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Malevil oder die Bombe ist gefallen von Robert Merle

Rezension von Rupert Schwarz

 

Inhalt:

Verträumt auf dem französischem Lande liegt die kleine Burg Malevil. Der Grundbesitzer Emanuel hat sich vor Jahren einen Kindheitstraum erfüllt und dieses Relikt aus alter Zeit erstanden und renoviert. Dies sollte ihm das Leben retten, denn als es zum dritten Weltkrieg kommt und Lithiumbomben über Frankreich detonieren, war er gerade mit seinen alten Schulfreunden im Weinkeller der Burg bei einer Weinprobe. So überlebt die Gruppe ein entfesseltes Inferno, dass Wälder, Häuser und Menschen in einer Feuersbrunst vernichtete, weil die dicken Mauern und eine Felswand Explosionsdruck und Hitzewelle abwehrten. Beglückt stellen die Überlebenden fest, dass saubere Bomben gefallen waren und keine Radioaktivität vorliegt. Doch dies ist, so steht schnell fest, die beste Nachricht. Die Familien von Emanuels Schulfreunden sind tot, die Städte zerstört. Es bleibt nur das, was sich in Malevil befunden hat. Zum Glück ist dies recht viel; genug jedenfalls um einen Neustart zu versuchen. Zu aller Überraschung finden sie bald heraus, dass im Nachbarort, der von einer soliden Mauer umgeben war, ebenfalls Menschen überlebt haben. Doch ein scheinheiliger Priester und seine Kumpane haben dort bereits ein Feudalsystem etabliert. Der Nachbarort wird ebenso zur Bedrohung wie marodierende Banden.

 

Rezension:

Es gibt Romane, die klingen noch lange nach wie eine angeschlagene Seite. Immer wieder führen einen nach Beendigung des Buches die Gedanken zu ihm zurück und dies ist ja das Größte, was ein Autor zu hoffen vermag. Auf über 500 Seiten beschreibt Autor Robert Merle eine Robinsonade, in der es um Freundschaft, Aufrichtigkeit, Neid und Verzweiflung geht. Auf den ersten 100 Seiten bereitet der Autor geschickt den Höhepunkt des Buchs – den Bombenfall vor, indem er Emanuels Vergangenheit, insbesondere die Jugend beschreibt. Der Leser lernt die Jugendfreunde seines Protagonisten und seine Verbindung zur Burg Malevil kennen. Der Name der Burg ist im Übrigen ein Wortspiel aus franz. Mal = das Böse und engl. evil = das Böse. Also Böseböse. Was will uns der Autor damit sagen? Eine Anspielung auf das tragische Ereignis zu Beginn des Romans? Malevil ist jedenfalls kein Ort des Bösen, denn Emanuel und seine Mann stehen dem Verfall, der menschlichen Verrohung entgegen und zeigen trotz einiger unschöner Szenen mit Plünderern viel Menschlichkeit. Vielleicht muss man es mathematisch betrachten: Minus und Minus ergibt plus? Von Bösen liest man, mal abgesehen von den Bomben, noch genug im Laufe des Romans. Der Autor lotet gründlich die tiefen menschlicher Schlechtigkeit aus. Man liest die Geschichte und denkt sich: Ja, genau so wird es kommen. Robert Merle muss von dieser Idee besessen gewesen sein, denn die vielen Details zeigen, dass er sich unglaublich viele Gedanken zu diesem Thema gemacht hat.

 

Mit viel Gespür für das Tiefgründige erzählt der Autor im weiteren Verlauf, wie Emanuel und seine Mannen sich arrangieren, wie sie ihre willkürlich entstandene Gemeinschaft einrichten und wie sie die Krisen meistern. Dabei haben alle Protagonisten sehr sprechende Namen. Emanuel, der einstmals bekennende Atheist wird zum Gläubigen, zum Priester und Führer seiner Gruppe. Damit macht er seinen Namen alle Ehre, denn dieser stammt von Immanuel ab und das bedeutet Gott mit uns. Aber auch die Figur Thomas hat einen sprechenden Namen, denn wie der Apostel Thomas muss auch er ständig Taten sehen, um sich überzeugen zu lassen. Auch die meisten, der übrigen Figuren haben durchaus bedeutungsvolle Namen.

Robert Merle erzählt den Roman in Form eines Berichts des Vergangenen, verfasst von Emanuel. D. h. die Geschichte ist in der Ich-Form erzählt. Doch auch hier zeigt der Autor Innovativität: immer wieder werden die Erzählungen Emanuels durch Kommentare von Thomas ergänzt. Diese stellen nicht nur teilweise Geschehnisse in ein anderes Licht, sondern sind auch Teil der Entwicklung der Person Thomas, die in den letzten Kommentaren viel weniger kämpferisch klingt als zu Beginn.

 

Fazit:

Malevil ist ein sehr gelungener, ideenreicher Roman, der mit viel Gefühl das Bestreben einer Gruppe von Menschen zeigt, zu überleben, ohne ihre Menschlichkeit zu verlieren. Details und eine intelligente Storyführung zeichnen den Roman aus, der sicherlich zu den besten Umsetzungen dieses Themas gehört.

 

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Titel: Malevil oder die Bombe ist gefallen

Originaltitel: Malevil (1973)

Autor: Robert Merle

Übersetzer: Eduard Zak

Aufbau Taschenbuch Verlag

Erscheinungsdatum: Februar 2004

ISBN: 3746612241

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 06.03.2006, zuletzt aktualisiert: 06.07.2018 12:05