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Ghost in the Shell, S.A.C. 2nd GIG, Vol.6

Filmkritik von Oliver Kotowski

 

Die Sektion 9 ist Kuze, dem Führer der rebellischen Flüchtlinge, auf den Fersen – kann man seiner habhaft werden, bevor Kazundo vom Innenministerium mit weiteren Winkelzügen die Situation zum Eskalieren bringt?

 

Seit Jahrzehnten schon wurden die Flüchtlinge Ostasiens, die im Zuge des 3. und 4. Weltkriegs nach Japan flohen, nicht in die Gesellschaft integriert. Beide Seiten, die Flüchtlinge und die bürgerliche Gesellschaft, hatten sich halbwegs mit der Situation abgefunden. Doch dann begannen die Terroristen der "Unabhängigen Elf" mit massiver Gewalt gegen die Flüchtlinge vorzugehen – um sie aufzustacheln. Ihr Plan scheint aufzugehen, denn die Flüchtlinge beginnen sich unter Kuzes Anleitung zu formieren. Kuze ist der einzige der Elf, der nicht Selbstmord beging. Er konnte sich anscheinend vom Virus, denn ein solches führte die Terroristen zu ihren Taten, befreien. Wenn die Flüchtlinge aufständisch werden, könnte sich die Sicherheitslage dramatisch verschärfen. Gewisse Abgeordnete beginnen deswegen den Druck auf die Premierministerin Kayabuki zu erhöhen: Man müsse einen Sicherheitspakt mit dem Amerikanischen Kaiserreich schließen. Doch die Premierministerin hält noch an ihrem Kurs der Unabhängigkeit fest. Der Sektion 9 sind mittlerweile die Akteure und die Ziele einigermaßen bekannt – doch es fehlt noch an Detailwissen um selbst agieren zu können.

 

Dieses ist die sechste von acht DVDs der zweiten Staffel der Anime Serie Ghost in the Shell – Stand Alone Complex. Sie enthält die Episoden 17 bis 19. Episode 17 Mutter und Kind: Major Kusanagi holt Informationen vom Festland ein, wo man Kuze als letztes gesehen hatte. Viel kann man ihr nicht mitteilen und wegen der politischen Spannungen sind internationale Flüge Mangelware; der Major muss sich etwas gedulden, bis es nach Japan zurückgeht. Sie schaut sich auf eigene Faust ein wenig um und stößt auf einen Jugendlichen, der an die Yakuza geraten ist. Sie hilft ihm und stellt fest, dass er ein paar Überraschungen bereithält. Episode 18 Himmel über Berlin: Ein international gesuchter Terrorist verübt extrem tödliche Anschläge vor den großen Gipfeltreffen am jeweiligen Veranstaltungsort. Er hat irgendeine Verbindung in die Stadt Berlin: Zu jedem Anschlag bricht er von dort auf. Major Kusanagi und Batou sind auf besondere Empfehlung des Innenministeriums nach Berlin beordert worden um Amtshilfe zu leisten. Statt das innenpolitische Problem Japans anzugehen sind sie gehalten im verschneiten Berlin ein menschliches Chamäleon zu ergreifen. Episode 19 Relativreaktion: Zurück in Japan gelingt es Kuze im Cyberspace aufzuspüren. Sofort macht sich der Major mit den Tachikoma auf, sich ins Cyberbrain des Flüchtlingshelden zu hacken. Es scheint eigenartig ungeschützt zu sein. Dennoch warnt Kuze: Weiteres Eindringen könnte drastische Folgen für die Hacker haben. Tatsächlich greift irgendetwas Kusanagis Cyberbrain an und nur mit Mühe und Not kann sie sich ausklinken. Doch es könnte gereicht haben um Kuze dingfest zu machen – er hält sich auf einem Schmugglerboot im Hafen auf, Eile ist geboten!

 

Die Geschichten nutzen zwar Action durchaus als Spannungsquelle, aber legen nicht allzu viel Gewicht darauf; es geht auch immer um Ermittlungen. Damit sind die Plots alle gewissermaßen Thriller. In Episode 17 gibt es neben dem Krimi um die Yakuza noch ein wenig Biographie von Major Kusanagi. Sie weiß nicht genau, wie sie sich dem Jugendlichen gegenüber verhalten soll: Soll sie eine Mutter-Rolle einnehmen? Akzeptiert sie ihn kurzfristig als Partner? Soll sie ihn wie einen Verdächtigen behandeln? Hier wird eine philosophisch spannende Frage gestellt (aber leider nicht weiter behandelt): Kann man mit einer Vollkörperprothese eigentlich Sex haben? Der Metaplot wird hier nur minimal weitergebracht. In Episode 18 gibt es nur eine kleine Actionszene. Die meiste Zeit räsoniert Batou seine Lage und observiert die Gegend. Abgesehen von den Einblicken in Batous Charakter ist die Folge vor allem eine (aber nicht ausschließlich) ästhetische Hommage an Wim Wenders Der Himmel über Berlin. Diese Geschichte steht völlig außerhalb des Metaplots; nur eine Bemerkung knüpft daran an. Episode 19 wendet sich dann wieder verstärkt dem Metaplot zu: Kuze scheint endlich ins Netz gegangen zu sein. Des Majors Bemühungen sein Cyberbrain zu hacken verweist dann ganz klar auf den Cyberpunk. Natürlich bleibt es nicht dabei; es folgt eine Szenen Sequenz, die an einen SWAT-Einsatz moderner Polizei-Thriller gemahnt. Diese Episode gibt endlich an, wohin der Marsch gehen wird – unklar allerdings bleibt, wer den ersten Zug gemacht hat.

Die Folgen lassen sich entspannt verfolgen: Man muss keinen komplizierten Erläuterungen aufmerksam lauschen, sondern kann einfach den Handlungen der Protagonisten folgen. Einen kleinen, aber entscheidenden Hinweis gibt es am Ende der Episode 19 dann aber doch – aber keine Panik falls man ihn übersehen sollte: Später wird es noch sehr klar, worum es geht.

 

Von den Figuren werden in erster Linie Major Kusanagi und Batou charakterisiert; Kuze erhält aber auch ein oder zwei weitere Facetten. Die Anderen werden dieses Mal nur als typenhafte Offiziere des militärischen Geheimdienstes dargestellt. Major Kusanagi ist eine attraktive Frau, die durchaus Wert auf diese Inszenierung legt. Sie ist allerdings eine gefährliche Kämpferin: Sie hat eine Vollkörperprothese, ist hochintelligent und nutzt beides knallhart aus. Mit ihren Emotionen kann sie jedoch nur begrenzt gut umgehen: Was soll sie bloß mit dem Flüchtlingsjungen anfangen? Batou gibt gerne den ruppigen Stürmer; auch er hat eine Vollkörperprothese und hält damit nicht hinter dem Berg. Loyalität ist für ihn ein hoher Wert: Für Freunde geht er große Risiken ein, gegen Feinde ist er erbarmungslos. Aber er hat auch ein weiches Herz, welches seiner Loyalität im Weg stehen kann. Kuze, der große Held der Flüchtlinge, ist eine Herausforderung für die Sektion 9: Er ist ein exzellenter Krieger, herausragender Taktiker und charismatischer Führer. Seine Schwäche – oder vielleicht seine verborgene Stärke – ist seine Rücksicht.

 

In diesen Episoden wird mehr mit dem Setting und dem Zeichenstil gespielt als üblich. Die Flüchtlingssiedlung auf dem Festland erinnert an frühere Animes – neben den Pastellfarben gibt es sogar einige stille Bilder ohne Bewegung. Episode 18 ist visuell besonders interessant, denn Berlin vereinigt in sich diverse Elemente: Es gibt kleine Fachwerkhäuser und schlanke Glastürme, Krater und Ruinen neben Parks und Prachtalleen. Es schneit beständig, was eine atmosphärische Untermalung ist. Auch in den Details wird viel Wert auf Authentizität gelegt; man erkennt die Uniform des deutschen Kontaktoffiziers und den Potsdamer Platz wieder. Tokio ist wie üblich in einem düsteren, modernen Stil gehalten, wie auch die Figuren eine Mischung aus typischen Anime und realistischem Stil sind.

 

Tonspuren sind die obligatorischen: japanisches Original und deutsche Übersetzung; deutsche Untertitel sind auch zu haben. Ein kurzer amüsanter Sketch, Das Leben der Tachikoma, folgt jeweils einer Episode. Außerdem gibt es ein Gespräch zwischen dem Regisseur Kenji Kamiyama und den Sprechern Atsuko Tanaka (Major Kusanagi) und Akio Ohtsuka (Batou), die sich über ihre Figuren und ihrem Verhältnis zur Serie unterhalten. Die Trailer weiterer Animes von Panini Video bilden den Abschluss.

 

Fazit:

Sektion 9 kommt endlich an Kuze heran – aber wird es auch reichen um die politischen Intrigen aufhalten zu können? Die Folgen sind allesamt gut anzuschauen, wenngleich ihre interessanten Ideen auch eher an Oberflächen kratzen, als in die Tiefe dringen. Da die Verbindungen zu den früheren Folgen relativ gering sind, lassen sie sich auch unabhängig von der Serie sehen, gerade Episode 18 bietet sich da an.

 


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Ghost in the Shell, S.A.C. 2nd GIG, Vol.6

Bildformat: 16:9

Synchro: dt. (DTS, DD 5.1), jap. (DD 5.1)

Untertitel: dt.

Spieldauer: 75 Min.

Episoden 17-19 + Extra

ISBN: 978-3-86607-235

EVT: 26.02.2007

erhältlich bei Panini


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Stand:  2014-04-16 04:49 |