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Die Nacht der Herzen von Markus Böhme

Rezension von Torsten Scheib

 

Rezension:

Nähert sich der frostige Atem des Winters dem kleinen Dörfchen Saintville, so wissen dessen Einwohner nur zu genau, was ihnen in den kommenden Monaten bevorsteht: Erbarmungslose Kälte, Verzicht und Isolation. Doch die Männer, Frauen und Kinder hadern nicht ihres Schicksals. Stattdessen machen sie das Beste aus ihrer Lage und versuchen, die kurzen Tage der Wintermonate unbeschadet an sich vorüberziehen zu lassen.

Bis am Waldrand ein Toter aufgefunden wird; einer aus Saintvilles Mitte: Tom Salek. Im Dorf als Trunkenbold verschrien, stellt sein Ableben eine nicht gerade besonders unerwartete Überraschung dar. Nur Erif, einer der Ältesten, hegt Zweifel – und teilt sie vorerst nur mit einem anderen: Brason, dem Schmied. Zusammen wollen sie zur Wahrheit vorstoßen. Dafür begeben sie sich hinaus in die verwaisten, menschenfeindlichen Wälder. Ihre Suche nach Antworten erhält schon sehr bald eine grausige, blutgetränkte Erwiderung, als die beiden Männer Saleks herausgerissenes Herz im Schnee entdecken. Doch welcher Mensch wäre imstande, solch ein abscheuliches Verbrechen zu begehen? War es womöglich überhaupt kein Mensch, sondern ein Herzenfresser; eine legendäre und als ausgestorben geltende Bestie?

Gemeinsam mit einer Handvoll anderen machen sich die beiden auf, dem Mysterium auf den Grund zu gehen …

 

Lange Zeit war es still gewesen um Markus Böhme, der 2006 mit seinem Debüt Das Wakan-Tanka nicht nur in der hiesigen Phantastik-Szene Lob und Anerkennung erntete. Kein Wunder, zog der junge Österreicher erst mal das Studium den schriftstellerischen Aktivitäten vor. Genau genommen stellt die Nacht der Herzen auch keine Neuveröffentlichung dar, da die Kurzgeschichte bereits 2005 in der Anthologie Mitternachtsgrauen (einem Projekt der Fanseite www.Stephen-King.de) erschienen ist. Doch offenbar ließ der von ihm kreierte winterliche Mikrokosmos Böhme nicht mehr los und spätestens, als der Jungautor mit dem Illustrator und Comiczeichner Michael Mayer Bekanntschaft schloss, schien klar zu sein, dass für ein gemeinschaftliches Projekt nur diese Story infrage kommen würde.

 

Mit 60 Seiten ist „Die Nacht der Herzen“ zwar kein besonders dickes Comic geworden, doch müssen sich Autor und Graphiker dieser „Limitiertheit“ durchaus bewusst gewesen sein. Demzufolge wird auch nicht lange um den heißen Brei herumgeredet, sondern eine essentielle Regel der Kurzgeschichte konsequent eingehalten. In der Kürze liegt nämlich die Würze. Ins kalte Wasser wird der geneigte Leser aber dennoch nicht geworfen. Vereinzelte Hinweise und Anmerkungen lassen das gebotene Ensemble und auch die herzenfressenden Bestien immer plastischer werden. Doch so gut die Story auch sein mag, letztlich handelt es bei der „Nacht der Herzen“ ja immer noch um einen Comic beziehungsweise eine „Graphic Novel“ (oder sollte man es besser „Graphic Short-Story“ titulieren?); muss die Handlung die Bilder unterstützen und umgekehrt. Beides trifft bei vorliegendem Band zu. Böhmes spannender Mix aus Fantasy und Horror-Versatzstücken wird von Michael Mayers komplett in Schwarz-Weiß gehaltenen Bildern wunderbar eingefangen. So entsteht bereits nach den ersten Seiten eine wunderbar dichte und ebenso düstere Atmosphäre, die den Leser gefangen nimmt und ihn wünschen lässt, dass dieser Ausflug nach Saintville hoffentlich nicht der letzte gewesen sein mag.

 

Fazit:

Eisige Kälte, dunkle Nächte, unheimliche Spannung – „Die Nacht der Herzen“, ein sicherlich gewagtes Projekt, darf ohne Wenn und Aber als Erfolg tituliert werden. Drücken wir die Daumen, dass eine Fortsetzung folgen wird!

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Comic:

Die Nacht der Herzen

Autor: Markus Böhme

Künstler: Michael Mayer

Softcover, 60 Seiten

Voodoo-Press, Mai 2010

 

ISBN-10: 3950270132

ISBN-13: 978-3950270136

 

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 18.07.2010, zuletzt aktualisiert: 15.02.2020 14:05