenhaus aufwacht, weiß er nicht wie ihm geschieht und geschehen ist. Infolge des vorangegangenen Unfalls hat er einen kompletten Gedächtnisverlust erlitten und kennt nicht mal mehr seinen Namen. Bevor er sich jedoch nähere Gedanken über diesen Umstand machen kann, werden auch schon schwere Vorwürfe gegen ihn erhoben. Ein lokaler Geheimdienst beschuldigt ihn, im Auftrag der CIA vorgegangen zu sein und droht ihm sogar mit der Todesstrafe, sofern er nicht möglichst bald seine wahren Motive auspackt. Seinen Gedächtnisschwund kauft man ihm ebenso ab wie seine latente Hilflosigkeit, in die Reilly sich mit wachsender Bedrohung immer mehr zurückzieht. Nur sehr langsam kehrt seine Erinnerung zurück, doch Reilly braucht Zeit, um dem sicheren Tod zu entgehen. Erst als es ihm gelingt, die verschiedenen Parteien, die in diese große Intrige eingespannt sind, gegeneinander auszuspielen, scheint die Option zur Flucht in greifbarer Nähe. Doch der Gebeutelte kann nach wie vor nicht einschätzen, wie gefährlich seine Gegner tatsächlich sind…

 

 

Rezension:

Es scheint höchst offensichtlich, dass Regisseur Amir Mann sich bei der Entwicklung seiner jüngsten Produktion sehr stark vom Erfolg der „Bourne“-Trilogie hat leiten lassen, zumindest was die Charakterisierung der Hauptperson betrifft. John Reilly weist zumindest in seiner Ratlosigkeit starke Parallelen zu Jason Bourne und dessen vorübergehender Handlungsunfähigkeit auf, besitzt aber natürlich nicht dieses bestechende Charisma, welches sein vermeintliches Alter Ego in der Person von Matt Damon auszeichnet. Darüber hinaus merkt man „The Fifth Patient“ aber auch an, dass kein so gewaltiges Drehbuch hinter der Story steckt wie es eben bei den Adaptionen der weltweit erfolgreichen Ludlum-Romanen der Fall ist. Das gesamte Setting ist durch vereinzelte Limitationen stark eingeschränkt, das mangelnde Improvisationsgeschick der ausführenden Produzenten hingegen gerade in der ersten Hälfte ein recht negativer Einfluss auf die Entwicklung der Handlung.

Dabei beginnt prinzipiell alles recht viel versprechend; bedingt durch die Ohnmacht des Protagonisten wird auch der Zuseher mit einer lückenhaften Szenerie konfrontiert, die er Stück für Stück selber zusammensetzen muss. Es gilt, aktiv mitzuarbeiten und die Hintergründe zu analysieren, ganz so eben, wie es auch an Reilly in seiner prekären Lage ist. Allerdings fehlt es der Inszenierung an Glanz und Eleganz, speziell im Hinblick auf di Art und Weise, wie die Action in den Plot einbezogen wird. Statt die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Parteien etwas lebhafter zu gestalten, ist gerade der Beginn sehr dialoglastig und zäh. Reilly muss sich im Krankenhaus arrangieren und verteidigen, während unzählige mehr oder minder interessante Figuren vorgestellt und mit seinem Schicksal in Verbindung gebracht werden. Die Spannung wird lediglich dadurch aufrechterhalten, dass der Regisseur kaum Indizien über die wahre Befindlichkeit und Herkunft des Hauptdarstellers preisgibt und man wirklich bis zu guter letzt im Dunkeln tappt, wer Reilly tatsächlich ist und welche Funktion er vor seinem Unfall bekleidet hat. Zwar ist dies auch wirklich Stoff, auf dem sich ein spannender Thriller aufbauen ließe, doch dann dürfte die Interaktion auch ein bisschen lebhafter und abwechslungsreicher sein, um das ersehnte Hollywood-Niveau auch nur anzukratzen.

Das größte Problem bleibt eigentlich bis zum überraschend effektvollen Schlussszenario, dass die Handlung inhaltlich auf der Stelle tritt. Keine einschneidenden Wendungen, keine ambitionierten Motivwechsel und auch nur eine behäbige, teilweise nahezu lustlos anmutenden Aufklärungsarbeit hinsichtlich der eigentlichen Story – was hier als muntere „Bourne“-Konkurrenz begonnen hat, verschläft zu gegebenen Zeiten einfach die konsequente Weiterentwicklung der immerhin recht interessanten Geschichte und enttäuscht schlussendlich durch einen erschreckenden deutlichen Spannungsverfall. So bleibt die Inhaltsangabe selber im direkten Vergleich noch spannender als die Inszenierung als solche.

 

Entsprechend dem Inhalt ist überdies auch die Aufarbeitung mäßig. Die gesamte Spieldauer über zieht sich ein unruhiges Bildrauschen durch den Film und beeinträchtigt die Schärfe sowie die Darstellung der Kontraste doch ganz erheblich. An den Ton sollte man ebenfalls keine hohen Ansprüche stellen, was aber in Verbindung mit der weniger actionreichen Story aber auch in Ordnung geht. Zumindest ist alles klar und deutlich verständlich. Bonusmaterial hingegen ist Mangelware; der Trailer, eine Galerie sowie kurze Biografien bilden den knappen Standardteil, den der Silberling abseits des Streifens auffährt.

 

Fazit:

„The Fifth Patient“ ist auch unabhängig von der starken Konkurrenz, mit der sich der Film ja auch nicht ganz unfreiwillig zu messen versucht, eine herbe Enttäuschung. Regisseur und Drehbuchautor Amir Mann bevorzugt für die Adaption einer interessanten Idee lieber ernüchternde Handlungsstränge statt lebendige, wendungsreiche Abschnitte. Die Folge ist ein ermüdender, nur in den letzten Minuten wirklich ansprechender Streifen, der den trotz des niedrigen Budgets berechtigt hohen Erwartungen in keinster Weise gerecht wird.

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DVD:

The Fifth Patient

USA, 2007

Regie: Amir Mann

Drehbuch: Amir Mann

Koch Media, 4. April 2008

Spieldauer: 85 Minuten

FSK: 16

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (DTS 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Region: Region 2

Bildseitenformat: 16:9

 

ASIN: B0012CF8W0

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

Nick Chinlund

Brendan Fehr

Isaach De Bankolé

Marley Shelton

Peter Bogdanovich

Harsh Nayya


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Erstellt: 08.06.2008, zuletzt aktualisiert: 25.03.2018 19:01