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7 Fragen - 7 Antworten : Volker Strübing - SF und Satire

Redakteur: Michael Schmidt

 

Fantasyguide: Hallo Volker! Stell dich unseren Lesern doch mal vor.

 

Volker Strübing: Ich wurde 1971 in Thüringen geboren und lebe seit 1978 in Berlin. Seit 5 Jahre bin ich freischaffender Autor. Ich habe eine Katze und eine Freundin, die einen Hund hat, davon abgesehen aber die beste Freundin der Welt ist.

 

Fantasyguide: Du bist Autor des Romanes „Das Paradies am Ende der Stadt“. Erzähle uns doch mal, worum es in dem Roman geht und woher du die Idee hattest?

 

Volker Strübing: In einer wenig erfreulichen Zukunft bietet der Konzern „Eden“ seinen Kunden ein virtuelles Paradies mit hundertprozentiger Dauerglücksgarantie. Das Gehirn wird verkabelt, der Körper künstlich ernährt und in Schwung gehalten, der biochemische Haushalt entsprechend reguliert. Wer dieses kostenlose Angebot annimmt, ist für die wirkliche Welt – was immer das sein mag – verloren. Klar, dass Eden Gegner hat: Konkurrenten, die um den Absatz ihrer materiellen oder religiösen Glückssurrogate fürchten und Idealisten, die sich nicht mit einer selig vor sich hin träumenden Menschheit abfinden können.

Mich hat das Konzept einer virtuellen Realität, deren Künstlichkeit aus ihr selbst heraus nicht zu erkennen ist, fasziniert, seit ich als Kind das erste Mal in Lems Sterntagebüchern darauf stieß. In den meisten SF-Romanen, die ich gelesen habe, wird eine solche Realität entweder verdammt und bekämpft oder (im Cyberpunk) einfach als gegeben hingenommen – sie ist nicht gut, nicht schlecht, sie ist nur eine neue Welt, in der man ebenso scheitern oder gewinnen kann wie in der alten.

Was aber, wenn diese neue Welt wirklich besser wäre? Gäbe es objektive Gründe, das Angebot abzulehnen? Die Helden meines Romans bekämpfen Eden, aber sie sind keine „Erlöser“, und wenn man für einen Moment die reflexartige, dogmatische Verteidigung der sogenannten Wirklichkeit vergessen kann, wird man sich vielleicht fragen, ob sie denn wirklich die „Guten“ sind.

 

Fantasyguide: „Das Paradies am Ende der Stadt“ ist ja eher Satire bzw. Gesellschaftskritik, der SF Aspekt dient aus meiner Sicht eigentlich nur dazu, diese Botschaft besser zu transportieren. Wie würdest du den Roman klassifizieren? Und ist es von Vorteil, keinen „klassischen SF Roman geschrieben zu haben?

 

Volker Strübing: Trotz des satirischen Charakters betrachte ich ihn als ernsthaften SF-Roman! Die Geschichte hätte man (wenn auch vielleicht nicht ich) auch ohne oder mit etwas dezenterem Humor erzählen können.

Dass viele Leser die gesellschaftskritischen Aspekte so stark wahrnehmen, freut mich sehr, denn sie sind mir lieb und wichtig – dennoch waren sie nicht der Anstoß für das Buch, sondern haben sich ergeben, als ich die Welt konstruiert habe, in der die Geschichte spielt. Das wollte ich nämlich vor allem: eine Geschichte erzählen. Und am meisten freue ich mich, wenn mir jemand sagt, dass er das Buch nicht nur lustig, sondern auch spannend fand. (Anmerkung des Interviewers: Ich fand es spannend!

 

Fantasyguide: Der Roman wurde für den DSFP und den KLP nominiert. Wie siehst du die Chancen, einen der beiden Preise zu gewinnen? Und was denkst du, gelingt dir das Triple, die Nominierung zum DPP?

 

Volker Strübing: Ich male mir keine großen Chancen auf einen Preis aus. Ich habe zwar noch keins der anderen Bücher gelesen (Coruum immerhin liegt inzwischen auf meinem Nachttisch), aber ich habe die schreckliche Befürchtung, dass zum Beispiel Wolfgang Jeschke und Michael Marrak mal wieder sehr gute Bücher geschrieben habe. Wenn grad niemand guckt, hoffe ich natürlich trotzdem heimlich, still und leise ein bisschen vor mich hin.

Beim DSFP, einem Jurypreis, gibt es zumindest eine theoretische Chance. KLP und DPP aber sind Preise, bei denen SF-Schaffende bzw. -Leser per Abstimmung den Preisträger ermitteln. Dafür habe ich schlicht noch nicht genug Bücher verkauft.

Wie auch immer: Auf die Nominierungen bin ich sehr stolz. Angeblich schreibt man den ersten Roman immer für die Schublade, stattdessen mache ich auf Anhieb mindestens den 5. Platz beim DSFP :-)

 

Fantasyguide: Fantasyguide:Auf deiner Homepage www.volkerstruebing.de findet man allerlei Wissenswertes. Poetry Slam, Musik, wie würdest du den Künstler Volker Strübing definieren? Und wo liegen die Schwerpunkte?

 

Volker Strübing: Ich bin Schriftsteller, Autor und Vortragskünstler. Der Schwerpunkt sind kurze, satirische Texte, die ich in erster Linie für das Vorlesen schreibe. Ich trete im Schnitt jeden zweiten Abend auf. Vor allem bei Lesebühnen und Poetry Slams, aber auch bei Kabarett- oder Comedyveranstaltungen und „echten“ Literatur-Abenden. Ab und zu schreibe ich ein Lied, aber das hat in den letzten Jahren stark nachgelassen.

Einen Roman zu schreiben, war eine ganz neue und tja ... beglückende Erfahrung.

 

Fantasyguide: Was ist in Zukunft von dem Autoren Volker Strübing zu erwarten? Welche Projekte harren auf ihre Vollendung?

 

Volker Strübing: Neben vielen, vielen kurzen Texten, wird es hoffentlich in absehbarer Zeit auch einen zweiten Roman geben. Im Moment habe ich mich ein bisschen verzettelt und wegen der vielen Auftritte und Kurztexte nicht die nötige Ruhe, um das richtig in Angriff zu nehmen. Ich bastle an drei Projekten herum – zwei davon SF-Themen, eins eher Fantasy – aber welches ich am Ende realisiere, steht noch nicht fest.

 

Fantasyguide: Als letzte Frage: Was wünschst du dir für die Zukunft? Als Mensch und als Künstler?

 

Volker Strübing: Hm. Als Mensch ... kann man sich da letztlich etwas anderes wünschen, als glücklich zu sein? Als Künstler wünsche ich mir natürlich viele zufriedene Zuhörer und Leser, vor allem aber, dass es mir immer wieder gelingt, mich selbst zu überraschen.

 

Fantasyguide: Wir bedanken uns für das interessante Gespräch und wünschen dir für die Zukunft alles Gute.

 

Volker Strübing: Ich hab zu danken. Euch auch alles Gute!

 

Eure Meinung:

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Anzeige: 1 - 1 von 1.

Juli
Montag, 02. Februar 2009 21:44 Uhr
Sehr schönes Interview, aber das Buch heißt "Paradies am Rande der Stadt" und nicht "Ende".
Außerdem sind ein paar Rechtschreibfehler drin, aber darüber kann man ja hinweg sehen.

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Volker Strübing

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Erstellt: 19.04.2006, zuletzt aktualisiert: 19.05.2015 22:47