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Interview mit Oliver Graute und Oliver Hoffmann vom Verlag "Feder & Schwert":

Redakteur: Matthias Deigner

 

Mit dem Spiel "Engel" schaffte der Verlag "Feder & Schwert" ein sehr populären Rollenspielprodukten aus der Welt der Dunkelheit und hat viele Freunde und Fans unter den Rollenspielern gefunden. Aber Rollenspiele sind nicht alles, was das Team um Oliver Graute und Oliver Hoffmann zu bieten hat, von dem Comic Dark Tower über Vampirkrimies bis zu der Romanserie "Die vergessenen Reiche" bieten sie ein breites Spektrum für jeden Freund der Fantasy. Wir haben Oliver Graute und Oliver Hoffmann ein paar Fragen zu ihnen, Feder & Schwert, Engel und ihren zukünftigen Projekten gestellt.

 

 

Hier nun ein paar Antworten von Oliver Graute und Oliver Hoffmann auf unsere Fragen:

 

Matthias Deigner: Uns würde als Einleitung dieses Interviews interessieren wie ihr euer Hobby an sich entdeckt habt, welches waren eure ersten Berührungspunkte mit dem Rollenspiel?

 

Oliver Graute: „Oh, das ist sicherlich bei jedem von uns etwas anders gelaufen. Ich für meinen Teil bin mit 12 Jahren in der Schule mit den Thema konfrontiert worden. Ein Schulkollege hatte die D&D-Grundbox dabei und fragte, ob ich nicht Lust hätte, das mal auszuprobieren. War anfangs ganz schön stümperhaft. Wir hatten alle Klassiker, inklusive des 15 Meter langen Schwarzen Drachen, der in dem drei auf drei Meter großen Raum auf seinen Schätzen hockte. Wenn ich jetzt daran zurückdenke, muß er ganz schön viereckig gewesen sein.

Danach kam dann ziemlich bald AD&D an die Reihe, dann MERS und Rolemaster.“

Oliver Hoffmann: „Bei mir fing es im Winter 1984 an. Meine kleine Schwester, damals 14, hatte sich die erste DSA-Grundbox zu Weihnachten schenken lassen, war aber zu faul, das ganze Zeug zu lesen, also mußt der große Bruder ran, der ohnehin eine Leseratte war. Dann haben wir die ganzen Weihnachtsferien durchgespielt. Allerdings war das bei uns zunächst auch nicht das Gelbe vom Ei. Dem Himmel sei Dank für eingerahmte Vorlesetexte!“

 

 

Matthias Deigner: Wie sieht es heute aus, welche Rollenspiele spielt ihr, einmal abgesehen von den eigenen Produkten?

 

Oliver Graute: „Naja, so ziemlich alles, was uns in unserer allmittwöchlichen Rollenspielrunde unter die Finger kommt. Wir sind da nicht nur flexibel, sondern auch experimentierfreudig. Ab und an spielen wir auch in Systemen und Spielwelten, die nie publiziert worden sind oder in welchen, die längst vom Markt verschwunden sind.“

Oliver Hoffmann: „Und bei mir steht demnächst ein Revival auf dem Programm... DSA revisited, sozusagen.“

 

 

Matthias Deigner: Feder & Schwert war ja am Anfang ein Fanprojekt, aus dem schnell mehr wurde. Habt ihr diesen Erfolg erwartet, oder kam er tatsächlich eher unerwartet?

 

Oliver Graute: „Unser „Erfolg“ war nicht eben gerade kometenhaft. Immerhin besteht der Verlag nun schon seit über 13 Jahren, und am Anfang war‘s tatsächlich eher ein Fanprojekt. Zu diesem Zeitpunkt war ich aber noch nicht dabei. Als ich später dazustieß, haben wir begonnen, monatlich zu publizieren. Ich denke, von diesem Zeitpunkt an ging es dann bergauf.“

Oliver Hoffmann: „... was nicht nur, aber sicher auch an Olis Einstieg lag!“

 

 

Matthias Deigner: Eine weitere Frage würde noch in dieses einleitende Themengebiet gehören. Wie stellt ihr euch die weitere Zukunft von Feder & Schwert vor, was sind die zukünftigen Ideen und Pläne?

 

Oliver Graute: „Ich denke, das Betätigungsfeld ist groß, und wir haben uns ja bereits auf anderen Märkten ein wenig umgesehen. Unser derzeit größtes Standbein ist der Romansektor, den wir glücklicherweise mit dem Lizenzerwerb der Vergessene Reiche-Romane im letzten Jahr ausbauen konnten. Auch in den kommenden Jahren wird dieser Bereich sicherlich eines unserer zentralen Themen sein. Auch im Fun-Comic-Bereich geht’s weiter. Die Dork Tower-Sammelbände aus der Feder des mehrfachen Origins-Award-Preisträgers John Kovalic sind ein echter Erfolg, den wir versuchen werden, mit der kürzlich erworbenen Lizenz zu PVP weiter auszubauen.

Im Rollenspielsektor treiben wir neben den Produkten aus der Welt der Dunkelheit natürlich auch die Entwicklung unseres eigenen Spiels Engel voran.“

 

 

Matthias Deigner: Nun aber zur Welt der Dunkelheit, welches der Systeme würdet ihr als euren Favoriten bezeichnen, was davon ist für euch vielleicht auch weniger interessant?

 

Oliver Graute: „Nun, da muß man wohl etwas diversifizieren. Besonders erfolgreich sind alle Produkte aus der Vampire-Reihe, mein persönlicher Favorit war jedoch Magus: Die Erleuchtung. Überhaupt waren, glaube ich, beinahe alle meine Favoriten im Publikum eher kein Erfolg. Trinity und Jäger: Die Vergeltung gehören in diese Kategorie.“

Oliver Hoffmann: „Ich spiele mit Vorliebe Vampire aus der Alten Welt und kann mit Jäger eher weniger anfangen.“

 

 

Matthias Deigner: Die Entwicklung der Welt der Dunkelheit wird natürlich geprägt von White Wolf, wie seht ihr selbst die Entwicklung dieser Welt und wie viel Einfluß könnt ihr eventuell nehmen, vor allem natürlich bei Quellenbüchern, die sich mit Europa oder gar Deutschland beschäftigen?

 

Oliver Graute: „Da sprecht ihr aber ein heikles Thema an. Naja, nachdem wir einige Quellenbände wie die Encyclopædia Vampirica oder die Städtebücher zu Aachen, Wien und Frankfurt erfolgreich veröffentlicht hatten, fiel White Wolf ein, daß sie die Kontrolle verlieren würden, da sie ja der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Nach Publikationen wie Transylvania Chronicles 4, das ein ganz anderes Wien beschrieb als wir 2 Jahre zuvor, kam es dann zum Eklat, der damit endete, daß nun niemand außer White Wolf Quellenmaterial veröffentlichen darf. Wir bedauern das sehr.“

 

 

Matthias Deigner: Wie steht es um die eigenen Entwicklungen der Welt der Dunkelheit, darf man hier auf spannende Quellenbücher hoffen?

 

Oliver Graute: „Siehe oben. Leider nein.“

 

 

Matthias Deigner: Immer mehr Livespieler spielen Vampire, wie gefällt euch diese Entwicklung und habt ihr selbst schon eine solche Session besucht bzw. spielt ihr gar regelmäßig Live?

 

Oliver Graute: „Früher haben wir recht regelmäßig mitgespielt. Heute habe ich kaum noch Zeit dafür und ehrlich gesagt auch wenig Lust. Bei zu häufiger Spielfrequenz kommt es dann doch zur Übersättigung. Generell find ich jedoch Liverollenspiel spannend, wenn man es richtig macht, und man muß überdies sagen, daß die Vampire-LARPer ganz schön zur Verbreitung des Spiels beigetragen haben.“

Oliver Hoffmann: „Ich würde sogar sagen, wir haben mit der sogenannten „Chronik 1“ ganz am Anfang der Vampire-Live-Szene in Deutschland gestanden, die ja ein intensiveres Live betreibt, als es in den USA je möglich wäre. Heute hingegen ziehe ich kleine, gediegene Einladungs-Cons vor; da allerdings spiele ich wieder zunehmend mehr, auch und gerade in anderen Systemen und auch als Veranstalter.“

 

 

Matthias Deigner: Mit Engel ist euch definitiv ein tolles Rollenspiel gelungen, was hat euch dazu inspiriert?

 

Oliver Graute: „Vielen Dank. Am Anfang stand wie immer die Idee. Ich wollte ein Spiel machen, in dem Kinder zu Engeln hochstilisiert werden, und einer der Spielinhalte sollte sein, nach und nach eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln, die einem am Anfang genommen wurde. Danach folgte jede Menge Schweiß, Blut und Tränen, um es mal übersteigert darzustellen. Wir haben versucht, alles zum Thema Engel zu sammeln, was es so in den Medien und an Literatur gibt, uns aber nicht davon beeinflussen zu lassen. Das war nicht ganz leicht. Immerhin ist der religiös-mythologische Hintergrund unserer Welt auch Bestandteil der Welt der Dunkelheit. Ich bin aber recht stolz darauf, daß die beiden Welten wirklich nichts miteinander gemein haben.“

 

 

Matthias Deigner: Eine eigene Welt zu beschreiben, sie zu formen nach den eigenen Vorstellungen, war das schon immer ein Traum, den ihr euch mit Engel erfüllt habt?

 

Oliver Graute: „Natürlich ist es ein erhebendes Gefühl, alle relevanten Entscheidungen selbst treffen zu dürfen und sich nicht der Vorgabe anderer unterwerfen zu müssen. Auf der anderen Seite ist es aber auch sehr anstrengend, denn eine phantastische Welt zu erfinden ist eine Sache, wenn man einen Roman schreibt. Hier bleibt man zumeist an der Oberfläche. Manche Umstände werden vom Leser hinterfragt und angezweifelt, letztlich aber akzeptiert. In einer Rollenspielwelt muß alles stichhaltig sein. Man kann sich in ihr frei bewegen, in den kleinsten Lebensbereich einer jeden Person eindringen, und jedesmal muß alles in sich stimmig sein und funktionieren. Das ist wirklich komplex.“

 

 

Matthias Deigner: Beim Schreiben von Engel seit ihr mit Sicherheit auch auf einige Schwierigkeiten gestoßen. Es wäre interessant zu wissen welche?

 

Oliver Graute: „Schwierigkeiten gab es jede Menge. Angefangen von der Stimmigkeit, die ich schon angesprochen habe, über das richtige Marketing - denn es erschien uns sehr schwierig ein neues Spiel, am kleinen Markt zu positionieren, das überdies sicherlich auch kein massentaugliches Thema hat - bis hin zu der Frage, nach welchen Regelmechanismen das Spiel funktioniert.“

 

 

Matthias Deigner: Mußtet ihr etwas weglassen, als ihr Engel geschrieben hattet, oder konntet ihr all eure Ideen unterbringen?

 

Oliver Graute: „Wir hatten eigentlich freie Hand. Dennoch war es schwierig. Wir mußten einen schmalen Grat beschreiten, denn wir wollen ja mit Engel eine Geschichte erzählen. Es galt und gilt also gerade soviel zu erzählen, wie der Erzähler wissen muß, um in der Welt von Engel klarzukommen und so wenig auf einmal zu verraten, daß die Geschichte sich langsam entwickeln kann.“

 

 

Matthias Deigner: Gerade bei einem Rollenspiel sind die Gesamtzusammenhänge, die Storyline und die gesamte Geschichte wichtig. Wie wichtig empfindet ihr dies speziell für Engel?

 

Oliver Graute: „Ich glaube, es gab noch kein Rollenspiel, in dem die Storyline und der Gesamtzusammenhang so wichtig waren wie in Engel.“

 

 

Matthias Deigner: Es gibt ja auch schon einen Roman zu Engel, und weitere werden sicherlich folgen. Diese Sparte wird bei Rollenspielen immer beliebter, und auch die Fans nehmen diese gerne an. Was hat euch dazu bewegt, Romane prinzipiell mit einzubinden?

 

Oliver Graute: „Eigentlich gibt es schon zwei Romane, denn der zweite Band zu Hiobs Botschaft ist bereits erschienen. Für Engel ist die Entscheidung, Romane zum Spiel zu veröffentlichen, in zweierlei Hinsicht wichtig. Von Anfang an war klar, daß Engel ein multimediales Konzept hat - Comic, Roman, Soundtrack-CD, Erzählspiel und wer weiß, was noch alles folgt. Wir wollten dem Spieler einfach so viel Stimmung und visuelle Eindrücke wie möglich vermitteln, um ihn auf die Welt einzustimmen. Außerdem ist es angenehmer, die Geschichte von Engel mit Romanen als Träger zu vermitteln, als sie platt in beliebige Regelwerke zu stopfen. Wir wollen, daß unsere Leser und Spieler ihren Grips anstrengen und durchaus einige Informationen zwischen den Zeilen unserer Produkte herauslesen.“

 

 

Matthias Deigner: White Wolf wird Engel ja auch übersetzen, damit wird Engel sicherlich zu einem weiteren Highlight auch in der internationalen Rollenspiel-Szene. Hattet ihr damit gerechnet, und wie gefällt euch diese Entwicklung?

 

Oliver Graute: „Ich hoffe, daß es dazu kommt. Natürlich gefällt uns diese Entwicklung, denn sie zeigt uns, daß wir keinen Müll publiziert haben, sondern ein interessantes Spiel mit einer außergewöhnlichen Welt, die sogar über die Grenzen Europas hinaus auf Interesse stößt - und das bei einem europazentrierten Setting. Also ja, wir freuen uns riesig darüber.

 

 

Matthias Deigner: Wie seht ihr die Zukunft von Engel, was habt ihr weiter vor damit?

 

Oliver Graute: „Unsere Zielsetzung ist, auf der einen Seite weiterhin den Qualitätsstandard zu erhalten und sogar noch zu erhöhen und auf der Schiene des multimedialen Konzeptes weiterzuarbeiten. Es gibt ja noch Medien, die wir uns bislang „offengehalten“ haben. Auf der rein publizistischen Seite werden zunächst die einzelnen Ordensbücher erscheinen, und danach gibt es zwei Bände zu den Themen „Angelitische Kirche“ und „weltlichen Mächte“, der etwa auf die Diadochen näher eingehen wird.“

 

 

Matthias Deigner: Einige Ausblicke in die Zukunft hatten wir ja schon, aber einmal abgesehen von der Welt der Dunkelheit und Engel, welche Projekte habt ihr weiter geplant? Auf was dürfen die Rollenspieler in Zukunft hoffen?

 

Oliver Graute: „Wie schon gesagt legen wir einen Schwerpunkt im kommenden Jahr auf den Romansektor. Darüber hinaus soll Engel nicht das letzte Rollenspiel aus unserer Feder gewesen sein, aber dazu reden wir besser noch einmal in ein oder zwei Jahren.“

 

 

Matthias Deigner: Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch und wünschen Ihnen auch in Zukunft viel Erfolg.

 

Oliver Graute: „Wir haben zu danken.“

 

Weitere Informationen über das Rollenspiel "Engel" und dem Verlag "Feder & Schwert" findet ihr hier: Feder & Schwert

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Eure Meinung:


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Erstellt: 29.04.2005, zuletzt aktualisiert: 23.02.2015 16:03