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Das Dickicht von Karsten Kruschel

Reihe: Vilm Band 3

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Ein gewaltiges Dickicht umspannt den Äquator des Regenplaneten - von den Felsen tief unter dem aufgeweichten Boden bis in eisige, luftlose Höhe. Die Vilmer nennen es das Supergestrolch und manchmal das Nest der Regendrachen. Sie tun, was sie mit allem auf Vilm tun: Sie arrangieren sich. Um so erstaunter sind sie, als plötzlich eine ganze Reihe seltsamer Touristen aus allen Winkeln der bewohnten Galaxis auftauchen und nur ein Ziel haben: das Dickicht.

 

Rezension:

Vilm. Ein faszinierender Planet mit dem ewigen und unausweichlichen Regen wird zum dritten Mal Schauplatz eines Romans von Karsten Kruschel.

Auch auf Vilm ist einiges an Zeit vergangen. Man hat sich angepasst, die restliche Menschheit beginnt, sich für den Planeten zu interessieren. Wo man Schätze vermutet, folgen bald Gier, Macht und Politik.

Wie schon bei Alan Dean Fosters Midworld, ist auch Vilm kein normaler Ort, dem man einfach so seine Schätze entreißen kann. Vielmehr wehrt sich ganz besonders der riesige äquatoriale Wald, das Wolkengebirge oder Gestrolch genannt, auf seine ganz eigene Art und Weise.

Eine große Rolle spielen dabei die Doppelwesen aus Mensch und den einheimischen Eingesichtern, die Vilmer. Gerade die Kinder begreifen das Leben von Vilm viel intensiver, verstehen instinktiv, was das planetenumspannende Lebewesen umtreibt. Dabei sind sie selbst ständig am Lernen, denn das Gestrolch spricht nicht direkt zu ihnen. Und auch nicht nur zu ihnen. Da ist der Zentralier auf der Suche nach elektronischem Kontakt, eine Mafiafamilie sucht nach neuen Drogen, die Cyborg-Kapitalisten hoffen auf einen neuen Markt und diverse Religionen fokussieren ihren Glauben auf das Gestrolch, um es anzubeten oder zu vernichten. und sie alle treten auf die eine oder andere Art in Kontakt mit den umbegreiflichen Lebewesen.

Da hat man es als Statthalter nicht leicht …

 

Karsten Kruschel schuf mit dem Regenplaneten eine großartige Kulisse, die er mit einem ausgefeilten Weltenbau unterfütterte. Dass er nach Vilm zurückkehren würde, war LeserInnen der ersten Bände klar und die Hoffnungen auf eine passende Fortsetzung scheinen dem Vernehmen nach auch erfüllt worden zu sein.

 

Selbst wenn man mit Das Dickicht seine ersten Schritte auf Vilm wagt, unterliegt man schon bald dem Zauber von Exotik und faszinierender Natur. Dieser virile Buchraum wird beherrscht durch die Symbiose, in der die Vilmer leben.

Kruschel baut immer mal wieder Bezüge zur Vergangenheit auf und gibt somit Neueinsteigern eine Chance, auch ohne Vorkenntnisse auf und in Vilm heimisch zu werden. Er benötigt dazu keine langen Infoblöcke, vielmehr ergeben sich die Situationen für kurze Erklärungen stets aus der Handlung, ein, zwei Wiederholungen stören da nicht weiter.

 

Da er die verschiedenen Interessengruppen nach und nach agieren lässt und sie auch recht bald miteinander verknüpft, steckt man schnell tief im Kruschel-Universum und kann dem politischen Geflecht mühelos folgen. Mit großer Raffinesse sind Namen und Organisationen so gestaltet, dass man sie leicht auseinanderhalten kann. Und auch die Figuren selbst unterscheiden sich trotz ihrer großen Zahl stark voneinander.

Es gibt keinen wirklichen Hauptcharakter, Kruschel wechselt die Perspektiven und Handlungsstränge schnell, baut einfache Brücken und einige Cliffhanger zwischen die Kapitel und vermeidet konsequent irgendwelche Längen. »Das Dickicht« ist hochkonzentrierte Handlung, ohne an den richtigen Stellen mit Beschreibungen und Dialogen zu geizen.

Ganz besonders die Darstellung des quirligen Vitalität im Gestrolch, der ständige Regen und die Seltsamkeit einer Lebensweise als Doppelwesen präsentiert Kruschel in einprägsamen und deutlichen Bildern.

Das führt beim Lesen zur einem wohligen Gefühl der Vertrautheit, man kann sich dem Wunder des Regenplaneten kaum entziehen. Es ist Kuschel-SF auf hohem Niveau.

Natürlich gibt es auch Opfer, Unfälle und Verbrechen. Aber das täuscht nicht darüber hinweg, dass Kruschel eine positive Science-Fiction postuliert, die zwar alle Makel der Zivilisation beinhaltet, sie aber nicht zelebriert. Selbst Kruschels Bösewichter sind immer noch irgendwie nicht ganz so schlimm wie anderswo.

Klar, so etwas muss man mögen. Wer mehr auf die psychopatischen Typen oder hoffnungslosen Universen steht, wird sich auf Vilm nicht wohl fühlen.

Die anderen aber werden lautstark nach dem nächsten Transportschiff Richtung Regenplaneten rufen.

 

Verleger Ernst Wurdack hielt sich bei der Gestaltung des Covers an das Design seiner beider Vorbände und verlieh auch dem »Dickicht« eine für SF ungewohnte Optik, die stark an alte Illustrationen von Werner Ruhner oder Karl Fischer erinnern.

 

Fazit:

Sense of Wonder auf höchstem Niveau. Karsten Kruschels dritter Ausflug zum Regenplaneten besticht durch eine hochkonzentrierte Handlung und einer einmaligen Kulisse, die er mit einer Meisterschaft beherrscht, wie sie in der deutschsprachigen SF nicht oft anzutreffen ist.

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Buch:

Das Dickicht

Reihe: Vilm Band 3

Autor:Karsten Kruschel

Taschenbuch, 310 Seiten

Wurdack, Januar 2013

Cover: Ernst Wurdack

 

ISBN-10: 3938065931

ISBN-13: 978-3938065938

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B00BC6SADK

 

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 15.05.2014, zuletzt aktualisiert: 03.07.2017 19:52