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Interview mit dem Autoren Thomas Finn

Redakteur: Valentino Dunkenberger

 

Thomas Finn, Jahrgang 1967, gehört spätestens seit diesem Jahr fest in die Riege der erfolgreichen deutschen Fantastik-Autoren. Denn nachdem er bereits zuvor mit Romanen zum Rollenspielsystem „Das schwarze Auge“ sowie als Teil des Autorenteams der „Gezeitenwelt“-Reihe auf sich aufmerksam gemacht hat, veröffentlichte der in Hamburg lebende Autor mit „Der Funke des Chronos“ Anfang des Jahres einen fantastischen Historienthriller, der von der Kritik seitdem hoch gelobt wird. Und der Autor scheint seinen Erfolgskurs weiter fortzusetzen: Nur ein halbes Jahr nach „Der Funke des Chronos“ erschien nun „Das unendliche Licht“, der Auftaktband der Trilogie „Die Chroniken der Nebelkriege“, und bot Anlass, dem Autor einige Fragen zu stellen.

 

Fantasyguide: Guten Tag, Tom! Freut mich sehr, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst.

Bevor wir auf deinen aktuellen Roman zu sprechen kommen, zunächst einmal zu dir: Wer verbirgt sich hinter dem Namen „Thomas Finn“? Und wie würdest du dich selbst beschreiben?

 

Thomas Finn: Nun, ich bin 39 Jahre alt, Hamburger und würde mich selbst als humorvoll und wohl auch als recht diszipliniert beschreiben. Außerdem liebe ich es, spannende Geschichten zu verfassen. Ist immer ein bisschen schwer, sich selbst zu beschreiben. Andere können das sicher besser. Wer mehr wissen möchte, kann das gern auf meiner Webseite unter www.thomas-finn.de nachholen.

 

Fantasyguide: Du wurdest 1967 in Amerika geboren, genauer gesagt in Chicago. In welchem Alter und aus welchem Grund bist du nach Deutschland gekommen?

 

Thomas Finn: Oh, ich bin bereits im zarten Säuglingsalter wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Ich hatte damals noch nicht einmal das erste Lebensjahr überschritten. Meine Eltern sind beide Hamburger, die es 1966/67 aus beruflichen Gründen in die USA verschlug.

 

Fantasyguide: Bereits in deinem letzten Roman, „Der Funke des Chronos“, war deine Wahlheimat Hamburg zentraler Handlungsort. In „Das unendliche Licht“, dem Auftakt der „Chroniken der Nebelkriege“, wählst du mit Hammaburg erneut diese Stadt und zeichnest ein fantastisches Spiegelbild von ihr. Wie stark ist deine Verbindung zur Hansestadt und wieso ist deine Beziehung gerade zu Hamburg so intensiv?

 

Thomas Finn: Einer der Gründe dafür ist sicherlich, dass ich in Hamburg studiert habe und hier bereits seit 17 Jahren lebe. Noch immer halte ich Hamburg für die schönste Großstadt Deutschlands. Hamburg ist offen, tolerant, hat eine sehr reizvolle Szene, viel Wasser und noch mehr Grün. Selbst das viel geschmähte Wetter Hamburgs ist besser, als sein Ruf. Hier stimmt einfach alles. Hinzu kommt, dass meine Familie ursprünglich aus Hamburg stammt.

Dass dieses Jahr nun gleich zwei Romane von mir erschienen sind, die Hamburg irgendwie zum Thema haben, ist eigentlich Zufall. „Der Funke des Chronos“ als historischer Phantastik-Thriller ist die Erfüllung eines schreiberischen Traums, den ich weit über zehn Jahre gehegt habe und den ich erst verwirklichen konnte, nachdem durch meine drei Gezeitenwelt-Romane ein guter Kontakt zum Piper-Verlag bestand.

Als ich kurz danach die Welt des Unendlichen Lichts designte, fiel mir auf, dass im fantastischen Jugendbuchbereich in den letzten Jahren Venedig fast inflationär als Schauplatz vertreten war. Nun hat Hamburg aber viel mehr Brücken als die berühmte Stadt der Verliebten und wird daher von uns Hanseaten gern als das „Venedig des Nordens“ bezeichnet. Dass Das unendliche Licht in einem sehr fantastischen Hammaburg an der Elbe spielt, geschah also nicht zuletzt mit einem verschmitzten Augenzwinkern.

 

Fantasyguide: Kannst du uns etwas zur Entstehung von „Das unendliche Licht“ erzählen? Was war früher da: Der Gedanke, sich auch einmal der Jugendfantasy zu widmen oder die Idee zur Handlung von „Das unendliche Licht“, die sich als Jugendbuch schlicht am besten umsetzen ließ?

 

Thomas Finn: Die Idee um Irrlichter, die ganz pragmatisch eingefangen und von den Bewohnern einer Fantasywelt zu Beleuchtungszwecken zweckentfremdet werden, schwirrte mir schon seit einigen Jahren im Kopf herum. Die Geschichte um den Zauberlehrling kam erst später hinzu, da aber bereits sehr detailliert. Ausformuliert zu einem Exposee hatte ich das Ganze erst, als mich mein Agent darum bat (da befand ich mich noch im Schreibprozess von „Der Funke des Chronos“). Und zu meiner großen Freude fand sich bereits zwei Monate später mit Ravensburger ein toller Verlag für die Story.

 

Fantasyguide: Hast du Gefallen am Genre der Jugendfantasy gefunden? Kannst du dir vorstellen, auch weiterhin Romane auf diesem Gebiet zu veröffentlichen?

 

Thomas Finn: Ja, unbedingt. Irgendwie habe ich ein Faible für jugendliche Protagonisten. Wobei ich die Trennlinie zwischen Jugendliteratur und sog. Erwachsenenliteratur nicht so scharf ziehen würde. Den Begriff „Jugendfantasy“ mag ich schon gar nicht. Was soll das sein? Putzi-Putzi-Geschichten mit kindlichem Ansatz und eingeschränktem Vokabular? Literatur, bei der der Autor seine Leser weniger ernst nimmt? Wer würde beispielsweise Harry Potter heute noch ernsthaft als reine Jugendliteratur bezeichnen? Ich kenne mehr Erwachsene, die sich gierig auf jede Fortsetzung der Hogwarts-Geschichte stürzen, als Jugendliche – und zu ersterer Gruppe zähle ich ganz nebenbei auch. Frau Rowling ist eine hervorragende Autorin, der ich großen Respekt zolle. Sie nimmt ihre Leserschaft ernst und deswegen wirken auch ihre Bücher und Figuren glaubhaft. Genau das ist es, was einen guten Roman auszeichnet – und zwar altersübergreifend.

Was die zweite Frage anbelangt: Ich bin mir sogar sehr sicher, dass nach den „Chroniken der Nebelkriege“ noch weitere Fantasyromane im Bereich „Junge Erwachsene“ von mir erscheinen.

 

Fantasyguide: Inwiefern hat sich die Arbeit an diesem Jugendroman zu deinem historisch-fantastischen Erwachsenenroman „Der Funke des Chronos“ unterschieden?

 

Thomas Finn: Der größte Unterschied bestand sicher im Rechercheaufwand. A und O eines belletristischen Romans ist ja stets die Handlung. Die muss spannungs- und facettenreich sein, um den Leser zu packen. Beim Funken stand ich vor der Herausforderung, den Plot so mit den von mir recherchierten Schauplätzen des alten Hamburgs zu verzahnen, dass am Ende alles ganz plausibel und harmonisch wirkte. Dabei hatte ich bereits im Vorfeld vorgesehen, dass der Funke den Leser auch auf eine kleine Stadtführung durch das historische Hamburg mitnimmt. Vor allem wollte ich, dass alles 100%ig korrekt beschrieben ist. Nicht so, wie all die vielen so genannten historischen Romane, die man im Handel findet, deren Endergebnis dann aber weit mehr einem Fantasyroman ähnelt, als manch eines jener Werke, die dieses Emblem ganz offen tragen. Kurz gesagt, ich wollte mit dem Roman zeigen, dass auch ein phantastischer Roman hohen Ansprüchen gerecht werden kann. Und wenn ich den Leserreaktionen glauben darf, scheint mir dies glücklicher Weise auch gelungen zu sein.

 

Fantasyguide: Hast du die Abwechslung genossen, die dir die beiden Romane inhaltlich boten?

 

Thomas Finn: Ja, durchaus. „Das unendliche Licht“ ist ja ein richtiger Fantasyroman, auch wenn die Welt gewissermaßen ein sehr phantastisches Spiegelbild der unseren im Mittelalter ist. Der Rechercheaufwand war natürlich viel geringer und ich konnte – wenn auch in sehr begrenztem Umfang – auf einige Grundlagen zurückgreifen, die ich mir vor und während der Arbeiten am Funken erarbeitet hatte. Der eigentliche Spaß bestand aber vor allem darin, dass ich beim Unendlichen Licht eine Hintergrundwelt erschaffen konnte, die ganz dem entsprach, wie ich allein mir eine gut funktionierende Fantasywelt vorstelle. Also gänzlich ohne Kompromisse, wie man sie eingehen muss, wenn man sich als Autor in fremden oder gemeinsam mit anderen Kollegen erschaffenen Fantasywelten bewegt.

 

Fantasyguide: In „Das unendliche Licht“ hat jeder deiner Charaktere sein eigenes Gesicht, wurde jede Figur individuell ausgearbeitet. Haben die Personen erst während des Schreibens an Tiefe und Persönlichkeit gewonnen oder hattest du dir bereits im Voraus Charakterkonzepte erarbeitet, um die Handlungen, Reaktionen und Gefühle der verschiedenen Figuren einschätzen zu können?

 

Thomas Finn: Einige wenige Figuren haben während des Schreibens mehr Persönlichkeit erfahren, die meisten von ihnen haben ihr Tiefenprofil aber bereits vorher, also quasi am Reißbrett, erhalten. Es gibt da eine wichtige Grundregel: keine Figur sollte so aus einer/m Geschichte/Abenteuer herauskommen, wie sie hineingerät. Das gilt nicht nur für die Hauptprotagonisten, sondern möglichst auch für alle Nebenfiguren. Als Autor bist du also gut beraten, dir über all das Gedanken zu machen, bevor du auch nur die erste Zeile tippst. Davon abgesehen wird man beim Schreiben aber immer wieder davon überrascht, welches zum Teil witzige Potential die Figuren entfalten, wenn sie erst einmal aufeinander treffen. Das macht ja gerade den Reiz beim Schreiben aus. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass ich beim Unendlichen Licht manches Mal mit einem sehr breiten Grinsen vor der Tastatur saß.

 

Fantasyguide: Wie lange hast du an „Das unendliche Licht“ gearbeitet und wie sah der grobe Ablauf dieser Arbeit aus?

 

Thomas Finn: Puh. Die Erstellung meines ersten Exposees dauerte ungefähr eine Woche. Hinzu kamen später, als sich Ravensburger interessiert zeigte, mehrere Wochen, um Teile des Exposees gemäß den Wünschen des Verlages umzuarbeiten. So fiel zum Beispiel eine Figur komplett heraus und zwei weitere kamen neu hinzu – was neue Interaktionen und damit einhergehende Änderungen im Handlungsverlauf mit sich brachte. Für den Roman habe ich dann inklusive Lektorat etwa vier Monate benötigt.

 

Fantasyguide: Kais Gegenspieler ist die Nebelkönigin Morgoya, die die Herrschaft über das Inselkönigreich Albion an sich gerissen hat und nun nach der Macht über das angrenzende Festland giert. Im Roman ist diese Figur jedoch bislang im Hintergrund geblieben, und auch ihre Häscher – verkörpert durch den untoten Pirat Mort Eisenhand und den Zauberer Morbus Finsterkrähe – sind nur vereinzelt aufgetreten. Wird sich das im weiteren Verlauf der Trilogie noch verändern, werden die Kontrahenten Kais verstärkt auftreten?

 

Thomas Finn: Na klar. Bei einer mehrbändigen Saga wirft man ja nicht schon im ersten Roman sein ganzes Holz auf einmal ins Feuer. Morgoya hat, neben jenen Schergen, denen es in Hammaburg an den Kragen geht, natürlich noch weitere Vasallen in der freien Welt. Und diese werden nun nach und nach aktiv. Zu einer ersten Begegnung zwischen Kai und Morgoya wird es aber tatsächlich bereits im zweiten Band kommen...

 

Fantasyguide: Wird das eine Auswirkung auf Atmosphäre und Stil der Bücher haben? Wird die Geschichte epischer, vielleicht „erwachsener“ werden?

 

Thomas Finn: Nun, Kai ist im ersten Band 15 Jahre alt und wird im Folgeband ein gutes Jahr älter sein. Im unendlichen Licht hat er sich bereits verliebt, und wie du weißt, ist diese Liebe nicht ganz unproblematisch. Ganz insbesondere, wenn die Pubertät voll einsetzt. Hinzu kommt, dass sich der Konflikt verschärft. Die Reihe firmiert nicht ohne Grund unter ‚Die Chroniken der Nebelkriege’. So werden wir Morgoya erneut als meisterhafte Intrigantin erleben und die Welt, die es zu retten gilt, weit über Hammaburg hinaus kennen lernen. Kai wird von alledem nicht unberührt bleiben. Er wird sich weiterentwickeln, Erfolge feiern, aber auch weitere Verluste erleiden. Ich nehme der Geschichte sicher nicht die Spannung, wenn ich verrate, dass es Kai im Abschlussband der Trilogie sogar ins Herz der Finsternis, also nach Albion selbst, verschlagen wird.

 

Fantasyguide: Skelettiert, mit zerrissener Kleidung, Entermessern und Knochenschädeln, so beschreibst du die Geisterpiraten in deinem Roman. Hattest du beim Entwerfen dieser Untoten, die auf Befehl Morgoyas handeln, die verfluchten Piraten aus „Fluch der Karibik“ im Hinterkopf?

 

Thomas Finn: Nein. Vielmehr war ich zu der Zeit, als ich das Exposee schrieb, gedanklich schon mit einem zweiten Projekt beschäftigt: ein Theaterstück um den Piraten Klaus Störtebeker, der 1401 von dem späteren Hamburger Bürgermeister Simon von Utrecht aufgebracht wurde. Störtebeker also war die Vorlage für den Untoten Mort Eisenhand. Und es kommt nicht ganz von ungefähr, dass sein Hammaburger Bezwinger in der Welt des Unendlichen Lichts ‚Simor’ mit Vornamen heißt. Das soll aber nicht ausschließen, dass da unterbewusst auch noch andere Assoziationen eine Rolle gespielt haben.

 

Fantasyguide: Da deine Hauptfigur den gleichen Namen trägt, kann ich mir die Frage einfach nicht verkneifen: Kennst du die Jugendbuchtrilogien von Kai Meyer, der ja einer der bedeutendsten Vertreter der deutschen Jugendfantasy ist?

 

Thomas Finn: Selbstverständlich kenne ich Kai Meyer und seine Romane. Natürlich nicht alle, aber zumindest seine phantastische Trilogie um Die fließende Königin ist mir vertraut. Immerhin handelt es sich dabei um drei jener Fantasyromane, die recht prominent in Venedig angesiedelt sind.

Kai Meyer genießt insofern meinen Respekt, da sein guter Ruf sicher mit dazu beigetragen hat, anderen deutschen Autoren den Weg zu ebnen. Die Verlage waren in der Vergangenheit viel zögerlicher, was das Vertrauen zu deutschen Schriftstellern betraf. Kai hat da klasse Vorarbeit geleistet!

 

Fantasyguide: Arbeitest du schon am zweiten Band der Trilogie? Und weißt du schon, wann die beiden Fortsetzungen erscheinen werden?

 

Thomas Finn: Ja, ich arbeite derzeit am Folgeband der Chroniken der Nebelkriege. Der Arbeitstitel lautet „Der eisige Schatten“, der Abschlussband wird vermutlich den Titel „Die letzte Flamme“ tragen. Aber darauf sollte sich niemand verlassen. Im Verlagsgeschäft kann sich das ganz schnell ändern. Angedacht sind die Romane beide für das nächste Jahr.

 

Fantasyguide: Kannst du uns noch etwas über den Inhalt des zweiten Bandes verraten? Wo werden die Unterschiede zu „Das unendliche Licht“ liegen?

 

Thomas Finn: Das eine oder andere habe ich ja bereits weiter oben verraten. Der zweite Band wird Kai und seine Verbündeten tiefer hinein in die Welt des Unendlichen Lichts führen. Neben einer Reihe weiterer Figuren wird er unter recht dramatischen Umständen Morgoyas große Widersacherin, die Feenkönigin Berchtis, treffen. Wir werden das Leben in einem Däumlingsdorf kennenlernen und vor allem erfahren, ob es Kai gelingt, doch noch zu einem richtigen Magier zu werden, bevor die Nebelkönigin zu einem richtig fiesen Schlag ausholt...

 

Fantasyguide: Eine abschließende Frage noch: Gibt es bereits konkrete Ideen zu weiteren Romanprojekten, die du nach Vollendung der „Chroniken der Nebelkriege“-Trilogie in Angriff nehmen möchtest?

 

Thomas Finn: Ja, sogar mehrere. Nicht nur im Jugendbuchbereich, auch zu weiteren Einzeltiteln. Mehr zu alledem möchte ich im Moment aber nicht verraten.

 

Fantasyguide: Ich bedanke mich für das Interview, Tom, und wünsche dir für deine Zukunft noch viel Erfolg!

 

Eure Meinung:


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Thomas Finn

Das unendliche Licht

Reihe: Die Chroniken der Nebelkriege Bd.1

Autor: Thomas Finn

Gebunden, 445 Seiten

Ravensburger Buchverlag

Juli 2006

ISBN: 3473352608

Erhältlich bei: Amazon

 

Unsere Rezension zu dem Buch: Das unendliche Licht

Weitere Infos:


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Erstellt: 27.07.2006, zuletzt aktualisiert: 02.04.2017 20:00