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Dämonentränen von Peter Lancester

Reihe: Die Chroniken der Anderwelten, Bd. 3

Rezension von Christel Scheja

 

„Dämonentränen“ ist der dritte Band der „Chroniken der Anderwelten“. Er setzt allerdings nicht die Geschichte von Eva und ihren Freunden fort, sondern erzählt eine ganz neue Geschichte um das Mädchen Mona.

 

Wir schreiben das Jahr 1987: Die junge Mona lebt mit ihrem Freund Frank in einer Hamburger Sozialwohnung, und führt ein normales Leben, wenn man einmal von ihren Gelüsten auf rohes Fleisch und Blut absieht. Eines Tages verschleppt man sie jedoch überraschend an einen abgelegenen Ort.

Dort enthüllen ihr Obersdorf, ein Mann im Rollstuhl, und ein Mädchen mit spitzen Ohren, dass sie eigentlich kein Mensch ist. Mona wehrt sich dagegen, das zu glauben, und versucht mehrfach zu fliehen, bis eine erzwungene Hypnosesitzung an den Tag bringt, was sie all die Jahre verdrängt hat: Mona ist eigentlich ein Flugteufel –eines der harpyienähnlichen Wesen aus der Welt Unterhessen –fähig zum Gestaltwandel und normalerweise ein stummes, mordlüsternes Monster. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände ist sie in unsere Welt gelangt. Die Erinnerung an diese Jahre hat sie aber verdrängt. Nun kommen sie wieder zum Vorschein.

1963 taucht sie unverhofft in einem Schloss auf. Da sie aber zunächst nicht fähig ist zu sprechen und sich seltsam aufführt, landet sie erst einmal in einer Klinik. Die Pfleger können ihrer kaum Herr werden, einige Ärzte sind hingegen begeistert, denn Monika Offenbach – so nennt man sie jetzt – ist ein medizinisches Wunder. In den nächsten Jahren wandert sie als psychisch gestörter Fall und ungewöhnliches Forschungsobjekt von Klinik zu Klinik. Erst in der letzten findet man heraus, was sie wirklich benötigt, um ein halbwegs normales Leben zu führen. Frank, ein Pfleger in der Anstalt, beginnt sie nicht mehr nur als Ding, sondern als denkendes und fühlendes Wesen anzusehen. Unter seiner zurückhaltenden Zuneigung blüht Mona auf und kommt immer mehr zu Verstand.

Frank lässt sich schließlich dazu verleiten, sie aus der Klinik zu retten und eine normale Existenz aufzubauen. Aber damit sind die Abenteuer in der Menschenwelt für Mona noch nicht zu Ende. Sie entdeckt ihre Gefühle, findet aber auch heraus, dass nicht alle Sterblichen so nett sind, wie sie zunächst glaubt.

 

Da „Dämonentränen“ eine ganz neue Geschichte beginnt, kann man ohne Probleme einsteigen, auch wenn es kleine Querverweise zu den beiden ersten Bänden gibt, die Kenner des gesamten Zyklus aufhorchen lassen. Als Neuleser hat man niemals das Gefühl etwas nicht zu wissen, was notwendig wäre. Man kann sich besser auf Mona konzentrieren.

Zwar merkt man sehr schnell, was sie eigentlich ist, aber Peter Lancester gelingt es nicht nur glaubwürdig ihre Entwicklung vom instinktbeherrschten Monster bis hin zu einem Wesen, dass sich seiner Gefühle bewusst ist, darzustellen, sondern auch ein interessantes Psychogramm seiner Heldin zu zeichnen. Auch wenn sie nicht gerade zimperlich ist, was ihre Nahrung und manchmal deren Beschaffung angeht – aus der naiven Sicht Monas erzählt wirkt das harmlos und ganz normal.

Durch geschickt ineinander verschachtelte Zeitebnen erfährt man immer genau das, was wichtig ist, die Spannung steigert sich kontinuierlich bis zum Schluss. Der Roman geht manchmal allein durch das Verhalten der Charaktere unter die Haut und bietet nicht nur eine Aneinanderreihung von actionreichen oder ekligen Szenen.

 

„Dämonentränen“ bietet damit auf fast 400 eng bedruckten Seiten unterhaltsame Lektüre, die es in sich hat und durch ihren starken Horror-Einschlag auch interessant für die Leser anderer Genres ist.

 

 

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Dämonentränen

Reihe: Die Chroniken der Anderwelten

Autor: Peter Lancester

broschiert, 388 Seiten

Eldur, Aachen, erschienen Dezember 2005

ISBN 3-937419-05-5

Titelbild von Vladimir Bondar

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 09.06.2006, zuletzt aktualisiert: 17.10.2017 15:18