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Zweisam oder Die Sache mit Akakor von jon

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Raumflüge können echt langweilig sein, vor allem, wenn sie im äußeren Sol-Arm der Milchstraße, einem sternenarmen Gebiet also, stattfinden. Trotzdem hätte Captain Michaela Brauer gern darauf verzichtet, von einem Geistwesen belästigt zu werden, aus dem Orbit eines explodierenden Planeten flüchten zu müssen und diverse Besatzungsmitglieder zu verlieren. Aber das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert – auch nicht im 24. Jahrhundert.

 

Rezension:

Ulrike Jonacks Warén-Welt wächst seit ewigen Zeiten. So stellt auch »Zweisam oder Die Sache mit Akakor« einen weiteren Puzzlestein ihrer Geschichtenwelt dar, die man jedoch alle auch einzeln lesen kann.

 

Der Kosmos, wir schreiben das Jahr 2306. Die GS5 Explorer mit ihrer jungen Kapitänin Michaela Brauer erkundet einen langweiligen Nebel, der so dünn ist, dass er nicht einmal als Navigationsmarke taugt. Neben der Standardbesatzung befinden sich noch zwei Kara an Bord. Sie sind Bewohner des Planeten Warén, die in einer komplizierten Beziehung zu Geistwesen leben und ihr Leben der Logik und Meditation verschrieben haben.

Die Langeweile an Bord ist schnell vorbei, als man auf einen rätselhaften Planeten stößt, unter dessen gefrorener Oberfläche die Ortung Trümmer einer untergegangenen Zivilisation aufspürt.

Doch nicht nur der Planet bringt das Bordleben durcheinander, auch die geistige Verbindung zu den Kara scheint Captain Brauer zu beeinträchtigen. Droht der Forschungsmission eine Katastrophe?

 

Bereits nach wenigen Seiten dürfte klar sein, wie stark »Zweisam oder Die Sache mit Akakor« von Star Trek – The Next Generation geprägt ist. Es gibt sehr viele strukturelle Dinge, die jon für ihren Roman übernommen hat. Vom separaten Kapitänsraum samt Teezeremonie, ein dem Captain gleichgestellter Chefarzt, Schichtdienst auf der Brücke und ein Sicherheitsteam bis hin zum typischen Unfall eines Außenteammitglieds.

Auch der grundsätzlich optimistische Tonfall von TNG findet sich wieder. Darauf baut jon Handlung und Figuren auf und entwickelt beides zu dem für die Autorin typischen, intensiven Beziehungsgeflecht, das sich stets auf mehrere Ebenen erstreckt.

 

Michaela Brauer ist eine junge Frau mit Vergangenheit. Auch ohne die vorausgegangenen Geschichten zu kennen, wird schnell deutlich, dass sie mit den Warénern mehr verbindet als die Unterstützung einer Forschungsarbeit. Während der Mission nun vertieft sich die Bindung zu den Kara. Verkompliziert wird das auf der einen Seite durch ein zunächst verborgenes Mitbringsel von Warén. Als die Ereignisse auf dem toten Planeten weitere Figuren ins Spiel bringen, beginnen nicht nur die Gefühle verrückt zu spielen.

Stets läuft sie Gefahr, sich ihrer eigenen Entscheidungskompetenz nicht mehr sicher sein zu können. Für die Kaptänin eines Raumschiffs keine perfekte Situation.

Trotz dieses Risikos und zunehmender gesundheitlicher Probleme lässt jon ihre Hauptfigur jedoch niemals auch nur in die Nähe des Scheiterns geraten. Souverän bis zum Schluss, ist Michaela Brauer eine sensible und vor allem authentische Frau mit dem festen Willen, die Probleme auf ihre Art und Weise zu lösen.

Die Männer an ihrer Seite erreichen diese Beschreibungstiefe nicht. Nur einige dürfen über ihre Funktion hinaus Profil entwickeln. Gerade im letzten Teil generieren sie archetypische Konflikte wie Eifersucht und Kompetenzgerangel, die nicht zur vorausgesetzten Ethikentwicklung zu passen scheinen.

Auch der merkwürdige Diskriminierungswahn des Chefarztes stößt etwas sauer auf, weil er keine rationale Erklärung erhält und die Figur für eine emotionale Herleitung zu wenig Raum bekommt.

 

Die Anbindung an die Kurzgeschichte Der letzte Tag im Paradies aus der Anthologie Am Ende des Regens ist der eigentlich Clou des Romans. Hier zeigt jon die große Stärke ihres über viele Jahre gewachsenen Universums. Die Konsequenzen der Entdeckungen dort offenbaren jedoch eine Schwäche. So wirkt gerade das als verworren dargestellte Zusammenraufen der vom Planeten zurückgekehrten Besatzungsmitgliedern sehr flüchtig behandelt und nicht ausgereizt.

 

Es wird spannend sein zu sehen, wohin jon ihre Michaela Brauer, ob in weiteren Kurzgeschichten oder Romanen, noch führen wird. Warén liefert garantiert noch viel Stoff dafür.

 

Fazit:

Zweisam oder Die Sache mit Akakor ist eine gewohnt feinfühlige Reise in das Warén-Universum. Die Autorin erzählt die Geschichte einer starken Frau und verleiht mit tiefen Blicken in das Innenleben von Michaela Brauer der spannenden Science-Fiction Story eine ganz eigene Note.

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Buch:

Zweisam oder Die Sache mit Akakor

Autorin: jon

Taschenbuch, 227 Seiten

tredition, 28. August 2014

Cover:Berthold Sachsenmaier

 

ISBN-10: 3849584224

ISBN-13: 978-3849584221

 

Erhältlich bei: Amazon

 

ASIN: B00NAZM6JK

 

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weitere Infos:


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Erstellt: 01.10.2014, zuletzt aktualisiert: 17.07.2018 21:03